Telekom Austria und Carlos Slim: Was passiert nach dem 25. September?

Telekom Austria und Carlos Slim: Was passiert nach dem 25. September?

Es ist ein Übernahme-Coup mit Folgen für Deutschland und Österreich: Der mexikanische Telekom-Milliardär Carlos Slim will den niederländischen Konzern KPN für gut sieben Milliarden Euro schlucken. Wackeln könnte damit ein anderer Deal. Denn KPN hat vor kurzem den Verkauf seiner deutschen Mobilfunk-Tochter E-Plus beschlossen, ohne Slim und sein Unternehmen America Movil dafür an Bord zu holen. Die Telekom Austria wird dagegen ebenfalls zum möglichen Ziel einer Komplettübernahme.

"Bei E-Plus gibt es nun ein signifikantes Risiko, das sie den Verkauf jetzt blockieren", sagte Analyst Will Draper von der Bank Espirito Santo am Freitag. Mit den Überlegungen bei America Movil vertraute Personen hatten zuvor schon betont, dass Slim die gut acht Milliarden Euro, die der Käufer o2 für E-Plus bietet, für zu niedrig hält. "Mit der Offerte für KPN hat Slim auf jeden Fall gezeigt, dass er den E-Plus-Verkauf zu Fall bringen kann", sagte ein Investor, der Anteile an KPN und o2 hält.

Ganz überraschend ist das Störfeuer aus Mexiko nicht, da America Movil der spanischen o2-Mutter Telefonica in inniger Feindschaft verbunden ist. Die beiden Firmen sind in vielen Ländern Lateinamerikas Rivalen und kämpfen dort mit harten Bandagen um die Vorherrschaft. Slim ist kein angenehmer Gegner: Der 73-Jährige führt die "Forbes"-Liste der Superreichen mit einem Vermögen von 73 Milliarden Dollar an.

Showdown über E-Plus/o2-Fusion naht

America Movil bietet nach eigenen Angaben 2,40 Euro je KPN-Aktie. Der Preis komme einem Aufschlag von 35 Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage gleich, hieß es. Die Papiere von KPN schossen daraufhin an der Amsterdamer Börse um 16 Prozent auf 2,32 Euro in die Höhe.

KPN erklärte, das 7,2 Milliarden Euro schwere Angebot nun prüfen zu wollen. Über seinen America-Movil-Konzern hält Slim bereits 29,8 Prozent an dem ehemaligen niederländischen Telefon-Monopolisten. Eine Vereinbarung, seine Anteile nicht über 30 Prozent aufzustocken, hatte der Milliardär gekündigt, nachdem die Kaufofferte von o2 für E-Plus bekanntgeworden war.

Das Timing des Slim-Vorstoßes ist nicht ganz zufällig, da der Showdown bei KPN bevorsteht: Die Niederländer wollen ihre Aktionäre in den kommenden Wochen über den E-Plus-Verkauf abstimmen lassen. Da noch kein Termin feststehe, sei unklar, ob sich der Mexikaner bis dahin die Mehrheit an KPN sichern könne, sagte der Investor, der KPN- und o2-Aktien hält. Ansonsten käme es zu einer Kampfabstimmung. "Es kann nur einen geben: Slim oder das KPN-Management."

Abwehrbollwerk

Allerdings gibt es in den Niederlanden eine sehr spezielle und wirkungsvolle Abwehrmöglichkeit. KPN hat das gesetzliche Recht, über eine Stiftung jeden Übernahmeversuch abzublocken, der "Fortbestand, Unabhängigkeit und Identität" des Unternehmens bedroht. Die Klausel könnte Anwendung finden, da im Falle einer erfolgreichen KPN-Übernahme "die Kontrolle über einen Großteil der niederländischen Telekommunikationsinfrastruktur im Endeffekt an einen einzigen ausländischen Unternehmer" falle, erklärte Analyst Ulrich Rathe von der Investmentbank Jeffries.

Zusammen würden o2 und E-Plus, die bislang weit abgeschlagen hinter der Telekom und Vodafone rangieren, in Deutschland zum Marktführer mit mehr als 40 Millionen Kunden aufsteigen. Hauptantrieb für den Deal sind Einsparungen: Durch das Zusammengehen sollen die Kosten vor allem durch die Verschmelzung der beiden Handy-Netze um über fünf Milliarden Euro sinken.

Der Zeitpunkt für Übernahmen im Telekommunikationssektor ist günstig: Die Aktienkurse sind niedrig und viele Konzerne trennen sich von Geschäften, weil die Konkurrenz zu groß und die Regulierung zu hart ist. Wegen der niedrigen Zinsen lassen sich Übernahmen zudem günstig finanzieren. "Es ist der perfekte Sturm", betonte der Investor.

Schluckt Slim die Telekom Austria als nächstes?

Der Komplett-Kauf von KPN bringt nun natürlich wieder Bewegung in die Spekulationen um eine Anteilsaufstockung von Slim bei der Telekom Austria. Am 25. September läuft für den Großaktionär América Móvil eine Frist ab: Bis zu diesem Tag müssten im Falle eines Übernahmeangebotes mindestens neun Euro pro Telekom-Aktie geboten werden und das läge zu deutlich über dem aktuellen Kurs von rund 5,3 Euro. Eine Bestimmung im Übernahmegesetz besagt, dass innerhalb eines Jahres nicht weniger bezahlt werden darf, als der österreichische Investor Ronny Pecik im September 2012 für sein 20-Prozent-Paket bekommen hat. Nach diesem Tag kann Carlos Slim jedoch auch zum aktuellen Kurs Telekom-Aktien erwerben.

Sowohl auf den Finanzmärkten als auch in Telekom-Kreisen wird es für durchaus realistisch gehalten, dass Slim angesichts des günstigen Kurses – der Gesamtwert des Unternehmens beträgt nur noch 2,3 Milliarden Euro – versuchen könnte, die Mehrheit zu erlangen. Zumal sich hartnäckig Gerüchte halten, dass América Móvil sich durch Optionen schon jetzt über die offiziell gehaltenen 22,76 Prozent hinaus Anteile an der Telekom Austria gesichert hat. Und ab 30 Prozent wäre sowieso ein Pflichtangebot fällig - dem eine Kapitalerhöhung folgen könnte, die das Unternehmen ohnehin dringend braucht.

Aktien der Telekom Austria sind gefragt

Die Telekom-Aktie legte in der Folge der Spekulation über ein Übernahmeangebot von Slim am Freitag in der Spitze bis zu zehn Prozent zu. "Die Entwicklung ist vorgezeichnet. Das wird hier genauso ablaufen", vermutet mach auch in Unternehmenskreisen. Über die konkreten Pläne Slims für sein österreichisches Investment gebe es jedoch auch in Wien Rätselraten.

"Nach dem 25. September würde ein mögliches Pflichtangebot günstig ausfallen", sagte der Telekom-Insider. Ein Unternehmenssprecher wollte sich dazu nicht äußern. "Wir kommentieren diese Situation nicht, das ist eine Eigentümerfrage", sagte er.

Österreich könnte Slims Pläne vereiteln

Obwohl die Vorzeichen günstig scheinen, erwarten Experten keine rasche Übernahme der Telekom Austria durch die Mexikaner. Bei KPN sei Slim wegen der Verkaufspläne von E-Plus zum Handeln gezwungen worden, sagte Raiffeisen-Analyst Bernd Maurer. "Diese Dringlichkeit besteht bei der Telekom Austria nicht." Die KPN-Offerte beflügle zwar die Telekom-Austria-Aktie, aber mache "eine unmittelbare Übernahme der Telekom Austria nicht wahrscheinlicher" - zumal es für die Mexikaner schwer sein dürfte, zwei Zukäufe parallel zu stemmen, sagte Maurer.

Wenn Slim sein Aktienpaket deutlich ausbaut, benötigt er dafür außerdem grünes Licht der österreichischen Regierung. Laut österreichischem Außenwirtschaftsgesetz bedarf der Einstieg eines außereuropäischen Investors mit mehr als 25 Prozent bei einem österreichischen Unternehmen im "Bereich der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" der Zustimmung des Wirtschaftsministeriums. Telekommunikation fällt darunter.

Zudem hält die österreichische Staatsholding ÖIAG eine Sperrminorität von 28,42 Prozent an der Telekom - und ist damit der größte Einzelaktionär. Sie könnte wesentliche strategische Weichenstellungen verhindern. Eine Anteilsaufstockung oder Mehrheitsübernahme gegen den Willen der österreichischen Regierung ist daher nur schwer vorstellbar. Um Klarheit über den künftigen Kurs in Österreich zu erhalten, könnte Slim vor weiteren Schritten zunächst auch die Parlamentswahlen Ende September abwarten.

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