"Ich spüre die Diktatur in Weißrussland nicht"

"Ich spüre die Diktatur in Weißrussland nicht"

Georg Kapsch, Chef von Kapsch TrafficCom kürzt die Dividende und erzählt von einem neuen Projekt in Weißrussland.

FORMAT: Der Mautsystemhersteller Kapsch TrafficCom verzeichnete im Geschäftsjahr 2011/12 einen Rückgang beim Ergebnis je Aktie von elf Prozent auf 1,81 Euro. Sind das schon die Vorläufer des langsameren Wirtschaftswachstums?

Georg Kapsch: Nein, definitiv nicht. Der Rückgang resultiert daraus, dass wir die Aufwände für Forschung und Entwicklung mit knapp 85 Millionen Euro deutlich angehoben haben. Zudem wurde eines unserer wichtigsten Projekte in Südafrika zwei Tage vor der Inbetriebnahme gestoppt.

Wer ist für den Abbruch verantwortlich?

Kapsch: Unser Kunde, der südafrikanische Autobahnbetreiber, musste sich völlig überraschend mit einer Klage auseinandersetzen. Die daraus erwirkte einstweilige Verfügung war ausschlaggebend für den Stop.

Rechnen Sie mir finanziellen Ausfällen?

Kapsch: Nein, unser Mautsystem, das allen Anforderungen gerecht wird, wurde zeitgerecht abgeliefert. Daher können wir entgangene Gewinne einklagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir diesen Schritt einleiten müssen, ist aber sehr gering. Wir beobachten den Ausgang mit Argusaugen. Mitte August steht die nächste Entscheidung vom Verfassungsgerichtshof an. Es sind 1.000 Mitarbeiter vor Ort. Bis dato haben wir noch kein Signal erhalten, diese abzubauen. Wir sind daher optimistisch, dass das Projekt noch heuer in Betrieb gehen wird. Jährlich erwarten wir in Südafrika einen Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe.

Welches Volumen haben alle Aufträge, die Sie im abgelaufenen Geschäftsjahr an Land ziehen konnten?

Kapsch: Diese Zahl veröffentlichen wir nicht. Ich kann nur soviel sagen: Der Auftragsstand ist größter als ein Jahresumsatz.

In welchen Ländern befinden sich die wichtigsten Neuaufträge?

Kapsch: Wir haben einen sehr großen Servicevertrag in Nord-Ost-Amerika erhalten, der uns auf eine solide Basis stellt. In Portugal konnten wir unseren ersten Auftrag an Land ziehen. Und ein wirklich großes Projekt steht in Weißrussland auf der Agenda.

Haben Sie nicht Bedenken in diesem „Schurkenstaat“ aktiv zu werden?

Kapsch: Ich sage Ihnen was: Den Chinesen und Japanern ist es völlig egal, ob es sich um einen Schurkenstaat handelt in dem sie tätig sind, oder nicht. Wenn Europa möchte, dass wir weiter Arbeitsplätze schaffen, dürfen wir nicht zuschauen, wie die Chinesen überall einkaufen und alles übernehmen. Zudem gibt es Länder im Süd und Osteuropa, die trotz einer ähnlichen Diktatur, Geld von der EU bekommen. Ich sehe da keinen Unterschied. Was natürlich nicht impliziert, dass ich eine Diktatur gut heiße. Ich spüre die Diktatur im Geschäftsleben und im Alltag allerdings nicht, wenn ich in Weißrussland bin.

Sie werden bei der nächsten Hauptversammlung eine Dividenden von 0,90 Euro vorschlagen. Das entsricht einer Kürzung von 0,10 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Was hat Sie zu diesem Vorschlag veranlasst?

Kapsch: Wir tragen damit einer nachhaltigen Entwicklung Rechnung.

Planen Sie weitere Kapitalmaßnahmen?

Kapsch: Nein, wir werden uns bei der nächsten Hauptversammlung kein weiteren Kapitalmaßnahmen genehmigen lassen.

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