An der Wiener Börse gibt's Immobilien zum Diskontpreis

Wofür sollen sich Anleger entscheiden: für Wohnungen, die arbeitsintensiv sind, bei denen Instandhaltungskosten anfallen und die zum vollen Preis gekauft werden müssen, oder für Immo-Aktien, die mit einem Diskont zum echten Wert von rund 50 Prozent notieren und bei denen sich Profis um die Objekte kümmern?

An der Wiener Börse gibt's Immobilien zum Diskontpreis

Unter logischen Gesichtspunkten müsste eigentlich jeder Investor, der Inflationsschutz und Sicherheit im Hinterkopf hat, Immo-Aktien bevorzugen. Das ist allerdings bis dato nicht der Fall. „Der Grund, warum das nicht so ist, ist die globale weltwirtschaftliche Lage“, ärgert sich Eduard Zehetner, Boss der Immofinanz im Interview .

Abschlag oder Aufschlag

In Deutschland sind Anleger bereits vor längerer Zeit auf den Geschmack gekommen. So müssen Investoren, die Immo-Aktien der Deutsche Wohnen kaufen, bereits einen Aufschlag zum inneren Wert von rund 13 Prozent bezahlen. Alle drei im ATX vertretenen Immobilienaktien (conwert, Immofinanz und CA Immo) notieren dagegen noch mit sehr hohen Abschlägen. Immerhin schließt sich die Lücke bei der Immofinanz bereits. Bei conwert heißt es für Anleger noch: bitte warten (siehe Grafiken ).

Die Immofinanz könnte den Stein noch stärker ins Rollen bringen. Konzern-Chef Zehetner denkt über eine Abspaltung der Wohnungsgesellschaft Buwog nach, um den Gemischtwarenhandel im Portfolio der Immofinanz zu sortieren. Hintergrund: Viele Investoren, die Osteuropafonds managen, lassen Immofinanz-Aktien außen vor, weil sie mit dem Buwog-Portfolio nichts anfangen können – und umgekehrt.

Martin Rupp, Fondsmanager des Immo-Aktienfonds 3 Banken Immo-Strategie (ISIN AT0000A07HD9): „Aufgrund des starken Osteuropa-Engagements wird die Immofinanz von Analysten oft falsch eingeschätzt. Es wäre interessant, den Konzern in Wohn- und Gewerbeimmobilien aufzuteilen, um damit den Wert des Osteuropageschäfts, das derzeit vom Markt mit nahezu null Euro bewertet wird, zu heben.“ Laut Einschätzungen von Rupp wird es allerdings noch bis zu zwei Jahre dauern, bevor die Immofinanz die Buwog abspaltet. Wegen der niedrigen Rendite ist das Interesse an der Buwog überschaubar. Eine denkbare Lösung wäre der Zukauf eines deutschen Wohnungsportfolios. Rupp: „Dann könnte man die Buwog dort hineinfusionieren und so die Braut schmücken.“

Konzentrierter läuft das Geschäft der conwert ab, die hauptsächlich auf Wohnimmobilien in Österreich und Deutschland spezialisiert ist. Rupp: „conwert hat kürzlich ein Portfolio in Deutschland erworben, das eine hohe Rendite von acht Prozent pro Jahr abwirft. Jetzt geht es darum, dass der Konzern weiter Objekte verkauft.“

Laut der Bewertung von Rupp müssen Anleger, die auf conwert-Aktien setzen, derzeit nur für das Wohnungsportfolio zahlen. Wegen dem Abschlag zum inneren Wert ist der kleine Anteil der Gewerbeimmobilien, der einst von der Eco übernommen wurde, praktisch gratis dabei. Johannes Meran, Verwaltungsratsvorsitzender der conwert: „Ich gehe davon aus, dass wir im nächsten Jahr eine Stabilisierung der Märkte sehen werden und dann auch eine Rückbesinnung auf Substanz stattfindet. conwert-Aktien werden in den nächsten zwölf Monaten im zweistelligen Euro-Bereich liegen.“

Etwas schwieriger dürfte hingegen die Lage für CA-Immo-Aktionäre aussehen. Schließlich zählt die UniCredit Bank Austria zu den Hauptaktionären. Wenn sich die Bank aufgrund von Basel III vom Aktienpaket trennen will, könnte das den Kurs der CA-Immo belasten, wie viele internationale Investoren befürchten. Ein positiver Impuls wäre der Verkauf des Tower 185 in Frankfurt. Rupp: „Der Bürokomplex würde eine große Summe Eigenkapital frei machen, das dann für die Rekapitalisierung des Osteuropa-Portfolios herangezogen werden könnte. Das würde sicherlich auch dem Aktienkurs helfen.“