ÖIAG-Aufsichtsrat segnet Syndikat von Telekom Austria und America Movil ab

ÖIAG-Aufsichtsrat segnet Syndikat von Telekom Austria und America Movil ab

Der ÖIAG-Aufsichtsrat hat am Mittwochabend nach einem Sitzungschaos den geplanten Syndikatsvertrag mit America Movil unterschrieben. Mit dem Pakt müssen die beiden Großaktionäre der Telekom Austria ihre Entscheidungen künftig gemeinsam fällen. Die Allianz wurde von ÖIAG-Chef Rudolf Kemler und dem Finanzchef von America Movil besiegelt.

Praktisch in letzter Minute hat der ÖIAG-Aufsichtsrat den Syndikatsvertrag zwischen der Telekom Austria (ISIN AT0000720008) und America Movil (ISIN US02364W1053) abgesegnet. Der Vertrag musste bis spätestens Mitternacht stehen, sonst wären den Mexikanern bei der Telekom (TA) ein Jahr lang die Hände gebunden gewesen. Laut Gesetz wäre sonst nämlich eine einjährige Sperrfrist in Kraft getreten.

40 Börsetage nach der Bekanntgabe eines Übernahmeplanes muss ein solcher Vertrag laut Börsengesetz besiegelt sein. America Movil hatte am 24. Februar mitgeteilt, über eine Allianz mit der ÖIAG zu sprechen, was als Angebot gilt. Heute, Mittwoch, war dieser 40. Börsetag, da die Wiener Börse am Karfreitag und am Ostermontag geschlossen war.

Im Übernahmegesetz heißt es: "Wenn ein Angebot zum Erwerb von Beteiligungspapieren gescheitert ist, dürfen der Bieter sowie alle mit ihm gemeinsam vorgehenden Rechtsträger innerhalb eines Jahres ab Veröffentlichung des Ergebnisses des Angebots kein weiteres Angebot für Beteiligungspapiere der Zielgesellschaft abgeben. Während derselben Frist ist ihnen auch jeder Erwerb von Aktien untersagt, der eine Angebotspflicht auslösen würde." Die Übernahmekommission, die zur Wiener Börse gehört, kann die einjährige Sperrfrist aber verkürzen.

Die Aktien der Telekom Austria haben nach der Vertragsunterzeichung kräftig zugelegt. Im Frühhandel sind sie am Donnerstag um 7,56 Prozent auf 7,154 gestiegen.

Pflichtangebot an die Aktionäre

Nach dem Abschluss des Syndikatsvertrages muss nun laut Gesetz auch ein Pflichtangebot an die restlichen Aktionäre folgen. Die Angebotpflicht besteht nämlich auch "wenn eine Gruppe gemeinsam vorgehender Rechtsträger begründet wird, die zusammen eine kontrollierende Beteiligung erlangen".

Entscheidend für ein solches Pflichtangebot ist die 30-Prozent-Schwelle. Die Staatsholding ÖIAG hält 28,4 Prozent, Carlos Slims America Movil gehören 26,8 Prozent. Mit dem Syndikatsvertrag kommen sie zusammen auf über 55 Prozent der Telekom-Anteile. Durch das Pflichtangebot könnte sich die Aktionärsstruktur zugunsten der Syndikatspartner verschieben, abhängig vom Preis des Angebots und davon, wie viele Anleger das Pflichtoffert annehmen. Börsianer und Beobachter rechneten zuletzt mit einem Pflichtangebot zwischen 6 und 7 Euro. Zum Vergleich: An der Wiener Börse schloss die Telekom-Aktie nach den heutigen Turbulenzen bei 6,65 Euro - ein Minus von 3,19 Prozent.

Für ein Pflichtangebot haben ÖIAG und America Movil laut Gesetz nun "20 Börsentage ab Kontrollerlangung" Zeit. Der Preis des Angebots richtet sich nach dem durchschnittlichen Aktienkurses der letzten sechs Monate. Geprüft wird das Übernahmeangebot dann von der Übernahmekommission.

America Movil will alle Aktien übernehmen

America Movil hat inzwischen erklärt, alle nicht den beiden Syndikatspartnern gehörenden Anteile zu einem Preis von 7,15 Euro übernehmen zu wollen. Zugleich teilte America Movil mit, man unterstütze eine Kapitalerhöhung um eine Milliarde Euro. Um ihre Sperrminorität von 25 Prozent zu erhalten, müsste demnach auch die ÖIAG neues Kapital zeichnen.

Die Experten der Berenberg Bank bezeichneten das Angebot in einem ersten Kommentar als "großzügig" und haben ihre Empfehlung für die Telekom Austria Papiere von "Sell" auf "Hold" hochgenommen. Auch das Kursziel wurde von 3,80 Euro auf die von America Movil gebotenen 7,15 Euro hinaufgesetzt.

Reaktionen

Hannes Ametsreiter, Generaldirektor der Telekom Austria Group, sagt dazu: „Wir freuen uns über das klare Bekenntnis unserer beiden Großaktionäre zur Telekom Austria Group, das sie mit ihrer heutigen Einigung besiegelt haben. Für uns bedeutet dieser Schritt zunächst einmal Kontinuität, da beide Aktionäre eine langfristige Zusammenarbeit vereinbart haben. Gleichzeitig ist dies der Aufbruch in ein neues Kapitel unserer Unternehmensgeschichte, welches wir mit Freude gemeinsam mit unseren Aktionären gestalten werden.“

Finanzminister Michael Spindelegger sieht durch die Zusammenarbeit die Chance, dass die Telekom Austria ihren Wachstumskurs in Zentral- und Osteuropa fortsetzen kann. America Movil sei ein "starker Partner, der ihr eine langfristige Perspektive bietet". Auch sei es gelungen, "den Standort und Arbeitsplätze in Österreich abzusichern sowie weitere Investitionen in moderne Telekom-Infrastruktur sicherzustellen. Die Republik sichert durch diesen Syndikatsvertrag ihre Sperrminorität und damit ihre Rolle als stabiler Kernaktionär bei einem der wichtigsten Leitunternehmen Österreichs."

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