Update Telekom-Prozess: Broker Wanovits, die "Gentlemen" und 600.000 Euro im Sackerl

Der Broker Johann Wanovits hat am dritten Verhandlungstag im Telekom-Prozess rund um eine Kursmanipulation im Jahr 2004 seine "Kurspflege" verteidigt.

Update Telekom-Prozess: Broker Wanovits, die "Gentlemen" und 600.000 Euro im Sackerl

Wanovits bekannte sich nicht schuldig, vielmehr habe er einen "unzulässigen" Angriff auf den Aktienkurs der Telekom Austria durch einen Kauf von 1,2 Millionen Aktien abgewehrt.

Eine schriftliche Vereinbarung über den Aktienkauf gab es mit der Telekom nicht, obwohl dies bei derartigen Geschäften an sich üblich war. Dass es zu keiner Verschriftlichung kam, begründete Wanovits in der Befragung durch Richter Michael Tolstiuk damit, dass er an ein "Gentlemen's-Agreement" geglaubt habe. Hätte die Telekom die Zusagen zu einer finanziellen Risikoabsicherung nicht eingehalten, wäre das "schuftig" gewesen.

Der Kontakt mit der Telekom habe auf Betreiben des Prokuristen Josef Trimmel stattgefunden, den Wanovits im Zuge seiner Obmannschaft bei einem burgenländischen Musikverein kennengelernt hatte. In Folge habe es dann am Faschingsdienstag im Februar 2004 ein Treffen mit Trimmel und dem Kronzeugen Gernot Schieszler - damals Telekom-Controllingchef - gegeben.

Die Telekom-Mitarbeiter hätten ihn gefragt, ob er sich vorstellen könne Aktien zu kaufen. Wanovits: "Ich habe gesagt, ich muss mir das ansehen." Er habe dann am Aschermittwoch klar gesehen, dass der Aktienkurs der Telekom in der Schlussauktion nach unten gedrückt werde.

Am Aschermittwoch im "Gasthaus Hansy" am Praterstern habe er dann Schieszler und Trimmel getroffen. Dabei sei vereinbart worden, dass Wanovits eine Million Euro erhalten solle, weil er durch den Aktienkauf ein Risiko eingehe. Laut Wanovits war er damals überzeugt, dass er sein Ziel erreichen werde, denn nur in diesem Fall sollte er eine Million erhalten - "über Geschäfte mit marktüblichen Konditionen", betonte Wanovits.

Dass das Aktienoptionsprogramm der Telekom bei einer Investmentbank abgesichert war und diese Option vom Vorstand schon gezogen worden war, wusste Wanovits laut heutiger Aussage im Wiener Straflandesgericht damals nicht.

Wanovits erklärte, dass er die Aktien auf "eigenes Buch und eigenes Risiko" gekauft habe. Sein Kursrisiko habe rund eine Million Euro betragen. Mit der Telekom, also mit Schieszler, habe es ein "Gentlemen-Agreement" gegeben, dass man mit ihm in Geschäftskontakte treten werde. Bei der Platzierung von Anleihen oder bei Aktienrückkäufen könne man viel verdienen, schilderte er.

Die Order zum Kauf der Telekom-Aktien habe er eine halbe Stunde vor Börseschluss erhalten. Trimmel habe ihm gesagt, dass "der Vorstand" der Telekom interessiert sei, die Geschäfte zu machen, und habe ihm das Okay gegeben.

Nach dem Kurssprung, der zu einem 8,8 Mio. Euro schweren Bonusprogramm für knapp 100 Telekom-Manager führte, kam es zu einer intensiven kritischen Medienberichterstattung und einer Untersuchung der Finanzmarktaufsicht (FMA), wodurch die Telekom auf Distanz zu ihm gegangen sei. Gegengeschäfte seien nicht möglich gewesen. "Ich wurde vertröstet", meinte Wanovits.

Drei Bargeldübergaben

Wanovits erhielt von der Telekom für seine Dienste, im letzten Moment den Telekom-Kurs über die entscheidende Schwelle von 11,70 Euro zu heben, 600.000 Euro in bar. Bei drei Bargeldübergaben habe er das Geld von dem nun als Kronzeugen auftretenden Ex-Telekom-Mitarbeiter Gernot Schieszler übernommen. "Eine völlig übliche Überweisung der Telekom an die Euro Invest wäre mir schon lieber gewesen", meinte er heute bei der Befragung im Telekom-Prozess.

Staatsanwalt Hannes Wandl und Sachverständiger Matthias Kopetzky hakten nach: Was hätte Wanovits denn auf die Rechnung draufgeschrieben? "Kauf von Aktien", meinte Wanovits zunächst, ruderte aber dann zurück. Eine Rechnungslegung sei eigentlich nie geplant gewesen.

Dass er Schieszler und Josef Trimmel aufgefordert habe, sich selber auch etwas zu nehmen, schloss Wanovits heute dezidiert aus. Trimmel hatte gestern ausgesagt, Wanovits habe ihm und Schieszler etwas Geld angeboten: "Nehmt's euch ein Packerl", soll Wanovits gesagt haben. "Wenn das so wäre, tät ich's sagen, Herr Rat", widersprach der Broker heute dem mitangeklagten Trimmel.

Die Kursmanipulation im Auftrag der Telekom passierte im Februar 2004, einige Monate später begann das Geld für Wanovits zu fließen. Die erste Bargeldübergabe am 8. Juli 2004 führten Schieszler und Trimmel durch. Dass diese die 500-Euro-Scheine in Packerln zuvor vom Lobbyisten Peter Hochegger abholten, der selber das Geld von der Telekom erhalten und über einen Scheinauftrag "gewaschen" hatte, habe er nicht gewusst - "das ist ja abenteuerlich", meinte Wanovits. Schieszler habe ihm das Geld in einem Papiersackerl im Auto überreicht.

Er habe die Scheine dann zu Hause gezählt und in den Tresor gelegt. Drei Bargeldübergaben mit 270.000 Euro, 130.000 Euro und 200.000 Euro habe es bis 2005 gegeben - in Summe also 600.000 Euro. Das Geld habe er "ohne Quittung" übernommen. Verwendet habe er es für Aufwendungen seiner Euro Invest Bank, Rechnungen darüber gebe es nicht. "Die Bargeldsituation hat mir nur Kopfweh bereitet", so Wanovits.

Später habe er dann den mitangeklagten Ex-Telekom-Vorstand Rudolf Fischer angerufen und gesagt, es sei noch Geld ausständig. Fischer habe erklärt, er wisse das. Im Jahr 2008 habe ihm Schieszler angeboten, Kontakt zu Hochegger herzustellen. Hochegger zahlte ihm schließlich "netto 165.000 Euro" für "Studien" über erneuerbare Energien und anderes.

Mit dem eigentlichen Aktiengeschäft, dem Kauf von 1,2 Millionen Telekom-Aktien, hat Wanovits nach eigenen Angaben einen "leichten Verlust" erzielt. Richter Michael Tolstiuk hielt ihm entgegen, dass laut Aussage seiner Mitarbeiter die Euro Invest durch den Deal 200.000 bis 300.000 Euro Gewinn erzielt habe. "Das stimmt nicht", konterte Wanovits.

Sein eigenes Handeln verteidigte Wanovits heute: Die Finanzmarktaufsicht (FMA) habe die Sache untersucht, aber ihn nicht bestraft. Wanovits hatte der FMA allerdings seinen Auftraggeber, die Telekom, verheimlicht. Auch von Geldübergaben wusste die FMA nichts.

Widersprüchlich waren seine Aussagen, woher er die Infos über das Telekom-Optionenprogramm hatte. Der FMA gegenüber nannte er die intensive Medienberichterstattung. Heute erklärte Wanovits auf Nachfrage, dass er sich beim Aktienhandel "ausschließlich auf sein Gefühl" verlasse. Er konzentriere sich dabei ganz auf das Auf und Ab des Kurses. Infos etwa von Bloomberg und Reuters über deren Infoschirme nutze er nicht. Ab und zu lese er das "WirtschaftsBlatt" und am Wochenende den "Kurier". Und das Magazin "Gewinn".