Ametsreiter: "Wir tanzen auf dünnem Eis"

Ametsreiter: "Wir tanzen auf dünnem Eis"

FORMAT: Beim Mobilfunk-Deal des Jahres scheint sich doch ein Happy End abzuzeichnen. Am 12. Dezember hat die EU grünes Licht für die Orange-Übernahme durch 3 gegeben. Ihr Sub-Deal mit Yesss! scheint ebenfalls am Weg. Trotzdem wollten die Gerüchte nie so recht verstummen, es wäre Ihnen nicht Unrecht, würde der Deal durch einen Rekurs doch gekippt …

Hannes Ametsreiter: Wir stehen unverändert zu unserem Vertrag. In Österreich mit seinem kleinen Markt und der schwierigen Topografie ist aus unserer Sicht nur Platz für drei Betreiber. Zum Vergleich: In den fast 50-mal größeren USA sind es fünf. Es ist schon erstaunlich, wie sich ein für europäische Verhältnisse kleiner Deal derart in die Länge ziehen kann.

Sie haben mit bob eine Diskontmarke. Was bringt Ihnen Yesss! außer einen guten Vertriebskanal über Hofer?

Ametsreiter: Wir haben die Möglichkeit, unser Netz weiter zu verdichten, weil wir Frequenzen erhalten. Die Yesss!-Kunden sind sehr stark Prepaid-lastig, also komplementär zur Postpaid-Klientel von bob. Das wäre eine gute Ergänzung und bringt uns letztlich auch fünf Prozentpunkte mehr Marktanteil.

Mobilfunker 3 wird mit der Erfüllung der EU-Auflagen neue Anbieter ins Netz holen. Wie viele Marken verträgt der Markt?

Ametsreiter: Wir haben schon so viel gesehen (seufzt). Es ist ein Kommen und Gehen. Tele2 hatte ein Mobilfunk-Angebot, das wir ihnen dann abgekauft haben. UPC hat auch schon einmal kooperiert, damals mit One. Die Dinge haben offensichtlich nicht funktioniert. Ob die Neuen erfolgreicher sein werden, wird man sehen. Neue Konkurrenz sehen wir entspannt. Wir bleiben klarer Marktführer mit über fünf Millionen Kunden und sind in der besten Position aller Anbieter.

Die wirtschaftliche Sinnfrage stellt sich angesichts der Marktlage dennoch …

Ametsreiter: Wir tanzen auf dünnem Eis, tarifmäßig. Es bleibt wenig Raum. Da ist jeder Betreiber extrem gefordert, hier innovativ zu sein und Qualität anzubieten.

Ihr Vorstandskollege vom Mitbewerber T-Mobile beschwerte sich unlängst, dass die Pauschaltarife den Markt kaputt gemacht hätten. Ist eine Trendumkehr, etwa mit den neuen Speed-Tarifen, möglich?

Ametsreiter: Wir haben die billigsten Tarife in Europa. In Wahrheit haben auch die, die sich darüber beschweren, sehr günstige Tarife. Mit seiner Kostenstruktur muss jeder selbst zurechtkommen. Wir machen aus unserer Firma jetzt eine "Communications Company“, wo wir alles anbieten - Breitband, Sprachtelefonie, aber auch Fernsehen und dazu Innovationen wie Machine2Machine-Kommunikation oder Cloud Computing.

Wo sollen die Umsätze künftig verstärkt herkommen? Der M2M-Bereich kann es ja wohl nicht sein.

Ametsreiter: M2M wird eine Nische bleiben, die aber stark wachsen wird. Ich kann den Umsatz hier nicht mit einem Telefonie-kunden vergleichen. Aber wir können damit unser Netz besser auslasten. Im Übrigen gehen wir wieder stark in Richtung Bündelangebote. Das funktioniert sehr gut. Wir haben nach 20 Jahren Umsatzverlust im Festnetz diese Negativspirale ins Positive drehen können.

Ist das Festnetz wieder "in“ im Mobilfunk-Land Österreich?

Ametsreiter: Es gibt viele, die uns in Österreich weiszumachen versuchen, dass allein die Mobilfunktechnik funktioniert. Völliger Unsinn. Wenn wir den Traffic, den wir über das Festnetz transportieren, auf das Mobilfunknetz umlegen müssten, würde dieses sofort in die Knie gehen. Wo bewegt man denn die Massen an Daten? Im Büro und zuhause!

Die EU will den Breitband-Ausbau vorantreiben, mobil wie erdgebunden. Ministerin Bures will mit 1. Jänner ein Breitband-Büro installieren. Was bringt das?

Ametsreiter: Eine bessere Koordination. Derzeit findet zwischen den Gemeinden keine gute Abstimmung statt über Grabungsarbeiten, die sowieso erfolgen und die man für Glasfaser nutzen könnte. Ein Koordinationsbüro ist der richtige Schritt.

Sie wollen im Smart-Meter-Geschäft, also bei intelligenten Stromzählern, mitmischen. Was versprechen Sie sich davon?

Ametsreiter: Beim Smart Metering werden jetzt die Karten verteilt. Für uns ist das eine gute Möglichkeit, mit dem "Kommunikationsteil“ einzusteigen. Die Energieversorger schreiben im ersten Halbjahr 2013 aus. Wir haben ein modulares System entwickelt, das die Verbrauchsdaten entweder über SIM-Karte oder Festnetz transportiert.

Mit den Alarmanlagen-Services haben Sie schon einmal in neuen Geschäftsfeldern operiert, es aber gelassen. Warum?

Ametsreiter: Weil der Deckungsbeitrag deutlich zu klein war.

Beim TV-Geschäft scheint er höher zu sein. Aber da droht auch neue Konkurrenz durch US-Konzerne wie Apple oder Google - zumindest beim Content …

Ametsreiter: Das wird spannend, keine Frage. Bisher waren die TV-Ansätze von Apple und Google ja eher halbherzig. Wir haben rund 220.000 TV-Kunden, und mit unserer neuen hybriden Settop-Box können wir jetzt die Österreicher umwerben, die TV über Satellit empfangen - immerhin 50 Prozent. Wir werden ordentlich wachsen.

Die großen Investitionen 2013 werden aber in die vierte Mobilfunk-Generation LTE fließen müssen. Wie viele Millionen haben Sie dafür reserviert?

Ametsreiter: Auf dem 2,6-GHz-Band versorgen wir heute schon 88 Prozent der Wiener Bevölkerung und 30 Prozent von Gesamt-Österreich. Nach der Auktion nächstes Jahr werden wir dann auch den ländlichen Raum gut versorgen können.

Bis zum Vollausbau wird es 2014 sein …

Ametsreiter: Korrekt.

Was haben Sie dafür budgetiert?

Ametsreiter: Wir werden im kommenden Jahr im Mobilfunk massiv investieren, im Festnetz ordentlich. Dafür erwarten wir uns aber investitionsfreundliche Rahmenbedingungen auch bei der Auktion. In Wirklichkeit sind wir Einzigen, die viel in die Infrastruktur investieren.

Da würde Ihnen die Konkurrenz aber gleich widersprechen. Die 3-Eigentümer haben auch massiv investiert.

Ametsreiter: Im Vergleich zu uns sind die anderen verhalten. Heuer haben wir 400 Millionen Euro investiert, das ist in etwa das Vierfache einer T-Mobile.

Wie ist das Weihnachtsgeschäft gelaufen?

Ametsreiter: Deutlich besser als im letzten Jahr. Wir verkaufen so viel wie schon lange nicht mehr, es ist das beste Weihnachtsgeschäft seit 2007.

Wie wichtig war das iPhone als Zugpferd?

Ametsreiter: Wir haben mehr als 50 Prozent unseres Umsatzes mit zwei Geräten bestritten: mit dem Galaxy S III und dem iPhone 5.

Wie lange möchten Sie Generaldirektor bleiben? Welche Projekte noch umsetzen?

Ametsreiter: Die Transformation und technische Umsetzung unserer "One click“-Vision würde ich gern begleiten. Wenn Sie für Ihren Haushalt eine Leitung bestellen, werden Sie die künftig direkt über die Website selbst freischalten können. Heute muss jemand von uns ausfahren. Unsere Marken sind auch ständig weiterzuentwickeln, auch bei den Töchtern. Es gibt genug zu tun.

Zur Person: Hannes Ametsreiter, 45, wurde 2009 Generaldirektor der Telekom Austria. 2010 wurden Festnetz- und Mobilfunk-Sparte unter A1 Telekom Austria fusioniert. Der Salzburger startete seine Karriere 1996 bei mobilkom austria, 2001 wurde er Vorstand für Marketing und Vertrieb der Mobilfunksparte, 2007 auch Marketingvorstand für das Festnetz. Mit América Móvil (gehört dem mexikanischen Milliardär Carlos Slim) gibt es seit Sommer 2012 einen neuen Partner im Konzern. Das Mandat von Ametsreiter läuft bis Ende 2013, über seinen Vertrag wird im Frühjahr entschieden.