Brokerjet schrumpft: Handelsplattform "Market Access" wird einfach abgedreht

Brokerjet, der Onlinebroker der Erste Group, stellt mit Ende Februar seine Handelsplattform „Market Access“ ein. Über die Plattform konnten sogenannte CFDs (Contracts for Difference) – also Differenzkontrakte – gehandelt werden. Mit diesen Finanzvehikeln spekulieren vor allem Daytrader auf die Kursentwicklung von Indizes, Währungen oder Aktien. Außerdem wurden auch Devisenoptionen und Futures (Termingeschäfte) über die Plattform angeboten.

Brokerjet schrumpft: Handelsplattform "Market Access" wird einfach abgedreht

In dem Schreiben heißt es: „Die gegenwärtige Situation am Kapitalmarkt stellt neue Anforderungen an die Brokerjet Bank, denen wir nunmehr mit einer Veränderung betreffend unserem Market-Access-Geschäftsmodell Rechnung tragen.“

Ärgerlich ist das vor allem für Vieltrader. Denn in dem Schreiben werden sie aufgefordert alle Positionen bis 27. Februar „glatt“ zu stellen – also zu verkaufen. In dem Schreiben heißt es weiter, „wir möchten Sie darüber in Kenntnis setzen, dass der Handel bei Market Access per 28.02.2013 eingestellt wird und die Geschäftsbeziehung betreffend Market Access per 28.02.2013 gekündigt wird.“ Pech haben also all jene, die etwa Optionen gekauft haben, die erst nach diesem Termin auslaufen.

"Stimmt nicht", sagt Brokerjet-Vorstand Michel Vukusic: „Es gibt nämlich zwei verschiedene Briefe. Oben genannter ging an rund 700 inaktive Kunden. Das zweite Schreiben, in dem auch die Möglichkeit eines Wechsels zur dänischen Saxo Bank kostenlos angeboten wurde, erhielten die rund 300 aktiven Kunden. Selbstverständlich können aber auch nicht aktive Nutzer auf ein Depot bei der Saxo Bank umsteigen.“

Freilich stellt sich dann natürlich die Frage, wieso man inaktive Kunden überhaupt dazu auffordern muss, ihre Positionen zu schließen. Wie auch immer das Malheur passiert ist. Fakt ist jedenfalls, dass Banken ihre eigenen Interessen nicht über die der Kunden stellen dürfen. Manfred Ketzer, Bankenrechtsexperte bei Hausmaninger Kletter Rechtsanwälte, rät allen Kunden, die gegebenenfalls davon betroffen sind, die Geschäftsbedingungen genau durchzulesen, um zu prüfen, ob die Bedingungen, unter welchen die Kunden das Depot eröffnet haben, vorsehen, dass eine Beendigung der Geschäftstätigkeit – zu einem Zeitpunkt, wo noch offene Geschäfte, die nicht übertragbar sind bestehen – zulässig sind. Ketzer: „Sonst würde ich eine Interessensbeeinträchtigung der Kunden sehen und das wäre unzulässig und hätte Rechtsfolgen. Die Eigeninteressen des Unternehmens dürfen nicht über die des Kunden gestellt werden. Das ist ein Postulat, das im gesamten Bankwesen gilt.“

Marketing läuft weiter

Kurios ist auch die Tatsache, dass die Handelsplattform "Market Access" auf der Brokerjet-Homepage immer noch beworben wird: Mit dem Titel "Die ideale Plattform für CFDs, Währungen und Futures" . Selbst die Kontoeröffnungsformulare sind noch downloadbar und User werden zum kostenlosen Test für 20 Tage eingeladen.

Die Änderung betreffen nur Kunden von "Market Access". Für Depotinhaber bei Brokerjet bleibt alles beim Alten.