In Österreich schlummert eine Derivate-Bombe im Volumen von 1000 Milliarden Euro

Die Aufseher wollen dann sehen können, wie hoch die Nettopositionen sind und wo die Risiken liegen. Der Derivatemarkt war bis 2008, dem Jahr der Lehman-Krise, eine "schlummernde Bombe", wie Klaus Kumpfmüller, Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA) in Wien sagt. Niemand wusste wirklich über die Volumina Bescheid.

In Österreich schlummert eine Derivate-Bombe im Volumen von 1000 Milliarden Euro

In Österreich seien nach Schätzungen aus 2011 zu Nominalwerten Derivate im Volumen von rund 1.000 Mrd. Euro vorhanden, sagte Kumpfmüller. Ab Ende 2013 wollen die Aufseher aussagekräftige Werte vorliegen haben. Gemeldet werden muss ab Herbst.

Den außerbörslichen Derivatehandel (OTC-Derivate wie CDS, IRS) transparenter und sicherer zu machen, war ein Beschluss der G-20 2009 in Pittsburgh. In europäisches Recht gegossen wurde dies mit der "European Market Infrastructure Regulation" (EMIR) im August 2012. Seit März 2013 sind die Technischen Standards anwendbar. Von der neuen Meldepflicht (Transaktionsregister) sind alle Derivate betroffen, nicht nur die außerbörslichen (OTC, over the counter). Für bestimmte OTC-Derivateklassen herrscht künftig eine Clearingpflicht.

Diese zentrale Clearingpflicht gilt nicht nur grundsätzlich für so genannte "finanzielle Gegenparteien" (also vor allem Banken, Wertpapierfirmen, Versicherungen, Fonds), sondern auch für "nichtfinanzielle Gegenparteien" (Firmen der Realwirtschaft), wenn bei Absicherungsgeschäften bestimmte "Clearingschwellen" überschritten werden. Die Clearingverpflichtungen starten voraussichtlich im 2. Quartal 2014, und das Clearing muss über zugelassene Zentrale Gegenparteien (CCP) erfolgen. In Österreich werden Wiener Börse und Kontrollbank einen Antrag als "Central Counterparty" stellen.

Als Schwellenwerte gelten bei Kredit- und Aktienderivaten Summen ab 1 Mrd. Euro und 3 Mrd. Euro bei Zins- und Währungsderivaten. Ausnahmen sollen für "Sovereigns" bestehen.