Conwert will alle Immobilien in Osteuropa verkaufen

Der neue Chef von Conwert, Clemens Schneider, will in den nächsten Jahren Portfolios in Tschechien, Ungarn, Slowakei und Ukraine verkaufen. Weitere Neuerungen: Der Altbauspezialist will auch in Neubauten investieren. Auch leistbares Wohnen soll, mit späterem Eigenerwerb soll künftig bei Conwert-Immos möglich werden. 2013 hat Conwert 13,3 Millionen Euro verdient. Langsamer wachsen ist das Ziel.

Conwert will alle Immobilien in Osteuropa verkaufen

conwert werde sich in den nächsten Jahren aus den Ländern außerhalb der Eurozone zurückziehen und die dortigen Portfolios verkaufen - Ziel sei es, das zum "Book Value" zu bewerkstelligen, sagte Schneider. "Wir sind gerade dabei, unser tschechisches Portfolio zu vermarkten. Es schaut im Moment sehr gut aus und wir hoffen, das in den nächsten Monaten abschließen zu können." Die Lage in diesen Märkten habe sich in den letzten Jahren nicht verbessert und ein zusätzliches Währungsrisiko durch die Präsenz in diesen Nicht-Euro-Ländern wolle man nicht mehr haben, erklärte der scheidende Verwaltungsratsvorsitzende Johannes Meran.

Auch der Verkauf der einzigen conwert-Immobilie in der Ukraine, eines großen Bürogebäudes in der Stadt Zaporozhye (Saporischija), steht auf dem Programm. "Wir haben ein tolles, tolles Bürohaus dort stehen", so Schneider. Allerdings betrage die Auslastung des Gebäudes nur 30 Prozent. Es halte sich um ein Haus aus dem Altbestand der conwert, "ich habe nicht eruieren können, was damals die Strategie dahinter war".

"Zwischen 150 und 200 Mio. Euro" will Schneider heuer mit Verkäufen in den genannten Ländern erlösen, aber auch durch den Verkauf von Gewerbeimmobilien, da sich die conwert künftig noch stärker auf Wohnhäuser konzentrieren will. "Momentan läuft ein strategischer Review", erklärte Meran, der seine Funktionen heute niederlegt. "Das ist normal und zu erwarten, wenn sich ein neuer CEO die Sachen mit frischen Augen von Außen ansieht", so Meran.

Neu ist auch, dass künftig auch in Neubauprojekte investiert werden soll

"Sicher im dreistelligen Millionenbetrag", so Schneider. "Wir haben Projekte gefunden", spruchreif sei das aber noch nicht, denn sobald man darüber rede, kämen "Glücksritter und Wegelagerer, und dann steigen die Preise". Was man aber sagen könne: "Eindeutig Wohnimmobilien", und zwar höhere Gebäude. Investieren will conwert sowohl in Deutschland als auch in Österreich. "Wir werden bei der nächsten Hauptversammlung am 7. Mai um eine Genehmigung ansuchen für weiteres bedingtes Kapital. Das hat mit der Anleihenstruktur zu tun, die wir draußen haben. Das heißt, wir werden weiter wachsen.

Schneider will auch auf das Thema "leistbares Wohnen" setzen.

Ziel sei es, dass man sich "mit einem Drittel eines durchschnittlichen Einkommens eine Wohnung leisten kann und eine Möglichkeit vorfindet, zu einem späteren Zeitpunkt Eigentum zu erwerben". An diesem Modell arbeite man noch, sagte Schneider. Zu klären seien u.a. noch Finanzierungsfragen und die rechtlichen Rahmenbedingungen.

2013 hat die conwert unterm Strich 13,3 Mio. Euro verdient, nachdem sie 2012 noch einen Verlust von 172,1 Mio. Euro verbucht hatte. Das EBT (Ergebnis vor Ertragssteuern) wurde 2013 auf 48,7 Mio. Euro gesteigert, nach einem negativen EBT von -154,6 Mio. Euro im Jahr davor.

In der nächsten ordentlichen Hauptversammlung am 7. Mai soll den Aktionären eine Dividende von 10 Cent je Aktie vorgeschlagen werden. "Wir wollen dort eine langweilige Aktie werden, wir wollen sukzessive langsam wachsen", sagt Schneider.

Die Umsatzerlöse betrugen für das Gesamtjahr 2013 insgesamt 516,4 Mio. Euro, nach 625,1 Mio. Euro im Jahr 2012. Den Rückgang zum Vorjahr um mehr als 100 Mio. Euro erklärt das Unternehmen durch die geringeren Nettoveräußerungserlösen von 27,3 Mio. Euro.

Die Vermietungserlöse seien von 188 auf 227 Mio. Euro gestiegen, berichtete Finanzchef Thomas Doll. Die Nettovermietungserlöse seien von 110 auf rund 141 Mio. Euro gesteigert worden. "Mit dem gleichen Asset Value haben wir wesentlich mehr erwirtschaftet."

Zu Jahresende 2013 betrug der Wert des conwert-Portfolios insgesamt 2,868 Mrd. Euro, nach 2,511 Mrd. Euro zu Jahresende 2012. Der Immobilienbestand setzt sich aus 32.120 Mieteinheiten (31. Dezember 2012: 20.479 Mieteinheiten) und 14.187 Stellplätzen (Ende 2012: 10.795 Stellplätze) zusammen. Die Gesamtnutzfläche stieg von 1,9 Mio. Quadratmetern zu Jahresende 2012 auf 2,6 Mio. Quadratmeter. Besonders die Präsenz in Deutschland wurde laut Unternehmensmitteilung ausgebaut.

Bei den Mieten ist Schneider beim Quadratmeterpreis in Wien mit einem Durchschnitt von 6,63 Euro nicht zufrieden. Das liege daran, dass man einen hohen Friedensmietzins-Anteil von 24 Prozent habe. "Da muss man auf Zeit spielen. Diese Friedensmietzins-Verträge laufen aus, weil die Leute ausziehen oder leider Gottes auch versterben."

Bei den Kosten mit Investitionen und Instandhaltung setzt sich conwert das Ziel von 12 Euro pro Quadratmeter. Das habe man in Österreich bereits erreicht, in Deutschland hingegen habe man Zukäufe getätigt, dort wolle man im Jahr 2015 das genannte Ziel erreichen.

An der conwert Immobilien Invest SE hält die Haselsteiner Familien-Privatstiftung 24,4 Prozent.