Andritz plagt sich auch im zweiten Quartal

Andritz plagt sich auch im zweiten Quartal

Bei einem Umsatzanstieg von 15,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro fiel der Konzerngewinn um 26,5 Prozent auf 42,8 Millionen Euro, wie Andritz am Mittwoch mitteilte. Dafür waren unter anderem hohe Abschreibungen im Zuge der Übernahme des deutschen Metallpressenherstellers Schuler verantwortlich.

Vor Abschreibungen (EBITDA) ging der Gewinn nur leicht auf 82,7 (Vorjahr: 83,1) Millionen Euro zurück. Neben den Abschreibungen litt das steirische Unternehmen im zweiten Quartal auch unter Verlusten im Segment Zellstoff und Papier. Aber auch Mehrkosten bei der Markteinführung einer neuen Produktserie in China würden auf dem Ergebnis lasten, hieß es.

Die Erwartungen der Analysten konnte Andritz nicht erreichen. Die Experten hatten im Schnitt mit einem Ebita von 86,1 Millionen Euro und einem Konzerngewinn von 51 Millionen Euro gerechnet. Für das Gesamtjahr bestätigte die Firma ihre Prognose. Bei einem Umsatzanstieg erwartet der Maschinenbauer einen deutlichen Ergebnisrückgang.

Andritz-Chef Wolfgang Leitner gab sich aber "angesichts des insgesamt sehr schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds" mit der Geschäftsentwicklung zufrieden. "Ich glaube, Andritz befindet sich auf dem richtigen Weg", so Leitner bei der Pressekonferenz zu den Halbjahreszahlen. "Für die gegebenen Unsicherheiten auf unseren Hauptmärkten sind wir zufrieden." Mit Zukunftsaussichten hielt sich der Andritz-Chef eher zurück, aber: "Es gibt keine Arbeitsplatzgarantie, wir müssen uns laufend an den Markt anpassen und dessen Entwicklung beobachten." Die Entwicklung in den BRIC-Staaten, vor allem Brasilien, ist aus Andritz-Sicht wenig zufriedenstellend. Europa werde "irgendwann auch wieder anspringen".

Durch den Zukauf von Schuler in Deutschland - laut Leitner performt die neue Tochter derzeit "überdurchschnittlich" - fielen die Andritz-Ergebnisse fast gleich aus wie im ersten Halbjahr 2012. Ohne Schuler allerdings, wäre das Ergebnis um 14 Prozent eingebrochen.

BRIC-Staaten: "Es gibt Unsicherheiten"

Zu den BRIC-Staaten, in denen Andritz vertreten ist, sagte Leitner, "es gibt Unsicherheiten". China wolle die Wirtschaft rasch in Richtung mehr Inlandsnachfrage umstellen. "Da ist Verunsicherung für einige Quartale möglich, auch wenn weiter Potenzial gegeben ist." Brasilien bereitet noch größere Sorgen: "Ein Wachstum zwischen einem und zwei Prozent ist nicht zufriedenstellend und unerfreulich", so Leitner. Die Nachfrage sei insgesamt gering - "wenn ein Angebot billiger wird, wird oft trotzdem nicht gebaut". Die Stimmung auf dem Markt sei "nicht eindeutig positiv". In Summe gingen die Unsicherheiten aber tendenziell nach unten und Chancen nach oben, beruhigte Leitner.

Schließlich habe Andritz aber immer schon im Projektgeschäft mit Fluktuationen gelebt, auch bei der Zahl der Mitarbeiter. Wo immer sich auf dem Markt Entwicklungschancen ergäben, stelle sich Andritz rasch um.

"Da könnte man ein Buch darüber schreiben", sagte Leitner auf die Frage, wann es mit der Wirtschaft in Europa und vor allem mit der Stahlbranche endlich wieder aufwärtsgehen werde. Eine deutliche Ergebnisverschlechterung im Andritz-Segment "Metals" sei aber nicht mehr zu erwarten, so Leitner. Beispielsweise sei der Automarkt durch die Abwrackprämie 2007/2008 "inflationiert" worden.

Im Papier-Segment kämpft Andritz mit einem "schwierigen Projekt" in Uruguay. Ergebnis und Marge sind daher in diesem Segment rückläufig. Es gebe aber Fortschritte bei diesem Joint-Venture, so Leitner. Es werde zwar keine dramatische Änderung bei der Vorgehensweise in diesem Projekt geben, "aber es wird auch nicht gleich weitergehen". Konkreter wurde Leitner nicht. Trotzdem sei das Unternehmen im "Pulp & Paper"- und "Separation"-Segment mit dem Ergebnis zufrieden. "Zurücklehnen gibt es aber nicht, wir arbeiten am Ergebnis, auch wenn wir im Verhältnis zum Wettbewerb in der schwierigen Marktsituation gut dastehen", so Leitner. Außerdem seien "Auftragsvergaben für zwei, drei Großprojekte auf der grünen Wiese gegen Ende 2014 oder im ersten Halbjahr 2014 zu erwarten". Auch hegte Leitner Hoffnungen, dass "die Chancen zur Verbesserung der Preisqualität 2014 steigen" könnten.

"Sehr niedrige Auftragseingänge", gab es im ersten Halbjahr laut Leitner in der Hydro-Sparte. Er gehe aber nicht davon aus, dass dieses schwache Niveau bestehen bleibe. Für das dritte und vierte Quartal erwartet der Andritz-Chef, dass man im Ergebnis wieder etwas über den aktuellen Werten liegen werde. Das "Programm" (Angebot, Anm.) in der Sparte habe man jedenfalls auch "nach ganz unten abgerundet", durch einen kleine Zukauf. Andritz kann damit vom Riesenprojekt bis zum Kleinkraftwerk Angebote legen.

Hydro-Sparte im Fokus

In der Hydro-Sparte ist Andritz auch beim umstrittenen Staudammprojekt in Belo Monte in Brasilien engagiert, gegen das es Widerstand gibt. In einer Arbeitsgemeinschaft, unter anderem mit Voith, liefern die Grazer Turbinen und Generatoren für das Megaprojekt. Die Lieferung "läuft normal weiter", so Leitner. Indigene Staudammgegner protestieren an Ort und Stelle. "Wir sind einfach Lieferanten", sagte der Andritz-Chef. Bei jedem Projekt auf der Welt - "auch bei der Schwarzen Sulm in der Steiermark" - gebe es Gegner. In Brasilien müsse es "trotz einer lauten, aber sehr sehr kleinen, Minderheit Rechtssicherheit geben". "Brasilien ist ein demokratisches Land und das Projekt ist genehmigt", sagte Leitner. Die Welt stehe nicht still, wenn Andritz nicht liefere - "auch wenn das schön wäre", so der Andritz-Chef.

Auch das Ilisu Wasserkraftwerksprojekt in der Türkei, wo Andritz tätig ist, ist teils umstritten. Dazu hob Leitner ein Lehrlingsprogramm an Ort und Stelle in Ostanatolien hervor. Jährlich finanziere Andritz dort die Ausbildung von 36 Lehrlingen - nach österreichischem Ausbildungskonzept; die Nachfrage übersteige die Plätze "zigfach".

Die Liquidität der Andritz-Gruppe sei erfreulich, sagte der Vorstandschef. Netto belaufe sich diese auf 800 Millionen Euro. Den Schuler-Kaufpreis habe man "faktisch aus dem laufenden Geschäft untergebracht". Für Schuler seien heuer Abschreibungen von rund 50 Millionen Euro geplant.

Durch die Schuler-Konsolidierung wird für das Gesamtjahr eine Umsatzsteigerung erwartet. Beim Konzern-Ergebnis wird allerdings eine "deutliche Ergebnisverschlechterung" erwartet - wegen der leidenden Pulp&Paper- sowie Separations-Sparte, sowie "planmäßiger Abschreibungen".

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