OMV-Chef Roiss: "Wir sind da, um einen guten Job zu machen"

OMV-Chef Roiss: "Wir sind da, um einen guten Job zu machen"

Der Umbau der OMV in diese Richtung sei für die nächsten fünf bis zehn Jahre im Detail durchgeplant. Dass das auch vom Kapitalmarkt so gesehen werde, zeige der Kursanstieg der OMV-Titel um ein Drittel seit Jahresanfang, sagte Generaldirektor Gerhard Roiss im APA-Gespräch.

"Upstream massiv auszubauen und upstream zu wachsen ist unsere Strategie - da sind wir sehr gut unterwegs", sagte Roiss: "Wir haben schon über zwei Jahre hinweg die höchsten Explorations-Erfolgsraten, die wir je hatten. Und wir haben den Kapitalmarkt überzeugt, dass die Strategie aufgeht." Deshalb sei die Marktkapitalisierung der OMV heuer bereits von knapp 9 Mrd. auf 12 Mrd. Euro geklettert, obwohl zugleich der Preis der Ölsorte Brent - ansonsten oft der Treiber - seit Jahresbeginn fast um 5 Prozent gesunken ist. Damit habe sich die OMV im Vergleich zu allen anderen der Branche besser behauptet und auch ihre Projektpipeline verdoppelt.

Schon bis 2016 möchte die OMV ihre tägliche Förderung von derzeit 300.000 auf 350.000 Barrel Öl-Äquivalent (boe) erhöhen. Auf ein Gesamtjahr bezogen würde das einen Anstieg von 110 Mio. auf 128 Mio. boe bedeuten, wobei von den jetzigen Mengen allein 60 Prozent die rumänische Petrom beisteuert. Pro Jahr soll die Produktion im Schnitt künftig um zwei Prozent zulegen, mit Akquisitionen um vier Prozent. Um die wachsende Ausbeute abzusichern, sollen die eigenen Vorräte mit der Förderung rascher "mitwachsen": Die Reserven-Ersatzrate soll von bisher rund 80 Prozent auf 100 Prozent pro Jahr ansteigen, wie Roiss betonte.

Der Mineralölkonzern wird kumuliert 450 Mio. Euro in den Upstream-Bereich 2013/14 investieren, bisher habe man rund 100 Mio. pro Jahr investiert, erklärte Roiss im Gespräch mit der APA. Dabei geht es vor allem um eine bessere Ausbeutung der österreichischen Produktionsfelder. Für Rumänien betrage das Investitionsbudget rund 1 Mrd. Euro und mehr.

Die Österreich-Investitionen erfolgen in erster Linie in Niederösterreich etwa in neue Bohrungen für bestehende Lagerstätten bzw. in die Infrastruktur wie etwa Pipelines und Stromleitungen. Diese Investitionen seien lang vorbereitet, betonte der OMV-Chef.

Kein Zweit-Listing der OMV-Aktie

Ein Zweit-Listing der OMV-Aktie an einer anderen Börse außer Wien schloss Roiss aus: "Wir sind ein österreichisches Unternehmen, haben einen österreichischen Kernaktionär und somit sind wir in Wien gelistet", so Roiss. Es sei wichtig, sich zu dem zu bekennen, was man sei und wo man sei.

Doch der 61-jährige OMV-Chef, der seit zwei Jahren das größte Unternehmen Österreichs leitet, steht nicht nur vor strategischen Weichenstellung im Öl- und Gasgeschäft, sondern auch vor persönlichen: Sein Vertrag wird am 31. März 2014 auslaufen.

Zu den Vertragsverhandlungen mit dem Kernaktionär ÖIAG wollte Roiss nicht allzu viel sagen, das sei Sache der Eigentümer. "Wir sind da, um einen guten Job zu machen, das ist mir wichtig, das tun wir, ich glaube, die Zahlen sprechen für sich", so der OMV-Chef.

Die Staatsholding ÖIAG teilte auf APA-Anfrage mit, dass es keine vertraglich oder aktienrechtlich festgelegte Frist für eine Wiederbestellung von Roiss gebe. Die Staatsholding wolle aber zeitgerecht zu einer Entscheidung kommen. "Wir gehen davon aus, dass der Aufsichtsrat diese im Laufe des Sommers treffen wird", sagte ÖIAG-Sprecher Bernhard Nagiller auf APA-Anfrage.

Gas – ein Verlustgeschäft

Mit dem Gasgeschäft kann Roiss derzeit keine Freude haben. "Wir haben eine Situation, dass der Gasmarkt in ganz Europa im Umbruch ist und dass wir, um im Index zu sprechen, um 100 importieren und um 80 weiterverkaufen. Damit machen Sie Verluste", so Roiss. Diese aktuellen Verwerfungen seien aber kurz- bis mittelfristiger Natur. "Ich persönlich glaube sehr stark an Gas", zeigt sich Roiss unbeirrt. "Gas wird wettbewerbsfähig sein, das wird aber dauern."

Allein im vierten Quartal 2012 wurde das OMV-Ergebnis durch Rückstellungen für drohende Verluste der Hälfte-Tochter EconGas mit rund 120 Mio. Euro belastet. Roiss sprach von einer "nachhaltigen Verlustsituation", es würden aber mittlerweile Preisverhandlungen mit den Russen und Norwegern laufen. Ein anderer Faktor sei, dass man wie die anderen großen Gaskonzerne in Europa in LNG-Kapazitäten in Rotterdam investiert habe. "Und dann ist Fukushima passiert, und seit Fukushima gehen die ganzen Ströme nicht mehr nach Europa, sondern nach Japan und dort kriegen sie einen ungleich höheren Preis als in Europa, weil dort von heute auf morgen die Kernkraft ausgefallen ist."

Schiefergas-Forcierung in den USA

Stark unter Druck gekommen sei der Gas-Marktpreis auch durch die Forcierung von Shale Gas (Schiefergas) in den USA. Gas verdränge dort Kohle, mit dieser Kohle würden in Europa Kohlekraftwerke betrieben, und die europäischen Gaskraftwerke stünden still, erläuterte Roiss. "Man kann nicht sagen, ob das kurzfristige Verwerfung von zwei bis drei Jahren sind oder mittelfristige bis zu fünf Jahren."

Das rumänische Gaskraftwerk der OMV macht laut Roiss dennoch Gewinn, das türkische Kraftwerk sei noch nicht in Betrieb. Im deutschen Haiming bei Burghausen (Bayern) war ein ähnliches Gaskraftwerk geplant, "aber es wird nicht investiert werden. Aus heutiger Sicht ist eine Investition nicht darstellbar."

"Mein Gas-Szenario ist eines, das davon ausgeht, dass wir in Europa und weltweit sehr viel Gas haben werden", ist der OMV-Chef überzeugt. Explorationsbohrungen im Schwarzen Meer hätten eine Dimension der Gasreserven dort von 6,5 Mrd. Kubikmetern im Jahr ergeben - das entspricht drei Viertel des jährlichen Gasverbrauchs von Österreich. "Wir werden dort Ende des Jahres, Anfang nächsten Jahres weiter bohren." Große Gasvorkommen gebe es auch im ukrainischen und bulgarischen Teil des Schwarzen Meeres, wo man sich ebenfalls Beteiligungen gesichert habe. Gasvorkommen gebe es zudem im östlichen Mittelmeer, erinnerte Roiss: "Das ist europäisches Gas, das über Pipelines nach Europa gebracht werden kann." Darüber hinaus gebe es noch Shale Gas in 15 europäischen Ländern - da würden die Fronten Schritt für Schritt aufbrechen.

Im Zeitraum 2020 bis 2030 werde Europa wesentlich mehr Gas haben, "und ich glaube, dass auch die Preisstellung des europäischen Gases eine andere sein wird als heute". Heute sei Europa zu 25 Prozent von einem Lieferanten abhängig, "ich gehe davon aus, dass es mehrere Lieferanten sein werden". Er sehe die OMV langfristig "nicht als Gasgroßhändler, sondern als Produzenten von Gas".

Brennstoffzellen-Autos

Dabei werde Erdgas nicht nur für die Erzeugung von Strom in Kraftwerken interessant sein, sondern auch im Bereich der Mobilität in Brennstoffzellen-Autos. "Die Brennstoffzelle hat die doppelte Effizienz eines Verbrennungsmotors - 2020 werden die ersten Flotten kommen." Dabei werde Wasserstoff aus Gas erzeugt. "Es wird eine Gas/Wasserstoff-Mobilität geben, und da sind wir dabei", ist der OMV-Chef überzeugt.

Zum langjährigen OMV-Gaspipelineprojekt Nabucco meinte Roiss, dass es neben der wichtigen gesamteuropäischen Bedeutung auch eine für die OMV selbst gebe, um eigenes Gas aus dem Schwarzen Meer nach Europa zu bringen. Die bisherigen Kosten des Projekts seien vernachlässigbar "in Relation zu dem, was es bringen kann", betonte Roiss.

Wie viel die OMV der RWE für deren Nabucco-Anteil bezahlt hat, wollte Roiss nicht beziffern: "Das was sie ursprünglich gezahlt haben, haben wir ihnen zurückgezahlt." Die RWE hatte den Preis mit einem zweistelligen Millionen-Betrag beziffert. Das Nabucco-Projekt sei in aller Welt bekannt, bekannter als die OMV, betonte Roiss.

Die Entscheidung, ob auch Erdgas aus der kaspischen Region über das Projekt "Nabucco West" nach Europa transportiert werden soll, soll noch im ersten Halbjahr 2013 vom Gasquellen-Konsortium Shah Deniz gefällt werden. Am gestrigen Montag startete die Nabucco-Projektgesellschaft den Prozess zu den Kapazitätsbuchungen ("Open-Season"-Prozess). Dabei werde den Interessenten die Möglichkeit eingeräumt, sich um Transport-Kapazitäten zu bewerben, teilte die Nabucco-Projektgesellschaft mit.

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