Pierer angelt sich BMW-Traditionsmarke Husqvarna

Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Pierer sieht den Deal als "Konsolidierung" in der europäischen Motorradindustrie, wie sie auch in der Automobilindustrie erfolge.

Pierer angelt sich BMW-Traditionsmarke Husqvarna

Jeder konzentriere sich auf das, was er am besten könne. BMW richte sich auf die Straße aus. Da sei es logisch, dass man mit Husqvarna zu KTM, dem Weltmarktführer im Gelände, gehe. Wenn es so wie etwa bei VW mehrere Marken unter einem Dach gibt, könnten Synergieeffekte in der Entwicklung, Einkauf und Produktion genützt werden, argumentierte Pierer, insbesondere wenn nach dem Baukastenmodell gearbeitet werde.

Der Kaufvertrag zur Übernahme sei unterzeichnet und jetzt in der Kartell-Anmeldephase. Langfristig solle Husqvarna als Marke und mit eigenen Händlern bestehen bleiben. Pierer sieht sie als Alternative zu den KTM-Produkten. Die Husqvarna-Produktion ist in Schweden vor 30 Jahren stillgelegt worden und die Rechte gingen nach Italien. BMW übernahm 2007 die Marke Husqvarna und die Produktion in Italien von MS Agusta. Teile der Produktpalette sind jener von KTM sehr ähnlich.

KTM steigerte 2012 den Umsatz um 16 Prozent auf mehr als 610 Mio. Euro. Der Absatz stieg um 32 Prozent auf 107.142 Motorräder, davon wurden mehr als 8.000 Stück des Modells "Duke 200" vom Partner Bajaj in Indien verkauft.

Im Vorjahr 10.751 Motorräder verkauft

BMW hatte den inzwischen in Italien ansässigen Hersteller 2007 gekauft und große Hoffnungen auf die sportlichen Geländemaschinen gesetzt. Doch die Erwartungen des Konzerns erfüllten sich nicht.

Die Übernahme der traditionsreichen Marke war der erste Zukauf des Konzerns nach dem teueren Rover-Debakel und sollte dem Zweiradgeschäft neuen Schwung vor allem bei jüngeren Kunden geben. Doch seit dem Kauf sanken die Absatzzahlen, auch wenn es im vergangenen Jahr wieder etwas bergauf ging.

2012 verkaufte Husqvarna 10.751 Motorräder. 2008, im ersten kompletten Jahr unter BMW-Führung, waren es allerdings laut dpa noch 13.500 gewesen, 2011 rutschte der Absatz angesichts der schwachen europäischen Motorradmärkte gar auf 9.300.

KTM-Chef Stefan Pierer sagte am Donnerstag zu Reuters, er wolle den Absatz der Marke Husqvarna in fünf Jahren auf 20.000 Stück verdoppeln.

Berichten zufolge hatte BMW 2007 rund 100 Millionen Euro für Husqvarna gezahlt, dazu kommen Kosten für den Umbau der Marke. Wie viel Pierer nun für das Unternehmen auf den Tisch legt, verriet BMW nicht. Nun müssen noch die Kartellbehörden der Übernahme zustimmen. Die Münchner wollen ihr ureigenes Motorradgeschäft neu ausrichten und auch die Produktpalette weiter ausweiten. BMW Motorrad verbuchte 2012 einen Absatzrekord und verkaufte weltweit 106.358 Zweiräder.

Dennoch gilt das Zweiradgeschäft als ziemlich schwierig, in Europa bekamen die Hersteller bereits die jüngste Wirtschaftskrise heftig zu spüren. Der Markt auf dem Kontinent hat sich in den vergangenen Jahren halbiert - auch weil Motorräder vielen Käufern wohl als eher verzichtbare Anschaffungen gelten. Allerdings: Im Rennen um die Spitze in der Oberklasse hat sich im vergangenen Jahr auch BMW-Rivale Audi ein Zweiradgeschäft zugelegt. Die VW-Tochter übernahm den italienische Luxushersteller Ducati.