Schuler-Management sagt "Ja" zu Andritz

Schuler-Management sagt "Ja" zu Andritz

Vorstand und Aufsichtsrat des Göppinger Konzerns empfahlen den Anteilseignern am Donnerstag einstimmig die Annahme des Offerts von 20 Euro je Aktie und wollen ihre Anteile zum angebotenen Preis an Andritz verkaufen.

"Wir sind der Überzeugung: Der Angebotspreis ist fair", sagte Vorstandschef Stefan Klebert der Nachrichtenagentur Reuters, der selbst rund 20.000 Anteilsscheine an dem vor allem für die Autoindustrie tätigen Ausrüster hält.

Schuler hatte den Kaufpreis von den Wirtschaftsprüfern von Ernst & Young begutachten lassen, nach deren Urteil liegt das Offert innerhalb einer "angemessenen Bandbreite". Andritz bietet rund 35 Prozent mehr als die rund 29,7 Millionen Schuler-Aktien drei Monate vor Ankündigung des Offerts an der Börse wert waren. Den bisher höchsten Börsenkurs hatten die seit 1999 an der Börse notierten Anteilsscheine zuvor mit 16,86 Euro erreicht. Am Donnerstag notierten die Schuler-Aktien bei 20,22 Euro. Großaktionär Robert Schuler-Voith, der Ur-Urenkel von Gründer Louis Schuler, hatte mit dem Ende Mai angekündigten Verkauf seines Aktienpaktes von 38,5 Prozent an Andritz den Weg für den Einstieg der Österreicher frei gemacht. Inzwischen hat sich der auf die Papierindustrie und Wasserkraft-Turbinen spezialisierte Konzern mit Sitz in Graz 63,5 Prozent des Kapitals gesichert.

Kein Beherrschungsvertrag geplant

Andritz will sich mit dem noch bis 13. August laufenden Übernahmeofferts ein weiteres Standbein schaffen. Der Konzern plane keine Änderung der strategischen Ausrichtung von Schuler und unterstütze die Expansion in China und im Service-Geschäft, sagte Vorstandschef Klebert. Auch der Abschluss eines Beherrschungsvertrags sei nicht geplant, sagte der Manager, der Schuler seit Oktober 2010 führt. Dafür müsste Andritz mehr als 75 Prozent der Stimmrechte einsammeln und den verbleibenden Aktionären eine Garantiedividende ausschütten. Klebert will bei Schuler an Bord bleiben: "Ich habe keine Absicht und sehe keinen Grund, nicht Vorstandschef bei Schuler zu bleiben."

Gegen das Übernahmeangebot, das noch von den Kartellbehörden der EU, der USA, der Türkei, Brasiliens und Chinas abgesegnet werden muss, regt sich jedoch seitens des US-Hedgefonds Elliott Management Widerstand. Der nach Ankündigung der Übernahmepläne mit zehn Prozent bei Schuler eingestiegene Finanzinvestor hält die Offerte für zu niedrig. Andritz biete nur das 5,3-Fache des für 2012 zu erwartenden operativen Gewinns (EBITDA), angemessen sei aber das Sechsfache. Die Offerte liege damit "deutlich unter dem wahren Wert der Gesellschaft", heißt es einem Reuters vorliegenden Brief an den Schuler-Vorstand. Schuler werde den angepeilten Umsatz von 1,2 Milliarden Euro und die anvisierte operative Marge von zehn Prozent nicht erst 2014, sondern schon zwei Jahre früher erreichen, argumentiert der Fonds. Schuler müsse daher seine Mittelfristprognose anpassen.

"Keinesfalls sollte die Annahme des Angebots empfohlen werden", forderte der Hedgefonds Ende vergangener Woche. Bei Vorstand und Aufsichtsrat fand der hinter Elliott stehende Finanzinvestor Paul E. Singer damit aber kein Gehör. Elliotts Forderung nach einer abermaligen Erhöhung der erst im Mai angehobenen Geschäftsprognose ist aus Sicht des Managements nicht stichhaltig. Die konjunkturellen Schwächeanzeichen mehrten sich, die Situation sei labiler als noch vor einem halben Jahr, sagte Klebert. Der Vorstand halte an seinen Geschäftsprognosen fest, die Geschäfte von Schuler seien zyklisch. Der Maschinenbau habe zwei "brillante" Jahre hinter sich, auch die Autokonjunktur sei "extrem" gut gewesen. "Wir spekulieren nicht, sondern wollen eine solide Einschätzung abgeben", sagte Klebert.

Meckern gehört zur Strategie

Bei Elliott gehört es zur Strategie, sich in die Unternehmensführung sowie speziell Übernahmen einzumischen und auf ein höheres Angebot zu spekulieren. Auf ähnliche Weise hatte sich der Investor beim Schweizer Biotechkonzern Actelion, beim Kranbauer Demag Cranes und beim Notebook-Hersteller Medion engagiert. Bei Schuler hat Elliott wenig Druckmittel, um die Übernahme durch Andritz zu torpedieren oder einen Nachschlag zu fordern. Die Österreicher haben keine Beteiligungsschwelle gesetzt, die erreicht werden müsste, damit ihre Offerte gültig wird. Mit seinem rund 60 Millionen Euro teuren Paket kann der Hedgefonds lediglich verhindern, dass Andritz Schuler ohne seine Zustimmung von der Börse nimmt. Dafür wäre eine Quote von 95 Prozent der Stimmen nötig.

Schuler-Chef Klebert rechnet nicht mit einem baldigen Abschied des Unternehmens von der Börse. "Wir werden auf absehbare Zeit ein börsennotiertes Unternehmen bleiben", gab sich der gelernte Mechaniker und studierte Maschinenbauer überzeugt, der zuvor bei den Aufzugsherstellern Haushahn und Schindler sowie bei ThyssenKrupp Industrieservice gearbeitet hatte.

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