Verbund-Gaskraftwerke: Einmotten, verkaufen oder stilllegen

Verbund-Gaskraftwerke: Einmotten, verkaufen oder stilllegen

Eine Entscheidung, wie man hier weiter verfahren will, kündigte Vorstandschef Wolfgang Anzengruber am Freitag im Klub der Wirtschaftspublizisten für das 4. Quartal an, es sei dafür eine eigene "Task Force" gebildet: "In diesem Bereich kann man heute in Europa kein Geld verdienen, das ist kein Verbund-Spezifikum."

Das für 550 Mio. Euro errichtete Gas-Kombikraftwerk Mellach in der Steiermark, mit 60 Prozent Wirkungsgrad eine der höchsteffizientesten Anlagen in Europa, ist nach der bereits dritten Wertberichtigung auf einen Restwert von 141 Mio. Euro abgeschrieben. Das diese Woche bekannt gegebene weitere Impairment macht laut Anzengruber 271 Mio. Euro aus, voriges Jahr wurde in zwei Schritten schon um 160 Mio. Euro abgewertet. Neben Mellach, das zu 80 Prozent dem Verbund und zu 20 Prozent der Energie Steiermark gehört, geht es auch um zwei vollkonsolidierte Gaskraftwerke in Frankreich. An den Anlagen der italienischen Beteiligung Sorgenia hält der Verbund nur Minderheitsanteile, dort werde ein "sehr scharfen Restrukturierungskurs" gefahren.

Spätestens gegen das Jahr 2020 werde es im Gaskraft-Sektor einen Wendepunkt geben, ist der Verbund-Chef überzeugt. Denn es würden - bis 2022 - alle deutschen AKW vom Netz gehen und sich eine "Strom-Lücke" auftun. Das werde den jetzt unrentablen Gasanlagen auf die Sprünge helfen. Unwirtschaftlich sind die derzeit nicht nur wegen der - infolge des Strom aus Erneuerbaren - niedrigen Strompreise, sondern auch infolge der teuren Gaslieferverträge. Hier stehen alle großen Abnehmer mit Gazprom in Nachverhandlungen, für den Verbund dessen direkter Lieferant EconGas, eine 50-Prozent-Tochter der OMV. Primär gelte es, die "take-or-pay"-Klauseln wegzubringen, so Anzengruber, die Abnehmer zu Zahlungen verpflichten, selbst wenn diese gar kein Erdgas abnehmen. Derzeit verhalte sich die russische Seite in den Verhandlungen "nicht dynamisch".

"Durchtauchen" bis 2020 keine Option

"Durchtauchen" könne man etwa mit einem Gaskraftwerk Mellach bis 2020 keinesfalls, so der Verbund-Chef, denn auch als stillstehendes, aber nicht eingemottetes Werk schlage sich die Anlage jedes Jahr mit rund 40 Mio. Euro Fixkosten nieder, inklusive Abschreibungen. Laut Anzengruber läuft Mellach derzeit nur rund 1.000 Stunden jährlich, obwohl es auf 5.500 Jahrstunden ausgelegt ist. Von staatlichen Beihilfen, damit die Anlage weiterläuft, hält er dennoch nichts: "Wir werden jetzt nicht um Beihilfen betteln. Es gibt schon so etwas wie ein unternehmerisches Risiko." In Deutschland betreibt E.ON derzeit eine hochmoderne Anlage in Irsching bei Ingolstadt nur weiter, weil es dafür 100 Mio. Euro an Staatsgeld gibt, auch der Netzbetreiber Tennet trägt aus Gründen der Netzstabilität und Versorgungssicherheit einen Teil der Kosten.

Unterstützt werden die Strom-Großhandelspreise, die derzeit bei etwa 40 Euro pro Megawattstunde (MWh) lägen, durch die für Anfang Juli zu erwartende Zustimmung des EU-Parlaments zum "Backloading", also einer Verknappung von CO2-Zertifikaten, nimmt der Verbund-Chef an. Dabei soll wegen des massiven Preisverfalls dieser Verschmutzungsrechte die Zahl der Zertifikate von 2013 bis 2015 um 900 Mio. Tonnen verringert werden. Davon erwarte er sich einen Anstieg des CO2-Preises auf 10 bis 15 Euro/t, was für den Strompreis 2 bis 3 Euro/MWh bedeute, so Anzengruber. Und ein Euro mehr Strompreis bedeute für den Verbund "30 Millionen Euro mehr Gewinn".

Neben den zusätzlichen Impairments hat der Verbund diese Woche auch mit einer - weiteren - Kürzung seines bis 2017 laufenden 5-Jahres-Investitionsprogramms sowie dem Sparprogramm bis 2015 aufgewartet. Ein Einsparvolumen von kumuliert 130 Mio. Euro von 2013 bis 2015 "erfordert Anstrengungen, ist aber realisierbar", sagte Anzengruber. In personeller Hinsicht solle es "keine Kündigungswelle" geben, aber man wolle "den normalen Abgang maßvoll kompensieren". 2012 zählte der Konzern rund 3.100 Mitarbeiter. Einsparpotenzial gebe es zudem bei Projekt-Planungsabläufen sowie bei Strukturkosten, Stichwort allfällige Zusammenlegungen. Auch durch den Verkauf der Türkei-Assets an E.ON seien infolge dieser "Komplexitätsreduktion" gewissen Anpassungen der Kostenstruktur möglich.

Investitionsprogramm zusammengestrichen

Das Investitionsprogramm bis 2017 wurde jetzt auf nur noch 1,2 Mrd. Euro zusammengestrichen, nachdem bereits im Frühjahr eine Senkung von 2,2 auf 1,5 Mrd. Euro erfolgt war. Investieren wolle man außer in die Netze - 700 Mio. bis 2017 - nur in CO2-freie Erzeugung, bekräftigte Anzengruber, mit Fokus auf Österreich und Deutschland. Stärker werden will der Verbund im Downstream, also kundenseitig. Bei heimischen Industriekunden steht man bereits bei über 20 Prozent Marktanteil, bei Privaten und Kleingewerbe aber erst bei 6 Prozent, "das wollen wir ausbauen - auch in Deutschland". Die Stromabsatzmenge im Privatkunden-Segment möchte man von 9 auf knapp 12 Terawattstunden (TWh) steigern. Nach früheren Angaben wollte der Verbund die Endkundenzahl von 2012 bis 2014 auf 500.000 verdoppeln.

Das Hochwasser an Donau und Inn war für den Verbund gravierender als die Flut im Jahr 2002 und hat dem Stromkonzern nach vorläufigen Berechnungen zirka 15 bis 20 Mio. Euro direkte Schäden an den Anlagen und in den Stauräumen beschert. Die Maschinen in den Laufwasserkraftwerken seien aber nicht beschädigt worden und stünden alle wieder im Vollbetrieb, sagte Anzengruber. Neben den direkten Schäden traf die Flut den Verbund mit rund 10 Mio. Euro Erlös-Entgang durch hochwasserbedingte Produktionsausfälle.

Börse

Neues Börsegesetz bringt Erleichterungen für Unternehmen

Die Voestalpine liefert 120.000 Tonnen Bleche für den Bau der South Stream Pipeline von Russland nach Österreich.
#ukraine #south stream #russland #putin #omv
 

Börse Wien

Voestalpine ist bei South Stream als Lieferant im Geschäft

Der Plan soll mit einer 375 Millionen Euro schweren Umtauschanleihe gelingen.
#immofinanz
 

Börse Wien

Immofinanz bereitet Teilausstieg aus Buwog vor