Rosenbauer expandiert – die 700 Millionen Umsatz-Marke ist anvisiert

In Saudi Arabien errichtet Rosenbauer ein neues Werk. Der arabische Raum habe sich zu einem wesentlichen Pfeiler für das Unternehmen entwickelt, sagte Vorstands-Chef Dieter Siegel heute, Donnerstag, bei der Bilanzpressekonferenz. Ausgebaut wird auch das Headquarter in Leonding.

Rosenbauer expandiert – die 700 Millionen Umsatz-Marke ist anvisiert

Die Auftragslage sichert die Vollauslastung bis Mitte 2014. Der Umsatz wird heuer mit mehr als 700 Mio. Euro erwartet, nach 645 Mio. Euro 2012, und auch beim Ertrag sind Verbesserungen geplant. Investiert werden heuer 20 Mio. Euro.

Im Geschäftsjahr 2012 war das EBIT mit 38,6 Mio. Euro um 7 Prozent niedriger als 2011. Das Periodenergebnis blieb wegen des besseren Finanzergebnisses stabil bei 32 Mio. Euro. Als Dividende werden unverändert 1,2 Euro vorgeschlagen. Der Auftragsbestand lag zu Jahresende bei 581 Mio. Euro. In Teilen Europas und in den USA gibt es im Zuge der Budgetkürzungen weiterhin Kaufzurückhaltung. Der Preiswettbewerb werde international stärker, so der Rosenbauer-Chef.

Die EBIT-Marge soll heuer wieder rund 7 Prozent erreichen, generelles Ziel seien mehr als 7 Prozent. 2012 sei die EBIT-Marge mit 6 Prozent (2011: 7,7 Prozent) unter den Erwartungen gelegen. Grund waren vor allem zwei Sondereffekte, die das EBIT mit 7,8 Mio. Euro belasteten. Es handelt sich dabei um erhöhte Anlaufkosten für den Bau des US-Chassis-Commander. Ab Mitte des heurigen Jahres soll hier der break-even kommen. Die Vertragsauflösung für einen Auftrag mit dem staatlichen Flughafenbetreiber Infraero Aeroportos mit einem Volumen von 33 Mio. Euro verursachte einen Aufwand von 3,1 Mio. Euro. Rosenbauer hat die Vertragsauflösung beeinsprucht. Es habe einen Teilerfolg gegeben, man sei aber mitten im Instanzenzug, der Ausgang offen.

Das Headquarter in Oberösterreich wird mit der Besiedelung des ehemaligen Werksgeländes von Wacker Neuson auf zwei Standorte aufgeteilt. Die Fertigungsfläche am Standort Leonding werde sich damit um 60 Prozent. Damit solle vor allem die Produktion effizienter werden. Der Produktionsstart ist für das dritte Quartal vorgesehen.

In Saudi Arabien werden nach Abwicklung der laufenden Aufträge Fahrzeuge rund 3.000 Rosenbauer-Fahrzeuge im Einsatz sein. Zuletzt erhielt Rosenbauer Anfang Februar ein Auftrag mit einem Volumen von rund 126 Mio. Euro erhalten, Ende 2011 waren es 245 Mio. Euro. Nun wird in eine neue Gesellschaft mit der Zentrale in Riad aufgebaut. Die letzten Genehmigungen werden in den kommenden Tagen erwartet.

Weitere Standorte sind in Jeddah und Dammam. Im Werk Jeddah werden die Beladung von Großtanklöschfahrzeugen aus den laufenden Aufträgen und die Endmontage von Feuerwehrfahrzeugen für den lokalen Markt erfolgen. In Riad und Dammam gibt es unter anderem Service-und Schulungszentren. Heuer wird mit einem Umsatz rund 5 Mio. Euro gerechnet. Beschäftigt werden sollen bis zu 150 Mitarbeiter, davon rund 30 aus Österreich und Deutschland.

Ausgebaut werden auch die Werke im niederösterreichischen Neidling und in Luckenwalde in Deutschland und in Slowenien (Oberradkersburg). In Frankreich wird das Servicenetzwerk ausgeweitet. Siegel geht davon aus, dass die Erweiterungen der Fertigungs- und Vertriebsstruktur nicht die letzen sein werden. Rosenbauer lieferte im Vorjahr in 123 Länder, 2011 waren es 105. Investiert werden heuer 20 Mio. Euro, sagte der scheidende Finanzvorstand Robert Kastil. 2012 wurden in Fertigungskapazitäten 14,7 Mio. Euro investiert, nach 11,5 Mio. Euro 2011.

In Europa ist der Markt in Spanien praktisch zum Erliegen gekommen, am Standort wird für Saudi-Arabien produziert. In Deutschland ist Rosenbauer aber nach der Kartell-Affäre wieder gut im Geschäft. Der Umsatz stieg um 6 Prozent auf rund 158 Mio. Euro. Hilfreich war dabei die so genannte "Selbstreinigung". So seien die betroffenen Personen aus ihren Funktionen entfernt worden. Zudem hab sich Rosenbauer zertifizieren lassen, so dass die Kommunen wider Sicherheit hätten.

In Deutschland mussten Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen wegen Marktabsprachen Bußgelder in Millionenhöhe zahlen, bei Rosenbauer waren es 10,5 Mio. Euro. Am schwierigsten seien die Ermittlung eines allfälligen Schadensersatzes, so Siegel, der betonte, dass Rosenbauer in dieser Zeit nicht viel verdient habe. Gemeinsam mit den verbliebenen Anbietern und deutschen Städte- und Gemeindebund versuche man ein akzeptables Gesamtpaket zustande zu bringen. Es gehe um tausende von Fahrzeugen. Der Marktführer sei mittlerweile insolvent, Rosenbauer sei aber nicht bereit, darüber hinaus einzuspringen. In der Bilanz wurden dafür 1,1 Mio. Euro rückgestellt. Es wird mit etwas mehr, aber ,mit einem niedrigen einstelligen Millionenbetrag gerechnet.

In den USA, dem größten Einzelmarkt der Welt, blieb das Absatzvolumen von kommunalen Feuerwehrfahrzeugen rund 30 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. In Österreich war das Marktvolumen auf Vorjahresniveau und 15 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Durch das Exportgeschäft aus Österreich kommen 54 Prozent des Konzernumsatzes. Nach China wurden im Vorjahr mehr als 100 Fahrzeuge und auch Komponenten geliefert. Es sei schwierig als lokaler Fertiger in China zu bestehen und Geld zu verdienen. Rosenbauer ist 2009 aus seinem Joint-Venture ausgestiegen.

Beschäftigt waren bei Rosenbauer Ende des Vorjahres 2.432 (2.123) Mitarbeiter, davon 1.117 (1.030) in Österreich. Die Eigenmittelquote betrug 39,9 (40,6) Prozent, die Gearing Ratio bei 54,4 (41,9) Prozent.