Stahlharte Bilanz: Inmitten der Krise glänzt voestalpine mit Gewinnsprung

Stahlharte Bilanz: Inmitten der Krise glänzt voestalpine mit Gewinnsprung

Der heimische Stahlkocher voestalpine erreichte in den zwölf Monaten bis Ende März einen um ein Fünftel gesteigerten operativen Gewinn (EBIT) von 853,6 Millionen Euro. Damit erhöhten die Linzer die Profitabilität deutlich, denn der Umsatz ging gleichzeitig um 4,4 Prozent zurück. Die EBIT-Marge stieg von 5,8 auf 7,4 Prozent.

Unter dem Strich stieg der Gewinn sogar um gut ein Viertel auf 521,9 Millionen Euro. Damit schnitt der Linzer Konzern deutlich besser ab als Analysten erwartet hatten. Der Gewinn je Aktie (EPS) legte von 1,98 auf 2,61 Euro zu.

Die Aktionäre sollen nun eine höhere Dividende von 0,90 (Vorjahr: 0,80) Euro je Aktie bekommen.

Umsatz soll wieder steigen

Im laufenden Geschäftsjahr 2013/14 erwartet die voestalpine einen stabilen bis leicht steigenden Umsatz. "Wir rechnen mit einem Umsatz in der Größenordnung von 11,5 bis 12 Milliarden Euro", sagte Voestalpine-Chef Wolfgang Eder am Mittwoch vor Journalisten in Wien. EBITDA und EBIT sollen auf dem Niveau des abgelaufenen Geschäftsjahres zu liegen kommen.

Die Umsatzprognose bis 2020 von 20 Milliarden Euro wurde von Eder bekräftigt. "Wir gehen davon aus, dass es in den nächsten zwei Jahren zur Normalisierung der Konjunkturentwicklung kommt. Wenn nicht, dann müssen wir nach unten revidieren", sagte Eder. Rund die Hälfte des erwarteten Umsatzwachstums wolle der Konzern über Zukäufe schaffen.

Die voestalpine plant außerdem hohe Investitionen - allein in ein neues Werk in Texas sollen insgesamt rund 550 Mio. Euro fließen. Mit einem weiteren Gewinnsprung rechnet der Stahlkonzern im laufenden Geschäftsjahr 2013/14 allerdings nicht. Die Ergebnisse sollen auf Vorjahresniveau bleiben. "Wir gehen von einem EBITDA von knapp 1,5 Mrd. Euro und einem EBIT von 850 Mio. Euro aus", sagte Eder heute, Mittwoch, auf der Bilanzpressekonferenz.

Einmaleffekt verantwortlich für Gewinnsprung

Der massive Gewinnsprung im abgelaufenen Geschäftsjahr ist den Unternehmensangaben zufolge auf einen Einmaleffekt aus dem Vorjahr zurückzuführen. Gemeint ist damit die 205 Mio. Euro schwere Vorsorge für das noch laufende Schienenkartellverfahren in Deutschland und die Schließung des Standortes Duisburg, die den Nettogewinn im Vergleichsjahr 2011/12 um fast ein Drittel gedrückt hatte.

Den zuletzt leichten Umsatzrückgang begründete Eder mit den gesunkenen Rohstoffpreisen - diese "Kostenvorteile seien an den Kunden weitergegeben worden". Zudem "wirkt sich natürlich auch die gesamtkonjunkturelle Abkühlung in gewisser Weise aus".

Das makroökonomische Umfeld bleibe herausfordernd - "nur Nischen in Bereichen wie Luftfahrt oder Bahninfrastruktur werden sich heuer sehr gut entwickeln und davon profitieren wir", so Eder.

Umsatzziel – "ambitioniert, aber nicht utopisch"

Das Langfristziel - ein Umsatzanstieg auf 20 Mrd. Euro bis 2020 - bekräftigte der voestalpine-Chef: "Vorausgesetzt, dass wir in den nächsten zwei Jahren zu einer Normalisierung der Konjunkturentwicklung kommen," rechnet der Konzern fast mit einer Verdoppelung der Verkaufserlöse und einer "operativen Marge, die im Schnitt über die Jahre bei 14 Prozent liegt". Im Vorjahr verbesserte sich die EBITDA-Marge von 10,8 auf 12,5 Prozent und die EBIT-Marge von 5,8 auf 7,4 Prozent.

Um das angepeilte Umsatzziel auch tatsächlich zu erreichen, müssten die Verkaufserlöse im Schnitt jährlich um etwa 1 Mrd. Euro klettern. 50 bis 60 Prozent des Wachstums sollen "endogen" erfolgen "und etwas weniger exogen", also durch Zukäufe. Das Umsatzplus bis 2020 sei "ambitioniert, aber nicht utopisch", so Eder.

"Europa wird weiter unter der Schuldenkrise leiden"

Eder rechnet auch weiterhin mit einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld: "Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr keine nachhaltige Stabilisierung der weltweiten Konjunktur gesehen - die leichte Stabilisierung im zweiten Halbjahr bedeutet noch keine Trendwende", betonte er am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz. Die Nachfrage in der Stahlbranche werde "in den nächsten Monaten unverändert verhalten" bleiben, erwartet das Unternehmen.

"Europa wird weiter unter der Schuldenkrise leiden", verwies Eder auf die nach wie vor "rezessiven Tendenzen als Faktum". Die Bauindustrie werde auch heuer "weiterhin massiv unter Druck" sein, die Automobilindustrie pendle sich auf Vorjahresniveau ein. Ein breiter Aufschwung in diesen beiden Branchen zeichne sich nicht ab.

Die Auswirkungen der ganzen Sparmaßnahmen seien unvermindert spürbar. Die Budgetsanierungsmaßnahmen der Regierungen hält Eder aber für den "richtigen Weg". Man müsse sparen, ehe man wieder investieren könne.

Die besonders massiv von der Schuldenkrise durchgerüttelten Länder im Süden Europas bräuchten seiner Meinung nach aber "schon allein aus Beschäftigungsgründen" EU-Konjunkturprogramme. Dort müsse Geld für Wachstum und die Belebung der Konjunktur in die Hand genommen werden. Die übrigen Länder sollten "die Sparprogramme konsequent durchziehen" - eine Konjunkturunterstützung "dort und da" findet Eder in Ordnung; "ich bin aber gegen breitflächige Programme".

Überkapazitäten

"Die europäische Stahlindustrie befindet sich in einer Situation vergleichbar mit den 80er Jahren", sagte Eder am Mittwoch. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt die Überkapazitäten in Europa auf 80 Mio. Tonnen - von insgesamt 215 Mio. Tonnen im Jahr. Eder sieht nicht ganz so schwarz und spricht von nur halb so hohen Überkapazitäten (40 bis 50 Mio. Tonnen). "Ein mittelgroßes Stahlwerk erzeugt rund 5 Tonnen, das heißt, wir haben um acht bis zehn Standorte zu viel."

"Rund 25 Prozent der Kapazitäten sind obsolet", fasste der voestalpine-Chef seine Brancheneinschätzung zusammen. "Da braucht man sich über eine Preisspirale nach unten nicht zu wundern." Europa benötige in den nächsten drei Jahren eine Strukturbereinigung im Stahlsektor, "sonst wird das existenzbedrohend", so Eder.

Die voestalpine selbst hat sich in den vergangenen Jahren von den Massenstahlherstellern abgekoppelt und setzt verstärkt auf Hightech-Nischen. Die Stahlproduktion macht nur noch rund ein Drittel des Konzernumsatzes aus - fast zwei Drittel der Verkaufserlöse entstammten den Bereichen Mobilität und Energie, diesen Anteil will die Voest künftig weiterhin ausbauen.

Stahl werde sich langfristig auf 25 Prozent des Gesamtportfolios reduzieren, sagte Eder. "Ein Rückzug aus dem Stahl steht nicht zur Diskussion", betonte er. Dieser Bereich "schrumpft nicht, steigt aber weniger schnell" als die anderen Unternehmenssegmente.

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