Erste Group-Aktie verliert nach Verlustankündigung über 13%

Weil der erhoffte Wirtschaftsaufschwung in vielen Ländern bislang ausgeblieben ist, häufen sich die faulen Kredite und Abschreibungen. Die österreichische Erste Group - Nummer drei in Osteuropa - erwartet nun für das laufende Jahr einen Rekordverlust von 1,6 Milliarden Euro.

Erste Group-Aktie verliert nach Verlustankündigung über 13%

Vor allem drohende Wertberichtigungen in Rumänien und Verluste mit Fremdwährungskrediten in Ungarn lasten auf der Bilanz. Investoren reagierten am Freitag nach der Ankündigung verschreckt: Die Papiere brachen gut 14 Prozent ein.

Das Sparkassen-Spitzeninstitut ist nicht die einzige Bank, die Milliarden in Osteuropa verbrennt. Die größere Konkurrentin UniCredit Bank Austria musste bereits hohe Abschreibungen verkraften und rutschte tief in die Verlustzone. Die Ankündigung der Erste dürfte nach Einschätzung der Experten der Schweizer Bank UBS auch die Alarmglocken bei anderen Geldhäusern schrillen lassen. Konkret nannten sie etwa die Raiffeisen Bank International, die belgische KBC und die italienische Intesa Sanpaolo, die alle in Osteuropa aktiv sind. "Für die meisten von ihnen" dürften die Probleme in Ungarn und Rumänien jedoch ohne größere Probleme zu verdauen sein, hieß es in der UBS-Analyse. Dennoch gaben die Papiere von RBI, KBC und Intesa Sanpaolo um zwei bis fünf Prozent nach.

Speziell österreichische Unternehmen haben vor der Banken- und Wirtschaftskrise Milliarden in Übernahmen in Osteuropa gesteckt - in der Hoffnung, dass das Geschäft dort schneller wächst als am gesättigten kleinen Heimatmarkt. So kaufte die Erste Group 2006 die Mehrheit an der größten rumänischen Bank BCR für 3,75 Milliarden Euro, die UniCredit übernahm 2007 für 1,6 Milliarden eine Verluste schreibende Bank in Kasachstan. Doch die neuen Töchter entpuppten sich als Problemkinder und belasteten die Firmenbilanzen über Jahre. Erst jüngst mussten auch andere Firmen wie die Telekom Austria und der Versorger EVN ihre Osteuropa-Töchter wertberichtigen. Sie erwarten nun für 2014 Verluste.

Dauer-Sorgenkinder Ungarn und Rumänien

Die Erste Group führt die Probleme in Ungarn auf die Pläne der Regierung in Budapest zurück, den Instituten bei den Fremdwährungskrediten höhere Lasten aufzubürden. Vor der Krise hatten sich viele Ungarn vermeintlich günstige Kredite in Schweizer Franken besorgt. Diese können sie nun aber wegen des Verfalls der Landeswährung Forint nicht mehr zurückbezahlen. Die Regierung will die Betroffenen schonen und stattdessen die Banken als Kreditgeber zur Kasse bitten. Sie verlangt unter anderem, dass die Institute Zins- und Gebührenerhöhungen rückgängig machen. Das könnte auch die ebenfalls in dem Geschäft tätige BayernLB treffen. Sie konnte mögliche Einbußen am Freitag noch nicht beziffern. Nach Einschätzung der ungarischen Zentralbank drohen dem gesamten ungarischen Bankensektor dadurch Kosten von umgerechnet 1,9 und 2,9 Milliarden Euro. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf hat das Parlament am Freitag verabschieden.

In Rumänien setzt die laufende Bilanzprüfung der Europäischen Zentralbank die Erste unter Druck. Die EZB prüft die Krisenanfälligkeit der wichtigsten europäischen Banken, bevor sie im Herbst die Aufsicht über die Institute übernimmt. Dabei arbeitet sie eng mit den nationalen Notenbanken zusammen. In Rumänien dränge die dortige Zentralbank die Erste, sich von faulen Krediten zu trennen oder höhere Rückstellungen dafür zu bilden, erklärte die Bank. Konzernweit steigen diese Risikokosten im laufenden Jahr daher auf 2,4 von 1,8 Milliarden Euro ein Jahr zuvor.

Andere Osteuropa-Banken sehen sich von diesem Problem nicht betroffen. Die RBI erklärte, sie erwarte keine Schwierigkeiten in Rumänien. Ein Sprecher des teilverstaatlichten Volksbanken-Spitzeninstituts ÖVAG sagte, die Aufseher hätten bislang keine Bedenken bei der Risikovorsorge des Instituts in Rumänien erkennen lassen. Die BayernLB-Tochter MKB hat ihr dortiges Geschäft bereits verkauft.

Erste-Bankchef Andreas Treichl verspricht für die kommenden Jahre Besserung: Künftig werde es keine derartigen negativen Überraschungen mehr geben. Das Institut gehe davon aus, dass der Reingewinn ab 2015 steigen werde, sagte er. Anlass für personelle Konsequenzen sieht er nicht. Er wolle weiter an der Spitze der Bank bleiben, die er bereits seit 17 Jahren führt.