Lenzing setzt voll auf Indonesien

Lenzing hat in Indonesien seine Kapazität innerhalb von vier Jahren auf 320.000 Tonnen verdoppelt und betreibt dort derzeit den weltweit größten Standort für Zellstoff-Fasern.

Lenzing setzt voll auf Indonesien

Knapp die Hälfte der gesamten Lenzing-Produktion kommt inzwischen von dort. Nun sei aber Konsolidierung angesagt, sagte Wolfram Kalt, "President Director", also CEO der Lenzing-Tochter PT South Pacific Viscose, in Jakarta im Gespräch mit APA und ORF.

Immerhin arbeiten auf 85 Hektar 1.900 Leute für Lenzing, wobei auch die Energie großteils selber erzeugt wird. Mit Investitionen von 700 Mio. Dollar (520 Mio. Euro), davon nach Kalts Schätzung 150 Mio. Euro "umweltrelevant", ist man auch nach indonesischen Maßstäben ein großer Investor. Kalt will aber auch bei Umwelt und Sozialstandards Maßstäbe setzen. Minimumlöhne liegen bei 170 Euro im Monat und gehen bei erfahrenen Arbeitern "in Richtung 500 Euro", dabei zahle Lenzing mehr als andere Unternehmen in der Gegend, betont Kalt. Gut ausgebildete Leute würden auch rasch wieder abgeworben. Im mittleren Management greife er häufig auf Mitarbeiter aus Indien zurück, die eher das nötige Know-how mitbringen als Indonesier.

Indonesien ist für Lenzing als riesiger Binnenmarkt interessant, mit einer rasch wachsenden jungen Bevölkerung, die sich von Jahr zu Jahr mehr leisten kann. 40 Mio. Menschen zählt Kalt zum "mittleren Einkommensbereich" in einem Land, das 240 Mio. Einwohner hat. In der amtlichen Sprache der indonesischen Investitionsagentur gibt es 45 Millionen "Konsumenten" in Indonesien, also Menschen die in der formalen Wirtschaft registriert sind. Diese Gruppe soll sich bis 2030 auf 135 Mio. Menschen verdreifachen. Abgesehen davon exportiert Lenzing die Hälfte der indonesischen Produktion und ist "Qualitätsführer in Asien" bei Viskosefasern, also Textilfasern, die aus Holz gewonnen werden. Das Holz muss allerdings importiert werden.

Die drängendsten Probleme sind in Indonesien die Bürokratie, der Umgang mit der Korruption und die "lähmende"Infrastruktur, sagt Kalt. Gäbe es eine entsprechende Infrastruktur, dann könnte das Wachstum zehn statt sechs Prozent betragen, schätzt er.

Über Geschäftszahlen redet der Unternehmenschef nicht, man sei aber "profitabel". Dabei engagiert sich das Unternehmen in der Entwicklung der umliegenden Dörfer, gibt medizinische Hilfe und bringt eine eigene Zeitschrift heraus.

Mittelstand als Wachstumsmotor

In Indonesien wächst der Mittelstand rapide an, bald wird mehr als die Hälfte der 240 Mio. Menschen zählenden Bevölkerung dazu gehören. Mittelstand, das sind Menschen zwischen sechs und 20 Dollar am Tag, also umgerechnet pro Monat 130 bis 450 Euro, rechnet Maxi Gunawan von der indonesischen Investitionsagentur der österreichischen Wirtschaftsdelegation im Schlepptau von WKÖ-Chef Christoph Leitl vor. Wer mehr hat, gilt als reich - und das sind nur 0,2 Prozent der Bevölkerung.

Auch das sind noch viele Menschen und die Skala ist nach oben offen: Die Hochzeit mit 3.000 Gästen im luxuriösen Hyatt-Hotel ist für die Managerin nur eine mittelgroße, um aufzufallen müssten es schon mehr als 6.000 Gäste sein. Alleine an diesem Sonntag fanden zwei solche Trauungen im Haus statt.

Indonesien kämpft trotz jährlich sechs Prozent Wachstums mit dem Ausbau der Infrastruktur. Industrie, Energie, Gesundheit sind die wichtigsten offenen Punkte des aktuellen 15-Jahres-Entwicklungsplans, der Indonesien zu einer der stärksten zehn Wirtschaftsnationen der Welt machen soll, erzählt Lukman Rizal, Vizeminister für internationale Wirtschaftsbeziehungen. Von den Österreichern erhofft er sich Technologie und Know-how. Andritz etwa ist schon groß im Geschäft, 80 Prozent der Wasserkraftwerke Indonesiens laufen mit elektromechanischer Ausrüstung des börsenotierten österreichischen Unternehmens.

Wäre Strom nicht subventioniert und die Produktion damit unrentabel, könnten viel mehr Kraftwerke entstehen, merkt Josef Ullmer, seit 27 Jahren für Andritz Hydro in der Region tätig, an. Quellen könnten - abgesehen von der Kohle - reichlich vorhandene Wasserkraft oder ebenso im Überfluss zur Verfügung stehende Geothermie sein. Indonesien steht auf einer Vulkankette, 40 Prozent der weltweit bekannten geothermischen Ressourcen gilt es hier zu nutzen, nur vier Prozent des Potenzials sind bisher gehoben, vergleicht Gunawan. Und Rizal erinnert daran, dass jährlich 3.000 Megawatt zusätzlicher Kraftwerkskapazitäten geplant waren, aber "wir haben das nicht geschafft".

Weite Teile des Landes mit seinen 17.500 Inseln sind noch nicht mit Strom versorgt und die fehlende Infrastruktur verhindert ein noch stärkeres Wachstum. Bis zu einer Million Autos und sieben Millionen Motorräder kommen jährlich neu auf die Straßen des Landes, deren Ausbau dem Ansturm nachhinkt. Eine eigene Autoindustrie oder zumindest der Aufbau von Zulieferern steht im Entwicklungsplan. Platzhirsche sind hier aber die Japaner und Koreaner, Europa ist doch weit weg. Und in Indonesien macht man sich Gedanken, ob der Euro überhaupt bestand hat. "Schauen Sie sich den Wechselkurs an. Ich würde mir mehr Sorgen um den Dollar als um den Euro machen" hält dem Leitl entgegen - und hat damit die Lacher auf seiner Seite.