Pipeline-Projekt Nabucco gescheitert

Pipeline-Projekt Nabucco gescheitert

In ein- bis eineinhalb Jahren werde man das Volumen der Vorräte dort kennen, dann stelle sich die Frage, mit welcher Dimensionierung oder Route man allenfalls die Errichtung einer Pipeline vornehme, so OMV-Chef Gerhard Roiss am Mittwoch. Die davor bekanntgewordene Entscheidung des Shah-Deniz-II-Konsortiums, Gas aus Aserbaidschan nicht an die "Nabucco-West", sondern an das Konkurrenzprojekt TAP nach Süditalien zu liefern, nahm Roiss "mit Bedauern zur Kenntnis", er sei aber "nicht überrascht" darüber.

Die 50 Mio. Euro Planungskosten für "Nabucco" seien nicht verloren, denn "wenn wir eine eigene Pipeline für das eigene Gas benötigen, können wir darauf aufsetzen".

Am Schwarzen Meer hat die OMV im rumänischen Bereich den größten Gasfund ihre Geschichte getätigt, ursprünglich war von möglicherweise 42 bis 84 Mrd. m3 die Rede gewesen, jetzt gilt die Obergrenze bereits eher als Untergrenze, ohne dass die OMV das so sagt. Es bleibe die OMV-Strategie, eigenes Öl und Gas zu finden, bekräftigte Roiss. Jetzt befasse sich sein Konzern einmal zu 100 Prozent mit der Exploration von Black-Sea-Gas, so der OMV-Chef am Nachmittag in einem kurzfristig einberufenen Pressegespräch. Allein im Neptun-Block investiere man dafür 1 Mrd. Dollar, Aktivitäten auch in bulgarischen und ukrainischen Sektor würden folgen. "Wir haben substanziell eigenes Gas dort", so der OMV-Chef.

Dabei könnte es um 6 Mrd. Kubikmeter Gas jährlich gehen - "das ist das, was wir aufgrund einer Bohrung indizieren", so Roiss -, während die ab 2018 für Mitteleuropa angedacht gewesenen 10 Mrd. m3 vom Shah-Deniz-II-Feld nun über die transadriatische TAP von der Türkei kommend über Griechenland und Albanien nach Süditalien (Brindisi) gehen - weil, wie es heißt, im griechischen und italienischen Raum dem Konsortium von BP, norwegischer Statoil sowie dem aserbaidschanischen Staatskonzern Socar mehr für das Gas gezahlt wird. Eine allfällige "politische Dimension" der Entscheidung des Shah-Deniz-II-Konsortiums wollte Roiss "nicht beurteilen".

Platz fürs Schwarzmeer-Gas

Das Erdgas stehe zwar jetzt nicht der "Nabucco" zur Verfügung, aber mit einem "lachenden Auge" sehe er, dass das Aseri-Gas nun "nicht in unsere Region, sondern nach Süditalien geht". Denn damit sei für die OMV "Platz, das Schwarzmeer-Gas zu verkaufen". Die rund 1.600 km lange "Nabucco West" von Bulgarien nach Baumgarten (NÖ) hätte 3,5 bis 4 Mrd. Euro gekostet, nannte Roiss heute als Indikation. Europa brauche Gas und auch Pipelines, daher seien auch die Planungskosten für das - so der OMV-Chef - "vorerst einmal beendete Projekt Nabucco gut investiertes Geld" gewesen.

Der staatliche OMV-Kernaktionär ÖIAG bedauerte das "Aus" für die "Nabucco" als "zweifellos schade für die Region". Sprecher Bernhard Nagiller meinte aber in einem Statement, auch ohne diese Leitung sei es das Ziel, die OMV "erfolgreich weiterzuentwickeln". Die ÖIAG hält 31,5 Prozent an dem Konzern und hat ihren Anteil mit den 24,9 Prozent der IPIC (Abu Dhabi) syndiziert.

Auch Wirtschafts- und Energieminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) bedauerte, dass heutige Scheitern der Nabucco-Pläne, Gas aus der kaspischen Region nach Österreich zu bringen. Die Versorgungssicherheit Österreichs sei aber gewährleistet, so der Minister. Er wies darauf hin, dass für Europa ausschlaggebend sei, "dass nach jahrelangen Verhandlungen endlich eine Pipeline verwirklicht werden kann".

Grünen-Umweltsprecherin Christiane Brunner erklärte in einer Reaktion, die "Nabucco" sei vor allem wegen ihrer Überdimensionierung gescheitert; damit bezog sie sich auf die ursprüngliche Langvariante mit bis zu 31 Mrd. m3 jährlichem Transportvolumen und von Beobachtern auf 8 bis 15 Mrd. Euro geschätzten Errichtungskosten.

BZÖ-Klubobmann Stefan Petzner meinte, dass das Aus für das milliardenschwere und von der EU massiv forcierte Nabucco-Projekt einen schweren Rückschlag im Bestreben darstelle, eine unabhängigere Energieversorgung Europas sicherzustellen.

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