Strabag: Schnappt sich Deripaska die Sperrminorität?

Die Wettbewerbsbehörde hat bereits Grünes Licht für die Übernahme weiterer Strabag-Aktien durch Deripaska erteilt. Aber zur Stunde ist noch keine Aufstockung von 19,4 auf 25 Prozent plus eine Aktie erfolgt. Die Strabag hat außerdem einen 300-Millionen-Auftrag in Russland erhalten.

Strabag: Schnappt sich Deripaska die Sperrminorität?

Wien. Der russische Oligarch Oleg Deripaska kann bei Österreichs größtem Baukonzern nur noch wenige Stunden auf seine ursprüngliche Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie aufstocken, die er vor der Finanzkrise bereits besaß. "Die Option kann bis morgen eingereicht werden, mir liegen aber noch keine Informationen vor", sagte Strabag-Sprecherin Diana Klein heute, Montag, Nachmittag auf APA-Anfrage.

Grünes Licht

Großaktionär Deripaska, der derzeit bereits wieder 19,4 Prozent der Strabag-Anteile hält, hat am 11. Juni den geplanten Erwerb von weiteren 5,6 Prozent via sein zypriotisches Investmentvehikel Rasperia Trading Limited vorsorglich bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) angemeldet und mittlerweile auch grünes Licht erhalten. Die Einspruchsfrist dagegen ist bereits verstrichen. "Da haben wir keinen Prüfantrag ans Kartellgericht gestellt - wir haben keine Bedenken", sagte BWB-Sprecherin Nathalie Maierhofer am Montag zur APA.

Bevor Deripaska seine Option zieht, hat die Strabag einen kapitalen Auftrag gemeldet. Für einen Auftragswert von 300 Millionen Euro wird der Baukonzern in den kommenden drei Jahren in Russland ein Stahl- und Walzwerk errichten. Die Bauzeit beträgt 36 Monate, Baustart ist im Herbst 2014. Auftraggeber ist die russische Tula-Steel Company. Das Werk werde rund 200 Kilometer südlich von Moskau in unmittelbarer Nähe zum bereits bestehenden Eisenwerk von Tulachermet errichtet.

Strabag-Vorstandschef Thomas Birtel verweist in der Aussendung darauf, dass sein Unternehmen in den vergangenen Jahren drei Stahlwerke ähnlicher Größenordnung und Komplexität errichtet habe.

Für den Fall, dass die Option gezogen wird, hat die Behörde also jedenfalls die Genehmigung erteilt. Deripaska dürfte von dieser Möglichkeit heute im Laufe des Tages oder spätestens morgen Gebrauch machen, hieß es aus der Strabag. Vor wenigen Jahren gehörten dem russischen Großaktionär bereits 25 Prozent an dem Bauriesen. Angesichts der Finanzkrise überließ er seinen Anteil aber 2009 dem damaligen Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner, der Raiffeisen und dem Versicherer UNIQA. Im November 2010 kaufte Deripaska 17 Prozent zurück und seither stockte er auch noch weiter auf. Die langjährige Option auf die Sperrminoriät läuft morgen, 15. Juli, aus.

Die bisherigen Aufstockungen ließ sich der Russe 19,25 Euro pro Aktie kosten. Aktuell liegt der Strabag-Kurs aber bei 21,89 Euro pro Stück. Es dürften zur Stunde noch heftige Verhandlungen um den Preis für eine weitere Anteilsaufstockung Deripaskas im Gange sein. 2007 ging die Strabag SE mit einem Ausgabekurs von 47 Euro an die Wiener Börse - die Bauholding Strabag war 2003 vom Kurszettel verschwunden.

Die größten Anteilseigner an der Strabag SE sind derzeit Raiffeisen/UNIQA mit 29,3 Prozent - gefolgt von der Familie Haselsteiner mit 28,3 Prozent und Deripaskas Rasperia Trading mit 19,4 Prozent. Hinzu kommen 13 Prozent der Aktien im Streubesitz sowie 10 Prozent eigene Aktien.