Constantia Flexibles – Einpacken für die Börse

Constantia Flexibles – Einpacken für die Börse

Ob Knorr-Suppen, Actimel-Drinks, Mozartkugeln oder Aspirin-Tabletten – all das wird verpackt von Constantia Flexibles.

Vor dem übervollen Kühlregal im Supermarkt geht es Thomas Unger wie den meisten Gelegenheits-Einkäufern: "Wenn mir meine Frau nicht genau aufschreibt, welches Joghurt ich einkaufen soll, bringe ich meist das falsche“, gibt er zu. Für den 53-Jährigen hat das jedoch eine positive Seite: "Es zeigt, welche wichtige Rolle Verpackungen beim Erstkontakt mit dem Konsumenten spielen.“ Und das ist für ihn wichtiger, als den Auftrag der Gattin perfekt auszuführen: Unger ist CEO des Verpackungsherstellers Constantia Flexibles. Und der soll demnächst an die Börse kommen - sauber verpackt.

Ob Knorr-Suppen, Actimel-Drinks, Mozartkugeln oder Aspirin-Tabletten – all das wird verpackt von Constantia Flexibles. In 40 Werken weltweit werden Folien, Etiketten, Plastikschalen und Pillenschachteln produziert. Der Hersteller von flexiblen Kunststoffverpackungen ist Teil der Constantia Packaging. Diese gehörte einst zur Industriegruppe Herbert Turnauers und wurde vor drei Jahren von dessen Tochter Christine de Castelbajac zu 75 Prozent an die Private-Equity-Gesellschaft One Equity Partner (OEP) verkauft, eine Tochter der US-Bank JP Morgan Chase. Ein Notverkauf: Castelbajac brauchte damals dringend Geld, um ihre Verpflichtungen aus dem Immofinanz-Skandal zu stemmen.

Doch das war gestern

Auf der Börsestory von morgen pickt ein großes Etikett mit der Aufschrift "Wachstum“. Aus dem mittelständischen Folienhersteller Teich AG mit Sitz im niederösterreichischen Weinburg ist mittlerweile ein Konzern mit zuletzt 1,3 Milliarden Euro Umsatz geworden. Denn die amerikanischen Finanzinvestoren haben den schon in den neunziger Jahren begonnenen Expansionskurs fortgesetzt - und stiegen dabei kräftig aufs Gas. Allein heuer wurden Unternehmen und Beteiligungen in Mexiko, den USA und Indien "eingesackerlt“, die 2.600 neue Mitarbeiter und 350 Umsatz-Millionen in die Gruppe brachten. Damit stieg die Zahl der Zukäufe seit 2009 auf neun internationale Unternehmen.

Die vor wenigen Tagen vorgelegten Halbjahres-Zahlen spiegeln das wider: Der Umsatz stieg im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012 um 22 Prozent auf 803 Millionen Euro, das Betriebsergebnis (Ebit) legt um zwölf Prozent auf 61,8 Millionen Euro zu. Die Zahl der Mitarbeiter schnellte auf über 8.000 hinauf.

Prinzipiell steht einem Börsegang also nichts mehr im Wege. Ins Auge gefasst ist das Frühjahr 2014, vielleicht passiert er sogar noch heuer. Es wäre das erste nennenswerte IPO in Wien (außer der AMAG) seit der Strabag im Jahr 2007. Die Wiener Börse hofft inständig, diese lange Durststrecke endlich beenden zu können.

Mehr Umsatz, weniger Gewinn

Doch die Einkaufstour hinterlässt auch Bremsspuren in der Bilanz von Constantia Flexibles. Aufgrund der Integrationskosten für neue Beteiligungen sank der Nettogewinn im Halbjahr von 32 auf 21 Millionen Euro, die Nettoverschuldung schnellte um 65 Prozent auf über eine halbe Milliarde Euro hinauf. "Wir sind solide finanziert“, beruhigt Thomas Unger. Das sieht auch der Finanzmarkt so: Eine im Mai begebene Anleihe war dreifach überzeichnet und spülte 150 Millionen Euro in die Unternehmenskasse. Ebenfalls 150 Millionen Euro aus dem Verkauf der AMAG hatten die amerikanischen Haupteigentümer - die Turnauer-Privatstiftung ist weiterhin mit 25 Prozent beteiligt - bereits vorher als Akquisitionskapital in die Constantia gesteckt.

Unger: "Die nächsten Schritte werden wir in Südostasien setzen.“ Der Constantia-Boss ist ein Getriebener - von der Branche und von seinem Eigentümer. Denn dass One Equity Partner aussteigen will, daran lässt der Österreich-Statthalter Hanno Bästlein keinen Zweifel: "Wir helfen Unternehmen, sich zu entwickeln. Aber wir sind Partner auf Zeit.“ Als kritische Größe gilt ein Umsatz von zwei Milliarden Euro - ein Ziel, das Unger mit der weltweiten Einkaufstour zielstrebig verfolgt. Dass OEP bereits drei Banken mit konkreten Vorbereitungen für den Börsegang beauftragt hat - neben JP Morgan Chase auch Goldman Sachs und die Deutsche Bank - will Bästlein nicht kommentieren, aber: "Die erfolgreiche Platzierung von zwei Anleihen hat gezeigt, dass Constantia Flexibles kapitalmarktfähig ist.“

Preisrutsch

Doch auch die Verpackungsbranche zwingt zu Wachstum. "Die Preise gehen hinunter“, sagt ein Branchenkenner, "der Preisdruck ist enorm.“ Die Verpackungskosten eines Produktes liegen durchschnittlich bei fünf bis zehn Prozent der Herstellungskosten; kein Wunder, dass die Industrie da sparen möchte. Um den Umsatz zu halten, muss also mehr Menge abgesetzt werden. Zudem ist das Verpackungsgeschäft ein lokales. "Die Aufträge werden immer kurzfristiger“, erklärt Thomas Unger, "wenn man von einem anderen Kontinent aus erst per Schiff liefern muss, ist man sofort aus dem Geschäft. Wir ziehen daher mit unseren Kunden in neue Märkte.“

Eine wachsende Mittelschicht in Indien und China, die nicht mehr auf dem örtlichen Markt, sondern lieber - verpackte - Produkte im Supermarkt einkauft; der Trend zu kleineren Haushalten in Europa und Amerika, höhere hygienische Ansprüche bei Lebensmitteln, die zunehmende Bedeutung von Design - das sind die großen Treiber der Branche. "Wir haben gerade einen chinesischen Manager an Bord geholt, der den asiatischen Markt sehr gut kennt“, sagt Thomas Unger.

Auf das Verständnis seiner Finanzinvestoren kann Unger jedenfalls zählen. Denn auch für One Equity Partners wird ein neuer Eigentümer gesucht. Der Mutterkonzern JP Morgan Chase hat vor kurzem beschlossen, sich von der Investmentfirma zu trennen.

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