Sachgeschichten: Herbert Stepic erklärt, warum seine Bank auf Steuerinseln unterwegs ist

Die Großbanken stehen wegen ihrer Gesellschafte und Deals in Steueroasen massiv unter Rechtfertigungsdruck. In Wien hat am Mittwoch der Chef der Raiffeisen Bank International (RBI), Herbert Stepic, erklärt, warum seine Bank auf Steuerinseln unterwegs ist. Darunter auf der Südseeinsel Tortola (Virgin Islands).

Sachgeschichten: Herbert Stepic erklärt, warum seine Bank auf Steuerinseln unterwegs ist

Die einzelnen Gesellschaften sind im heute vorgelegten Jahresbericht aufgelistet. Die "Golden Rainbow International Ltd." in Tortola (Jungferninseln) sei eine Projektgesellschaft (Zweckgesellschaft), die hauptsächlich Immobilienfinanzierungen für einen guten asiatischen Kunden abwickle. Der Beteiligungsansatz der RBI dort betrage 31 Mio. Euro, das Finanzierungsvolumen "überschaubare" 100 Mio. Euro, erläuterten die RBI-Vorstände Martin Grüll und Johann Strobl auf Anfrage. Der von der RBI-Niederlassung Singapur betreute asiatische Partner habe den Standort gewählt. Nach dem Grund dieser Standortwahl "müssen Sie den Kunden fragen", hieß es heute bei der RBI lapidar.

Mit Steueroasentätigkeit oder Beihilfe zur Steuerhinterziehung habe dies nichts zu tun, wurde bei Raiffeisen betont.

Alles habe seine Gründe

Dass die RBI einige Gesellschaften in Malta, Luxemburg und Zypern betreibt, hat laut Stepic durchwegs "regulatorische und/oder rechtliche" Gründe. Auf Jersey (St . Helier) sitzen etwa Gesellschaften, über die Wertpapieremissionen nach britischem Recht begeben werden.

In Malta (Raiffeisen Malta Bank plc., Sliema) "kümmern wir uns um das internationale Firmenkundengeschäft". In Malta sind die Steuern generell viel niedriger als am Standort der RBI-Zentrale in Wien. Weil in Österreich wegen Verlustvorträgen die Steuerlast zur Zeit aber eher gering sei, entstünden aus der Operation in Malta derzeit keine Steuervorteile, sagte Grüll. Das über Malta abgewickelte institutionelle Kreditgeschäft wird mit 2,2 Mrd. Euro beziffert.

In Amsterdam ("RI Eastern Europe Finance B.V.") sitzt eine Tochter, die auf die Verbriefung von Krediten und Verkauf solcher Pakete spezialisiert sei. Weltweit liefen solche Verbriefungsaktivitäten an dieser Stelle, argumentiert Raiffeisen.

---
Alle historischen Unternehmens-Kennzahlen zur RBI finden Sie auf: www.trendtop500.at .
---

Erstkonsolidiert sind in der Bilanz 2012 schließlich eine "wirtschaftlich beherrschte" "Roof Russia DPR Finance Company" mit Sitz in Luxemburg sowie ebenfalls seit Juni vorigen Jahres zwei Gesellschaften in Limassol/Zypern ("Pointon Investment Ltd" und "Vindalo Properties Ltd., Agios Athanasios"), letztere für Immobilienaktivitäten für eine Bank des Ost-Netzwerks, wie erläutert wurde.

Aus dem nun auch von Österreich geplanten automatischen Steuerdatenaustausch mit den EU-Partnern sieht Stepic für die RBI "keine Beeinträchtigungen", wie er heute betonte. Äußerungen zur Bedeutung des Bankgeheimnisses für Raiffeisen und die Kunden von Raiffeisen trat Stepic heute lieber an RZB-Chef und Spartenobmann Walter Rothensteiner ab.