OMV-Tochter Borealis kämpft sich nach oben

OMV-Tochter Borealis kämpft sich nach oben

Der Kunststoff-, Chemikalien- und Düngemittelhersteller Borealis, an dem die OMV mit 36 Prozent beteiligt ist, kämpft weiter mit dem schwachen Polyolefin-Bedarf in Europa, hat im zweiten Quartal aber dank Pflanzennährstoffen und Basischemikalien mehr Nettogewinn erzielt als im ersten Vierteljahr.

Boralis-CEO Mark Garrett bezweifelte am Freitag im APA-Gespräch, ob die Eurozone schon aus der Rezession gekommen ist. Die Nachfrage stottere primär wegen geringen Infrastrukturinvestments der öffentlichen Hände, besser laufe es im Autosektor, wo man mit BMW, Mercedes und VW gut abgesichert sei. Negativ schlage sich auch die hohe Kostenbasis in Europa nieder, sowohl bei den fixen als auch variablen Komponenten, als Beispiel nennt Garrett das teure Gas.

Deshalb "optimiert" Borealis seine Anlagen in Europa, was auch Schließungen beinhaltet - und setzt beim Wachstum neben Zukäufen auch auf die bereits zweite Erweiterung am Borouge-Produktionsstandort in Ruwais (VAE): Dort kommt die Stufe III noch vor Weihnachten in die Start-up-Phase, investiert wurden dafür von der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) und ihrem Partner Borealis über 4 Mrd. Dollar. Die erste Erweiterung (Borouge II), seit 2009 in Betrieb, hatte mehr als 5 Mrd. Dollar gekostet, war aber bereits dreimal so groß wie Borouge I; mit Borouge III kommt jetzt nochmals die vierfache Menge der ursprünglichen Produktionskapazität hinzu, rechnet Garrett vor. Mit der bis Mitte 2014 voll betriebsfähigen Erweiterung steigt die Borouge-Kapazität auf jährlich 4,5 Mio. Tonnen, insgesamt werden Borealis und Borouge dann über 8 Mio. t Polyolefin-Kapazität verfügen.

Größter Sprung nach vorn

In Europa ermöglichen Borealis die jüngsten Zukäufe im Düngemittel-Bereich den größten Sprung nach vorn. Hier wurde im Juni der Erwerb von zwei Total-Gesellschaften finalisiert, dem größten Stickstoffdüngerhersteller Frankreichs, GPN SA, und von knapp 57 Prozent an Rosier SA mit zwei Mineraldünger-Standorten in Belgien und Niederlande. In der Region Mitteleuropa von Frankreich über Deutschland und Österreich bis zum Schwarzen Meer (Seine, Rhein, Donau) sei Borealis schon jetzt Marktführer im Bereich Pflanzennährstoffe, so Garrett, in Europa insgesamt liegt Yara aus Norwegen vorn.

Derzeit produziert und vermarktet Borealis rund 2,1 Mio. t Pflanzennährstoffe pro Jahr. Dieses Volumen soll bis Ende 2014 auf 5 Mio. t klettern, wobei laut Garrett rund 90 Prozent des Anstiegs den jüngsten Zukäufen zu danken sein werden und der Rest Erweiterungsinvestitionen in eigene Kapazitäten. Heuer würden sich GPN und Rosier nur im 2. Halbjahr niederschlagen, 2014 bereits das gesamte Jahr.

In Linz hat Borealis erst im Juni eine neue Polyolefin-Katalysatoranlage eingeweiht, mit der Verbesserungen bei Polymeren erzielt werden wollen. Zudem hat Borealis im Juni ein 65-Mio.-Euro-Upgrade für den Produktionsstandort in Porvoo/Finnland avisiert, wo die Borstar-PE2-Anlage auf die dritte Generation (3G) aufgerüstet wird. Porvoo weist eine Polymer-Kapazität von 650.000 t sowie weitere 600.000 t an Etylen und Propylen auf, zudem fallen noch Cracker-Nebenprodukte an.

Weil "wirtschaftlich nicht mehr attraktiv" wird dagegen in Burghausen in Bayern am Inn eine HDPE-Anlage mit 35 Mitarbeitern mit Ende 2014 zugesperrt, die übrigen 190 der 225 Mitarbeiter in Burghausen seien davon nicht tangiert, so Garrett. Die HDPE-Anlage stelle keine ausreichende Innovationsplattform mehr dar. Durch die Schließung stelle Borealis sicher, dass man auch im derzeit schwachen europäischen Marktumfeld weiter wettbewerbsfähig bleibe. Viele Erzeuger in Europa befänden sich derzeit in solchen Restrukturierungen, sagt der Borealis-CEO unter Verweis auf die hohe Kostenbasis.

Zahlen im Detail

Borealis erzielte im zweiten Quartal mit 83 Mio. Euro mehr Nettogewinn als im ersten Vierteljahr (61 Mio. Euro), verzeichnete aber im Jahresabstand einen Ergebnisrückgang gegenüber den damals 112 Mio. Euro.

Die Umsatzerlöse stiegen im zweiten Quartal im Jahresabstand auf 1,976 (1,869 Mrd. Euro) und im Halbjahr auf 3,955 (3,751) Mrd. Euro. Der Nettogewinn lag im Halbjahr mit 144 Mio. Euro deutlich unter Vorjahr (252 Mio. Euro).

Die Nettoverschuldung erhöhte sich im zweiten Quartal wegen der Übernahmen von GPN und Rosier um 154 (223) Mio. Euro und im gesamten Halbjahr um 327 (409) Mio. Euro, wodurch die Verschuldungsquote (Gearing) auf 50 (44) Prozent kletterte.

Der Ausblick von Borealis bleibt verhalten, nach wie vor stünden "harte Jahre" bevor, heißt es in einer schriftlichen Erklärung. "Wir erwarten uns für die nächste Zeit keine wesentliche Verbesserung am europäischen Polyolefinmarkt", stellt Garrett darin fest.

Borealis ist ein Joint Venture von OMV (36 Prozent) und IPIC (International Petroleum Investment Company/Abu Dhabi, 64 Prozent). Von den 480 Mio. Euro Nettogewinn im Vorjahr ließen sich die Eigentümer 60 Mio. Euro Dividende auszahlen.

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