Michael Tojner – Vom Firmenjäger zum Sammler

Kleinklein ist nichts für Michael Tojner: Die Dachterrasse seines Büros in der Mariahilfer Straße ist imposant, geht über zwei Stockwerke und bietet einen Blick über halb Wien.

Michael Tojner – Vom Firmenjäger zum Sammler

Der 47-Jährige ist zweifacher Doktor (Betriebswirtschaft, Jus), sechsfacher Vater und mehrfacher Millionär. Tojner hat immer wieder Großes vor - mit der Neugestaltung des Eislaufverein-Areals rückt er aktuell gerade in den Fokus vieler Wiener.

Aber der Heumarkt ist längst nicht das einzige, das Tojner beschäftigt: Seine Firmengruppe Montana Tech Components (MTC) soll vergrößert werden - wie er FORMAT verriet. Tojner, der mit Venture Capital in der Vergangenheit schneller einen Exit erwog, denkt nun langfristig. "Es hat mir viel Spaß gemacht, junge, innovative Unternehmen mit viel persönlichem Einsatz zu begleiten“, sagt er. "Aber jetzt will ich mit Montana zeigen, dass man nicht laufend kaufen und verkaufen muss, um erfolgreich zu sein.“

Wunschziel Umsatz-Milliarde

Derzeit macht die MTC rund 530 Millionen Euro Umsatz. Aber 2015 oder 2016 soll die Milliardengrenze überschritten werden. "Ich habe mir immer gewünscht, mehr als eine Milliarde Umsatz zu erzielen“, sagt Tojner. "Jetzt stellt sich nicht mehr die Frage ob, sondern nur noch wann.“

Seine seit 2006 bestehende Industriegruppe ist in vier Bereichen aktiv: In der Energiespeicherung mit Varta, in der Metallurgie und bei Luftfahrt- und Industriekomponenten. Mittlerweile werden an rund 40 Standorten weltweit - davon vier in Österreich - 4.000 Personen beschäftigt. Wie ein kleiner Bub freut sich Tojner, wenn er Metallstücke herzeigen kann, die sein Unternehmen herstellt und die in Flugzeuge eingebaut werden. Weltmarktführer sei man in mehreren Bereichen. Und stolz betont er, dass "seit Jahren steigende Ergebnisse“ verbucht werden konnten - im Vorjahr lag das Ebitda bei 75 Millionen Euro. "Das Ergebnis für 2013 ist gut, aber den richtigen Erfolg werden wir erst heuer und 2015 haben“, meint Tojner.

Zwei Drittel des Umsatzes und drei Viertel des Ergebnisses stammen aus Zulieferungen für die Luftfahrtindustrie. "Weil die Verträge mit Boeing und Airbus langfristige sind, ist dieser Bereich sehr vorhersehbar“, sagt Tojner. Er ist davon überzeugt, dass Flugzeuge in Zukunft noch viel mehr aus Aluminium als derzeit bestehen werden - und davon werde die Montana-Tochter Alu Menzinken stark profitieren.

Nicht weniger euphorisch hören sich seine Pläne für den Batteriehersteller Varta an. Zwar sei die erste Wachstumswelle für Elektroautos "eine Enttäuschung“ gewesen, aber der gebürtige Niederösterreicher ist davon überzeugt, dass die Zukunft den E-Mobilen gehören wird. "Schon allein aufgrund der neuen Umweltgesetze“, meint Tojner. Auch von den Solar-Energie-Speichern, die Varta im Programm hat, verspricht er sich viel.

Ein weiterer Wachstumsmotor sind Akquisitionen: So soll ein Unternehmen in Deutschland, das für die Stahlindustrie Maschinen herstellt, übernommen werden. Zudem soll der Montana-Anteil an der niederösterreichischen Asta, einem Unternehmen im Bereich der Energieerzeugung und Energieübertragung, auf 100 Prozent aufgestockt werden. "Wenn Asta dazu kommt, wird der Umsatz der Montana bei 800 bis 900 Millionen Euro liegen“, sagt der Manager. Derzeit gehören die Asta-Anteile noch seinem Fonds. Dass ein Teil einer Tojner-Firma eine andere Tojner-Firma kauft, kommt immer wieder vor und macht das Firmenreich des Investors kompliziert und mit Hilfe des Firmenbuchs allein nicht so einfach nachvollziehbar. An der Montana Gruppe hält er rund 80 Prozent, der Rest notiert in der Schweiz an der Börse.

Um das Wachstum zu finanzieren, werden Anleihen begeben, 2012 in der Höhe von 80 Millionen Euro, 2013 ein Schuldscheindarlehen in Höhe von 90 Millionen Euro. "Heuer könnte es eventuell wieder eine Anleihe geben“, sagt Tojner. Fonds hingegen will er keine mehr auflegen. In der Vergangenheit hatte er mit den Anlegern immer wieder auch Schwierigkeiten. Manche wollten es nicht hinnehmen, dass Tojner immer derjenige war, der besonders gut ausstieg. Aber sich mit wenig zufrieden zu geben, das ist nichts für Michael Tojner.

Zur Person: Michael Tojner stammt aus Haag (Niederösterreich), seine erste Million - damals in Schilling - hat er mit dem Verkauf von Eis vor dem Schloss Schönbrunn verdient. Jetzt spielt Eis wieder eine wichtige Rolle in seinem Leben - denn er will das Areal des Wiener Eislaufvereins und das Hotel Interconti neu bebauen. Geld verdiente Tojner zuerst als Risikokapitalgeber, er war an über 50 Unternehmen (darunter bwin und Dorotheum) beteiligt. 2006 begann er die Montana Industriegruppe zu formen. Sie beschäftigt derzeit 4.000 Personen und ist in vier Sparten aktiv: Der Energiespeicherung (Varta), der Metallurgie und in den Bereichen Luftfahrt- und Industriekomponenten.