Franz Struzl: "Ich komme sehr gut mit Schlaff aus"

Franz Struzl: "Ich komme sehr gut mit Schlaff aus"

FORMAT: Herr Struzl, auch RHI leidet unter der schwächelnden Stahlindustrie. Was denken Sie, wie lange noch?

Franz Struzl: Ich bin nicht ganz so pessimistisch, dass ich von einer lang anhaltenden Krise sprechen würde. Aber es ist Realität, dass die Auslastung der europäischen Stahlindustrie bei nur 70 Prozent liegt. Ich fürchte, der jetzige Zustand wird wohl noch zwei bis drei Jahre anhalten.

Wie reagiert RHI darauf (Anm.: die Division Stahl bei RHI generiert rund 60 Prozent des Umsatzes)?

Struzl: Wir "streamlinen" unsere Produktion und bauen Schichten ab, wie gerade durch die Schließung des Werkes in Duisburg.

Wird das die einzige Werksschließung von RHI in Europa bleiben oder kommen noch weitere hinzu?

Struzl: Für die nächsten fünf Jahre jedenfalls bleibt es dabei. Durch die Schließung in Duisburg erhöhen wir die Auslastung unserer Werke, die für die Stahlindustrie produzieren, von 70 auf 90 Prozent.

Sie haben auch einmal davon gesprochen, dass Werke in Österreich in Gefahr wären.

Struzl: Wir haben zwei Werke in Deutschland und eines in Österreich verglichen. Wir haben aber gesehen, dass das österreichische Werk strategisch deutlich besser aufgestellt ist, deshalb haben wir uns für die Schließung von Duisburg entschlossen.

Die Voest ist wegen der hohen Energiekosten in die USA geflüchtet. RHI hat aktuell auch Produktionspläne in den USA, auch wegen der Energiekosten?

Struzl: Nein, wir haben keinen solch extremen Energiebedarf wie die Voest. Aber in den USA ist die Gesinnung gegenüber Unternehmen viel besser als in Europa. Die dortige Aufbruchsstimmung und Gesetzeslage gefällt uns sehr gut. Deshalb wären für uns Teile von ANH Refractories, unserer früheren US-Tochter, sehr interessant. Wir warten ab, ob es da in nächster Zeit zu einem Verkauf kommt.

Worin liegen Ihrer Meninung nach die Nachteile des Industriestandorts Europa?

Struzl: Die ausufernde Bürokratisierung, die hohen Energiekosten, die Genehmigungsverfahren, die Kosten für den Klimaschutz und die geringe Flexibilität. Wir sehen jetzt gerade in Duisburg, welche Prügel man uns bei der Schließung vor die Füße wirft. Wenn ich als Investor gar nicht mehr wegkomme, überlege ich mir ein Investment schon zwei Mal.

Auch ihre geplante Investition in Brasilien läuft nicht ganz nach Wunsch.

Struzl: Wir haben das Projekt in Brasilien jetzt einmal auf Eis gelegt. Bei dieser wirtschaftlichen Situation und bei der Rechtsunsicherheit hat zur Zeit jeder Hemmungen, dort zu investieren. Es wird nicht die - ursprünglich geplante - große Lösung geben, daher laufen Gespräche mit potenziellen Partnern. Das Projekt wird nicht ganz aufgegeben. Wir werden noch heuer, abhängig von der brasilianischen Wirtschaftslage, darüber entscheiden. Aber wenn Sie mich fragen, ob USA oder Brasilien Priorität haben, dann sage ich ganz klar: die USA. Auch Russland ist für uns sehr interessant. Wir haben aber aus Brasilien gelernt und werden es dort sehr, sehr vorsichtig angehen.

In kaum einem ATX-Unternehmen hat es in den letzten Jahren derart viele Vorstandswechsel gegeben wie bei RHI. Wie wirkt sich das auf das Unternehmen aus?

Struzl: Natürlich geht das nicht ganz spurlos an einem Unternehmen vorüber. Aber wir haben jetzt sehr gute Leute im Vorstand und ich bin zuversichtlich, dass das auch so bleibt.

Wie lange?

Struzl: Zumindest bis zu meiner Pensionierung.

Der Haupteigentümer der RHI, Martin Schlaff, soll nicht ganz unschuldig an den zahlreichen Managementwechseln sein. Wie geht es Ihnen mit Herrn Schlaff?

Struzl: Der aktuelle Wechsel hat nichts mit Herrn Schlaff zu tun. Ich persönlich komme sehr gut mit ihm aus.

Wie oft müssen Sie mit ihm telefonieren?

Struzl: Wir telefonieren höchstens alle paar Monate miteinander und da zumeist auf meinen Wunsch. Ich habe zu anderen Investoren genauso viel Kontakt.

Wie lauten die Vorgaben Ihrer Eigentümer? Sollen Sie das Unternehmen für einen baldigen Verkauf schmücken?

Struzl: Nein, einen baldigen Verkauf schließe ich völlig aus. Alle unsere Investoren sind langfristig denkend, das sind keine Zocker. Deshalb erstelle ich gerade einen Fünfjahresplan für die RHI und diskutiere ihn mit dem Aufsichtsrat. 2020 sollte die RHI bei einem Umsatz von drei Milliarden Euro (2012: 1,8 Mrd. Euro) und einer EBIT-Marge von zwölf Prozent (2012: 9,1 Prozent) zu liegen kommen. Dieses Ziel kann aber auch erst 2023 oder 2024 erreicht werden, je nach Wirtschaftslage.

Ihr Vorstandsvertrag läuft noch bis 2016. Wie lange wollen Sie denn noch an Bord bleiben?

Struzl: Bis 2016 einmal auf jeden Fall und vielleicht hänge ich dann auch noch eine Runde an. Aber sicher keine lange Runde mehr.

Mit Verlaub, 2016 sind Sie schon 74 Jahre alt. Sind nicht vor allem die vielen Flüge schon anstrengend genug?

Struzl: Ach, so oft fliege ich gar nicht. Vier bis fünf Mal im Jahr nach Brasilien, ebenso oft nach China. Ich fahre ja nicht nur einfach so in der Weltgeschichte herum.

Wie halten Sie sich fit?

Struzl: Ich habe zwei zehnjährige Kinder, die ich am Wochenende ordentlich verziehe. Die halten mich mehr als fit.

Sind Sie auch für eine Anhebung des Pensionsalters?

Struzl: Selbstverständlich! Jedenfalls bis 67. Für Arbeiter im Baugewerbe oder in der Industrie gelten natürlich andere Maßstäbe.

Mit 1,3 Millionen Euro Gehalt im letzten Jahr sind Sie auch einer der bestverdienenden Manager im ATX. Was halten Sie von einer Deckelung der Bezüge?

Struzl: Dazu muss man sagen, dass wir einen sehr großen variablen Gehaltsbestandteil (Anm.: rund 50 Prozent) haben - wie die meisten ATX-Unternehmen. Von Deckelung halte ich daher ebensowenig wie die Managergehälter an die Durchschnittsgehälter der Mitarbeiter zu koppeln. Sie können bei uns kein Durchschnittsgehalt heranziehen, wir haben Riesen-Spannen zwischen den einzelnen Berufsgruppen. Darüber hat es bei uns im Unternehmen noch nie eine Diskussion gegeben.

Vor zehn Jahren machten Sie durch die Insideraffäre bei der Voest Schlagzeilen. Wie denken Sie heute mit ein paar Jahren Abstand darüber?

Struzl: Gelassener, es ist kein Trauma für mich. Rund 70 Prozent meiner damaligen Freunde haben sich zwar von mir abgewandt, das war ein Schock. Dafür habe ich neue Freunde gefunden, auch meine Familie hat sehr zu mir gehalten.

Wie halten Sie es denn jetzt mit RHI-Aktien?

Struzl: Durch die laufenden Sperrfristen sind RHI-Aktienkäufe für mich tabu. Ich halte aber Bestände noch aus der Zeit, bevor ich bei RHI begann. Persönlich bedaure ich dieses restriktive System bei uns in Österreich. Manager sollten möglichst viele Aktien ihres Unternehmens besitzen und auch handeln dürfen.

Zur Person: Franz Struzl, 71, steht seit zwei Jahren an der Spitze des börsenotierten Feuerfest-Herstellers RHI, an dem der schillernde Investor Martin Schlaff mit mehr als 25 Prozent größter Aktionär ist. Vor seinem Wechsel zu RHI war Struzl für den Edelstahlerzeuger Böhler-Uddeholm in Brasilien tätig. Struzls eigentliches Karriereziel, einmal bei der Voest in Pension zu gehen, wurde durch die im Jahr 2003 aufgeflogene Insideraffäre jäh unterbrochen. Struzl hatte damals als Voest-Chef unter Ausnutzung von Insiderwissen VAE-Aktien gekauft und einen Gewinn von 250.000 Euro erzielt. Der Fall wurde mittels Diversion bereinigt. Der 71-Jährige ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

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