"Die Regierung ist sozialistisch und kapitalmarktfeindlich"

"Die Regierung ist sozialistisch und kapitalmarktfeindlich"

FORMAT: Wenn Sie an den ATX denken, fällt ihnen eine Aktie ein, die Anleger jetzt unbedingt kaufen sollte?

Roland Neuwirth: Nein. Es gibt derzeit keine Must-Have-Aktie am Wiener Aktienparkett.

Woran liegt das? Es gibt im ATX unzählige Weltmarktführer und auch eine ganze handvoll Unternehmen mit einem sehr soliden Geschäftsmodell wie etwa Verbund, OMV oder Wienerberger. Sind die Manager den Herausforderungen nicht gewachsen?

Neuwirth: Ja, bei Konzernen wie etwa dem Verbund, OMV oder Wienerberger ganz bestimmt. Aber das Problem ist, dass das eben schon ganz oben anfängt. Die Regierung ist sozialistisch und kapitalmarktfeindlich und nimmt großen Einfluss auf die Besetzung des Managements staatsnaher Konzerne. Da hat man manchmal den Eindruck, dass diese Manager den Herausforderungen dann nicht gewachsen sind. Bei Wienerberger zum Beispiel muss man wirklich sagen, dass die Unternehmen, die in den letzten zehn Jahren akquiriert wurde, klassische Fehlinvestments waren. Viele von den gekauften Werken mussten mittlerweile geschlossen bzw. vorübegehend stillgelegt werden. Bei Verbund muss man ehrlicherweise sagen, dass Wolfgang Anzengruber erst dazugekommen ist, wie alle Pannen-Projekte wie etwa Frankreich und die Türkei schon mehr als im Laufen waren. Er hat dann nachträglich versucht zu stoppen was noch zu stoppen war. Den Kardinalfehler, den er in den ersten zwei bis drei Jahren seiner Amtszeit gemacht hat, war, zu glauben dass die Strompreise weiter steigen werde. Er hat daher munter weiter investiert. Sohin hat er die Strompreisentwicklung falsch eingeschätzt wie viele seiner Managerkollegen die leider immer dann im Zyklus intensiv investieren während sie dann im Abschwung auf die Bremse treten.

Wer hat unter den ATX-Konzernen das beste Management?

Neuwirth: Andritz, Mayr-Melnhof und vielleicht Lenzing und SBO. Bei Andritz hat man einen Eigentümer mit 30 Prozent und jemanden der andere Unternehmen nicht aus Eitelkeit übernimmt, sondern weil sie wirklich zum Konzern passen. Bei Mayr Melnhof gibt es einen stabilen Kernaktionär, der Mayr-Melnhof defensiv aufstellt und auf Nachhaltigkeit setzt.

Im Moment sind die Börsen in Eurpoa und den USA auf Sinkmodus. Wird der Abwärtstrend anhalten?

Neuwirth: Nach den starken Anstiegen vom Sommer sind wir noch in einer klassischen Konsolidierungsphase. Mittel-bis längerfristig bin ich verhalten optimistisch. Aber ich glaube nicht an eine großartige Jahresendrally an den Börsen.

Haben wir die Finanzkrise also noch nicht überwunden?

Neuwirth: Die Euroschuldenkrise ist schon vorbei. Aber eben nur in dem Sinn, dass das Schlimmste überstanden ist. Die Politik der Zeitgewinnung hat Früchte getragen und wird auch von den Märkten akzeptiert. Das sieht man auch an den 10-jährigen Italien-Bonds – die Italiener zahlen mittlerweile unter fünf Prozent Zinsen. Das Problem ist, dass sich nach der Euphorie mit den guten Wirtschafsdaten aus Amerika das Momentum in Europa nach unten weiter verschlechtert hat. Die Wirtschaft ist nach wie vor im Stottern. Ich gehe trotzdem davon aus, dass sich die Wirtschaft spätestens im zweiten Halbjahr 2013 verbessern wird, sodass man im laufe des ersten Halbjahres wieder mehr Risiko nehmen sollte. Die neue Regierung in China wird wieder aufs Gas steigen und die Wirtschaft beleben. Und wenn aus den zwei größten Volkswirtschaften China und USA wieder Dampf kommt, hilft das am Ende auch den Europäern.

Aber zuvor muss doch in Amerika das Überschuldungsproblem mit der Steuerklippe gelöst werden?

Neuwirth: Ja, aber ich hoffe doch, dass man sich am Ende wird einigen können. Die Republikaner haben bereits zwei Wahlen verloren und sind jetzt im Hintertreffen. Sie werden ihre Haltungen überdenken. Wir werden nächstes Jahr ein ähnlich relativ gutes Aktienjahr erleben wie heuer.

Kaufen Sie jetzt Aktien?

Neuwirth: Nur sehr selektiv, weil ich noch Munition haben will, falls die Märkte noch einmal zurückkommen. Ich halte in meinem Aktienfonds zwischen 30 und 40 Prozent Aktien – aktuell habe ich 33 Prozent des Fondsvermögens in Aktien investiert. Was mir gut gefällt sind derzeit Versicherungen. Und Qualitätsindustrieaktien mit einer soliden vorhersehbaren Dividende. Ich bevorzuge Aktien von großen Konzernen, weil die in einem größeren Move nach oben die ersten sind die abheben. Ich habe erst kürzlich Linde und Allianz-Papiere in Deutschland zugekauft. In Österreich fällt mir nicht so viel ein. Ich habe eine mittlere Position in RHI, geringe gewichtung in Wiener Städtische, Mayr Melnhof und Amag.

Zur Person
Roland Neuwirth, vormals Aktienanalyst bei der Deutsche Bank in Wien, ist Fondsmanager des Salus Alpha Special Situations Fonds (ISIN AT0000A0GYY7) der in österreichische, deutsche und Schweizer Unternehmen investiert. Neuwirth kombiniert ein Kernportfolio, das aus wenigen ausgewählten Aktien von Top-Unternehmen besteht mit dem opportunistischen Ausnutzen von kurz- und mittelfristigen Spezial-Situationen. 2012 erzielte der Fonds einen Ertrag von neun Prozent.

Börse

Neues Börsegesetz bringt Erleichterungen für Unternehmen

Die Voestalpine liefert 120.000 Tonnen Bleche für den Bau der South Stream Pipeline von Russland nach Österreich.
#ukraine #south stream #russland #putin #omv
 

Börse Wien

Voestalpine ist bei South Stream als Lieferant im Geschäft

Der Plan soll mit einer 375 Millionen Euro schweren Umtauschanleihe gelingen.
#immofinanz
 

Börse Wien

Immofinanz bereitet Teilausstieg aus Buwog vor