Die OMV und ihr Plan B nach Nabucco

Die OMV und ihr Plan B nach Nabucco

Spätestens seit seinem South-Stream-Deal mit Russlands Gazprom weiß OMV-CEO Gerhard Roiss, wie es sich anfühlt, wenn man so richtig zwischen die Fronten gerät. Und dann augerechnet South Stream als Anlass...

Das Projekt, das die OMV-Pipeline Nabucco aus dem Feld geschlagen hat. 32 Milliarden m3 Gas sollen ab 2017 via South Stream in Baumgarten landen. Gazprom wird Zugang zur Gasbörse mit allen sensiblen Preisdaten erhalten. Dazu wird das Pipelinegeschäft der Ukraine unterlaufen - und all das mitten im Sanktionsreigen der EU. Kein Wunder, dass sich Brüssel verschnupft zeigt. Man fühlt sich vorgeführt.

Fragt man vor diesem Hintergrund den OMV-General, wieso der Vertragsabschluss ausgerechnet in die bislang heißesten Phase des Konflikts zwischen EU und Russland fallen musste, spürt man, dass es hinter der gefassten Fassade des Managers gärt: Die OMV habe die "Verhandlungen lange vor den Streitigkeiten um die Krim begonnen.“ Notwendig geworden sei das, "nachdem die Nabucco-Pipeline als Projekt vom Tisch war. Eine der Bedingungen von Gazprom war da von Anfang an, dass man bis April zu einem Abschluss kommt, oder eben überhaupt nicht“, erklärt Roiss. Wollte man die Gasversorgung sicherstellen und zukünftig die positiven Beiträge aus den vollen Lagern und Pipelines in die Bilanz schreiben, musste man den Deal zum geforderten Datum unter Dach und Fach bringen.

Es war also nichts anderes als das Diktat des Siegers. Wobei die EU aus Sicht von Roiss alles andere als unschuldig am Scheitern von Nabucco war. So ist es kein Wunder, dass ein paar Emotionen aufbrechen, als er auf allfällige Blockaden des Gazprom-Deals durch Brüssel angesprochen wird: "Ich möchte schon festhalten, dass Brüssel in Sachen Nabucco sehr wenig zur Umsetzung der Pipeline unternommen hat. Und je weiter die Krise weg war, desto weniger wurde es. Das hat uns zu diesem alternativen Plan gebracht, der die Versorgungssicherheit Europas mit Erdgas entscheidend erhöht. Und jetzt beklagt sich dieselbe EU, die Nabucco nicht ausreichend unterstützt hat, darüber, dass South Stream bis nach Baumgarten geht.“ Es ist der alte Konflikt zwischen Politikern und Diplomaten auf der einen und den Machern auf der anderen Seite. Roiss ist sich sicher, dass er auf der richtigen Seite steht. Aus seiner Sicht "betreibt die EU eine viel zu kurzfristige, krisengetriebene Politik.“ Ganz anders die OMV, die "im Gegensatz dazu langfristig denkt und die Gasversorgung Europas sicherstellt.“ Nichts wissen will Roiss davon, dass die OMV ihre Strategie geändert hat. Dort, wo es geht, versucht man, sich weiter von Russland zu emanzipieren. Also vor allem im Förderbereich, wo man auf die Nordsee, das Schwarze Meer und zukünftig auf das östliche Mittelmeer setzen will.

Russische Macht

Aber in Sachen Infrastruktur geht ohne Russland nach wie vor nichts. Wenn man sich auf dieser Ebene von der russischen Abhängigkeit befreien will, muss man laut Roiss "entsprechend langfristig planen.“ Nachsatz: "Derzeit kann ich bei Gas aber keine langfristige Strategie auf EU-Ebene erkennen.“

Letzten Endes bleibt aber die Frage stehen, inwieweit man in der EU nicht insgeheim froh über den Vorstoß der OMV ist. Denn der Unsicherheitsfaktor in der Gasversorgung der Union hieß immer: Kiew. Natürlich aus der Not russischen Drucks heraus. Aber das Problem lautete nie, dass Gazprom weniger geliefert hätte, sondern immer, dass das Gas in der Ukraine umgeleitet wurde. Im Grunde geht es also nicht um eine Diversifizierung weg von Russland, sondern um eine Diversifizierung weg von der Ukraine - was aber gleichzeitig einer Aushöhlung ihrer wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit gleichkommt. Die OMV hat der EU diese unpopuläre Maßnahme abgenommen. Zugeben wird das in Brüssel offiziell niemand.

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