UNIQA auf Re-IPO-Kurs – Lebensversicherung stagniert weiter

Das Kapital brauche man zur Finanzierung des weiteren Wachstums, sagte der CEO beim Bilanzpressegespräch am Donnerstag. In fast allen Ländern ist die UNIQA 2012 größer geworden. Dabei wird die Lebensversicherung aber auch 2013 kaum zulegen können, das Wachstum kommt derzeit aus der Sach- und der Krankensparte.

UNIQA auf Re-IPO-Kurs – Lebensversicherung stagniert weiter

Expandieren will die UNIQA primär organisch, schließt aber Zukäufe nicht aus. Der Reorganisations-Personalabbau um 600 Leute im Konzern ist fast "durch": Nach 200 in der Zentrale in Wien fallen weitere 185 Jobs in den Bundesländern weg, der Rest im Konzern insgesamt.

Die Konzernstruktur sei jetzt "fit für die Börse", betonte Brandstetter zu den erledigten Umstrukturierungen und der erfolgten Sanierung des Beteiligungsbereichs. Es gebe jetzt nur noch eine Holding mit drei 100-Prozent-Töchtern darunter. Verkauft wurden wie bekannt die deutsche Mannheimer-Versicherung sowie die Hotel- und die Medienbeteiligungen.

Für ein mögliches "Re-IPO", mit dem der Streubesitz von derzeit unter 8 Prozent auf bis zu 49 Prozent erhöht werden könnte - was auch den Aktienkurs beleben würde -, wartet der UNIQA-Chef auf ein "richtiges, attraktives Fenster": "Es sieht derzeit nicht so schlecht aus. Wir haben das auf der Agenda ganz oben." Ob das SPO heuer oder 2014 erfolgen könne - diese zeitlichen Optionen hat man sich offengelassen -, deutete er nicht an.

Beim Gewinn wirken sich die Konzern-Umgründungen erst in der Bilanz 2013 aus, sagte Finanzvorstand Hannes Bogner. Dementsprechend werde dann für heuer die adäquate Vergleichszahl beim Konzernergebnis von 2012 auf 170 Mio. Euro lauten und nicht die jetzt für das Vorjahr gemeldeten 130 Mio. Euro. Andererseits wurden bereits 2011 für die Reorganisation 100 Mio. Euro rückgestellt; rechnet man die heraus, sind die Verwaltungskosten 2012 um 7 Prozent gesunken und nicht wie jetzt vermeldet um 27 Prozent (auf 363 Mio. Euro), so Bogner.

"Die Lebensversicherung bleibt schwierig. Das wird uns auch 2013 begleiten", sagte CFO Bogner zum operativen Geschäft und verwies auf die niedrigen Zinsen und die von 10 auf 15 Jahre verlängerte Mindestlaufzeit für steuerbegünstigte Einmalerläge. Auch deshalb hofft man auf die in Österreich geplante Reform der Zukunftsvorsorge. Hier sei die Branche "in produktiven Gesprächen" mit dem Finanzministerium, so Brandsetter. Am Zug sei jetzt das Ministerium. Ziel sei es, einen überproportional hohen Aktienanteil in der Veranlagung zu vermeiden, der "den Kunden einmal auf den Kopf fallen kann".

Wegen der niedrigen Zinsen sucht - "wie alle Versicherer" - auch die UNIQA nach neuen Investment-Möglichkeiten für die Veranlagung, sagte Bogner. Dabei sei an Infrastruktur-Finanzierungen, aber auch an Alternative Energien und (Strom-)Netze gedacht. Aktien seien generell "ein schwieriger Veranlagungsbereich", auch im Hinblick auf die kommenden Solvency-II-Eigenkapitalbestimmungen.

Abstoßen will die UNIQA ihr rund 400 Mio. Euro schweres Private-Equity-Portfolio, eine Fund-of-Funds-Konstruktion. Derartige Investments bringen zu wenig laufende Erträge, wie sie in der Sparte Leben nötig seien, sagte Bogner. Daher plane man via Bieterverfahren einen Verkauf, "das sollte in den nächsten zwei Quartalen abgeschlossen sein".

Die UNIQA hat mit Steueroasen nichts am Hut

In "Steueroasen" ist der UNIQA-Konzern nicht tätig, betonte Finanzvorstand Hannes Bogner am Donnerstag im Bilanzpressegespräch. Allerdings verfügt man noch über drei Immobilien-Besitzgesellschaften auf Zypern aufgrund früherer Immo-Deals in Osteuropa (Ukraine) in den Jahren 2007 und 2010. Man werde diese Gesellschaften liquidieren, da man sie ohnedies nicht mehr benötige. Zudem gebe es bei der UNIQA noch 18 Mio. Euro Zypern-Bonds-Exposure, sagte Bogner.

Die Investments in den sogenannten "PIIGS"-Staaten hat die UNIQA Group voriges Jahr von 1,224 Mrd. Euro auf 937 Mio. Euro gesenkt. Vom verbleibenden Volumen entfielen Ende 2012 allein 672 Mio. Euro auf Italien, was aber durch die dortigen Aktivitäten als Lebensversicherer erklärbar sei, so Bogner. Von griechischen Staatsanleihen hatte man sich ja bereits 2011 verabschiedet, seit 2012 hat man auch keine Portugal-Staatsbonds mehr. Neben Italien verblieben somit im "PIIGS"-Bereich noch 197 Mio. Euro Exposure in Irland und 68 Mio. Euro in Spanien. Die Netto-Erträge aus allen ihren Kapitalanlagen konnte die UNIQA 2012 um 292 Prozent auf 792 Mio. Euro steigern.

Zur wichtigen UNIQA-Region Zentral- und Osteuropa (CEE) legte CEO Andreas Brandstetter "ein klares Bekenntnis" ab, "trotz aller Unkenrufe". Das sei ein Wachstumsraum mit 340 Millionen Menschen, in dem jetzt schon 58 Prozent aller UNIQA-Kunden lebten, wiewohl erst 23 Prozent der Konzernprämie von dort kämen. Auch der vorjährige Kunden-Zuwachs um 600.000 auf 8,7 Millionen sei vor allem CEE/SEE zu verdanken, dort ist das Plus stärker als am Heimmarkt. Bis 2015 will die UNIQA ihre Kundenzahl auf 15 Millionen steigern, doppelt so viel wie 2010.

Im Osten - wo die UNIQA im Vorjahr in 12 von 15 Ländern die Marktanteile ausbauen konnte - sieht man besonders gute Wachstumschancen in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Polen, aber auch in der Ukraine und Russland. In Russland, wo kaufkräftige Schichten entstehen, die vorsorgen wollen, werde man weiter nur die Lebensversicherung betreiben. Rumänien sei auch für die UNIQA ein "sehr heikler Markt"; hier hat man laut Brandstetter restrukturiert und reformiert, das bescherte aber auch im Vorjahr noch ein Minus von drei (nach -21) Mio. Euro.

In Österreich setzt die UNIQA auf eine Reorganisation in den Bundesländern und einen schlagkräftigeren Vertrieb über die Raiffeisen-Banken. In den Bundesländern laufe eine Reorganisation, durch die man auch die Präsenz in der Fläche von 300 auf 400 eigene Standorte erhöhen will, Ende 2012 lag man bereits bei 325 - noch ohne die Raika-Kooperation. Mit den acht Raiffeisenlandesbanken besteht zudem seit September 2012 eine verbindliche schriftliche Vereinbarung, in der - eine Premiere - erstmals konkrete Produktivitätsziele genannt sind, so Brandstetter. Nach seinem ersten Eindruck zeige das schon positive Effekte und werde sich schon 2013 im Ergebnis widerspiegeln. Insgesamt peilt die UNIQA für heuer bei gutem Umfeld und stabilen Kapitalmärkten ein "signifikant besseres" Ergebnis als 2012 an.

Dass Boni - bei Banken - künftig auf die Höhe der Fixgehälter begrenzt werden sollen, hält Brandstetter für "logisch" und "ethisch okay". "Ich schlage unserem Aufsichtsrat vor, das auch bei uns zu ändern", sagte der CEO auf eine Frage zur Tatsache, dass bei der UNIQA zuletzt die variablen Bezüge leicht über den fixen Bezügen gelegen sind.