"Gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis, sind Österreich-Aktien günstig bewertet"

"Gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis, sind Österreich-Aktien günstig bewertet"

FORMAT-Interveiw. Birgit Kuras, Vorstand der Wiener Börse, über Ursachen der heftigen Kursrückgänge seit 2007 und neue Transaktionssteuern.

FORMAT: Während DAX und Dow wieder kräftige Lebenszeichen von sich geben, notiert der ATX-Index der Wiener Börse noch fast 60 Prozent unter den Höchstkursen des Jahres 2007. Was läuft schief?

Birgit Kuras: Die Staatsschuldenkrise trifft alle. Spezifisch österreichische Gründe sind ein sehr finanzlastiger Index und das starke Osteuropageschäft vieler Unternehmen, das erst gehypt und dann dämonisiert wurde. Wegen der Kleinheit des Marktes ziehen sich auch Investoren in Krisen schnell zurück. Die Kursausschläge sind deshalb in beiden Richtungen besonders kräftig.

Liegt nicht die schwache ATX-Entwicklung vor allem an den notierten Unternehmen? Die Gewinne erholen sich nicht, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, ist der ATX aktuell sogar etwas teurer als vor fünf Jahren.

Kuras: Viele Unternehmen schneiden selbst in schwierigen Zeiten weit besser ab als die internationale Konkurrenz, etwa die voestalpine oder auch Amag, Mayr-Melnhof und RHI. Und wenn man das durchschnittliche Kurs-Buchwert-Verhältnis betrachtet, das unter eins gerutscht ist, sieht man, dass auch der ATX als Ganzes günstig bewertet ist. Außerdem muss man bei Vergleichen mit anderen Börsen auch die relativ hohe Dividendenrendite von 3,5 bis vier Prozent berücksichtigen.

Werden wir die 5.000 ATX-Punkte jemals wieder erleben?

Kuras: Ich habe keine Glaskugel, die 5.000 Punkte stammen aber aus einer Phase, als die Welt eine andere war. Ich glaube jedenfalls, dass Osteuropa wieder zum Segen wird. Schon heuer liegt dort das Wachstum über dem von Westeuropa, bis 2015 wird es sogar deutlich höher sein.

Die Umsätze der Wiener Börse sind ziemlich schwach; droht langfristig die Bedeutungslosigkeit?

Kuras: Nein. Richtig ist, dass das Volumen in Euro aufgrund des niedrigen Kursniveaus gesunken ist. Allerdings ist der Aktienumsatz in Stück nur unwesentlich geringer als 2007, auch die Zahl der registrierten Handelsteilnehmer ist gestiegen. Problematisch ist, dass inzwischen 20 Prozent des Handels mit österreichischen Aktien über Schattenbörsen abgewickelt werden. Eigentlich wollte man über die Mifid-Regeln den Wettbewerb und die Kontrolle über den außerbörslichen Handel stärken. Der Schuss ging aber nach hinten los, weil jetzt mehr denn je über völlig ungeregelte Dark Pools läuft. Das ist auch für den Anlegerschutz ein Rückschlag.

Welche Rolle spielen die geplanten Finanztransaktionssteuern?

Kuras: Die Finanztransaktionssteuer ist grundsätzlich für einen Kapitalmarkt nicht positiv. Ganz schlecht wäre aber, wenn nur Börsenumsätze besteuert werden würden, weil dann noch mehr außerbörslich abgewickelt würde, um der Steuer zu entgehen. Wenn schon, müssten solche Geschäfte zumindest stärker oder sogar ausschließlich belastet werden.

Bei neuen Börsengängen sieht es trist aus. Wann wird der Kurszettel wieder länger?

Kuras: Immerhin boomt die Ausgabe neuer Unternehmensanleihen. IPO-Boomjahr wird es heuer keines werden. Ich besuche derzeit rund 90 Unternehmen, die großes Interesse an einem Börsengang in Wien zeigen. Ich bin überzeugt, dass die Kontakte in den nächsten Jahren Früchte tragen.

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