Nach Stepic-Abgang: Wird bei Raiffeisen alles anders?

Nach Stepic-Abgang: Wird bei Raiffeisen alles anders?

Vielen regional verwurzelten österreichischen Raiffeisen-Bankern ist das rasante Wachstum der Tochter zu riskant und daher ein Dorn im Auge. Da "Mr. Osteuropa" Herbert Stepic als Bauherr des Raiffeisen-Osteuropageschäfts nun die Bankengruppe verlässt, wittern sie eine Chance, dessen Strategie zu überdenken und teilweise sogar rückgängig zu machen - zugunsten einer konservativeren und kapitalschonenderen Geschäftspolitik.

Stepic hatte vor knapp zwei Wochen seinen Rücktritt angekündigt, nachdem seine Immobilienkäufe über Briefkastenfirmen in Singapur bekannt geworden waren. Sein Name fand sich im sogannenten Offshore-Leaks-Datensatz, der dubiose Finanzgeschäfte von Vermögenden aufdeckt. Am Freitag will der Aufsichtsrat der Bank einen Nachfolger küren - und damit zugleich die Weichen für den künftigen Kurs stellen: über Zukäufe und mögliche Verkäufe in Osteuropa, eine Kapitalerhöhung und die Rückzahlung der Staatshilfen.

Vor allem Vertreter der 500 regionalen Raiffeisenbanken und einige Landesbanker fordern eine Abkehr vom bisherigen Kurs. "In den vergangenen zweieinhalb, drei Jahren hat es viele Streitpunkte zwischen Stepic und den Landesbanken gegeben - darüber wie Raiffeisen oder die RBI weitermachen sollen", sagte ein langjähriger Raiffeisen-Mitarbeiter. Die acht Landesbanken gehören zum Machtzentrum der Raiffeisengruppe: Ihnen gehört das Spitzeninstitut Raiffeisen Zentralbank, das wiederrum die Mehrheit an der Tochter RBI hält.

Die Eigentümer hätten Stepics umstrittene Immobiliendeals als willkommene Gelegenheit gesehen, sich von ihm zu trennen. Ein Intimus des langjährigen Bankchefs sagte: "Stepic wurde nicht gemocht. Dieser Schritt war überfällig. Offshore-Leaks war nur ein vorgeschobener Grund." Stepic selbst hatte seinen Rücktritt damit begründet, dass er Schaden durch die öffentliche Diskussion von der Bank fernhalten wolle.

Lokal oder international

Nach seinem Abgang stehen einander nun zwei Lager gegenüber: Jene, die Stepics Wachstumskurs der vergangenen Jahrzehnte mitgetragen haben und nach dem Polbank-Zukauf 2012 und einer kleineren Akquisition in Rumänien offen für weiteres Wachstum sind. Sie sitzen hauptsächlich in der RBI und der Mutter RZB sowie teilweise in den Landesbanken und unterstreichen die Wichtigkeit des Osteuropageschäfts für die gesamte Bankengruppe: Denn dort erwirtschaftet die Raiffeisen-Gruppe seit Jahren den Großteil ihres Gewinns.

Auf der anderen Seite stehen die kleinen Regionalbanken, denen wiederrum die Landesbanken gehören, sowie einige Landesbanker, die die jüngsten Zukäufe in turbulenten Zeiten der Wirtschaftskrise mit großer Skepsis sahen. "Unsere Hoffnung ist eine Änderung der Geschäftspolitik des Sektors - sich doch stärker auf den heimischen Markt zu konzentrieren", sagte der Obmann des Raiffeisen-Primärbankenverbands Josef Stampfer. Durch das "Risikoinvestment" RBI liefen die Regionalbanken Gefahr, die Kreditvergabe an klein- und mittelständische Betriebe einschränken zu müssen. "Da sagen wir: lieber aus Osteuropa raus und für Österreich da sein", sagte Stampfer.

Als eine Abhilfsmaßnahme schlägt Stampfer vor, den Streubesitz der RBI von derzeit 21,5 Prozent auf rund 70 Prozent zu erhöhen. Einem anderen Insider zufolge wird intern auch eine Konzentration der Gruppe auf Österreich und die Staaten der früheren Habsburger-Monarchie diskutiert. Das würde einen Verkauf des hochprofitablen Russland-Geschäfts nach sich ziehen. "Es gibt die, die denken, jetzt ist die beste Zeit für einen Verkauf, weil man jetzt wahrscheinlich den höchsten Wert erzielt", sagte der langjährige Raiffeisen-Mitarbeiter. Ein Verkauf des Russland-Geschäfts könnte Raiffeisen nach Einschätzung von Berenberg-Analystin Eleni Papoula rund 1,7 Milliarden Euro in die Taschen spülen. Die RBI und ihre Mutter RZB wollten sich dazu nicht äußern.

Wer macht das Rennen? Katholischer Jäger gesucht

Der ideale Stepic-Nachfolger sollte die beiden Raiffeisen-Welten - die ländlich-agrarisch geprägte Basis und die internationalen Wachstumsbestrebungen der Spitzeninstitute - vereinen. Gefällt wird die Entscheidung bei der Mutter RZB, in deren Aufsichtspräsidium die Chefs und Obmänner der wichtigsten Landesbanken sitzen. Sie tagen am Freitag im 14. Stock des RZB-Hauptsitz neben dem Stadtpark - just in jenem Sitzungsraum, in dem Stepic wenige Tage zuvor vor Journalisten seinen Rücktritt verkündet hatte. An der Wand vor dem Eingang hängt ein großes hölzernes Kruzifix und symbolisiert die konservativ-christlichen Werte der Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Gruppe und ihres Gründervaters Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

Der neue RBI-Chef muss wohl auch diese Werte repräsentieren. Insider bringen für den Posten als Übergangslösung Stepics Stellvertreter Karl Sevelda ins Spiel, der das Großkundengeschäft der Bank leitet. Stepic selbst habe Finanzvorstand Martin Grüll als seinen Nachfolger aufgebaut, sagte eine andere Person. Aber auch die Namen von RZB-Chef Walter Rothensteiner, dem Chef der Landesbank in Oberösterreich, Heinrich Schaller, sowie Raiffeisen Niederösterreich-Obmann Erwin Hameseder sowie Ex-Finanzminister Josef Pröll fallen.

Auch außerhalb der Bankengruppe wird die Entscheidung gespannt verfolgt. "Am besten wäre ein katholischer Jäger, der nicht geschieden ist", sagte ein Beobachter unter Anspielung auf die Jagdleidenschaft des früheren Raiffeisen-Obmanns Christian Konrad. Er zieht nach Einschätzung vieler im Hintergrund immer noch die Fäden.

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