Börse-Vorschau: Verschnaufen nach der EZB-Entscheidung

In der vergangenen Woche hat der Dax nach der EZB-Entscheidung Federn lassen müssen, für die kommende Woche ist nun eine Verschnaufpause angesagt. In Wien ist auf Grund des Feiertags eine ruhigere Woche zu erwarten.

Börse-Vorschau: Verschnaufen nach der EZB-Entscheidung

Die geplatzten Hoffnungen auf eine monatliche Aufstockung der Anleihenkäufe im Euro-Raum dürften den Dax auch in der neuen Woche belasten. Nach der aus Marktsicht eher enttäuschenden Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte am deutschen Aktienmarkt erst einmal eine Verschnaufpause anstehen, prognostizierte Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp. In der abgelaufenen Woche verlor der Dax bis Freitagmittag 4,8 Prozent auf 10.752 Punkte - seit Mitte Oktober war er um mehr als 15 Prozent in die Höhe geschossen. Der Atx verlor in der vergangenen Woche 1,03 Prozent auf 2448,52 Punkte.

Der heimische Leitindex Atx liegt seit Jahresbeginn über 13 Prozent im Plus.

EZB-Chef Mario Draghi hatte die Märkte am Donnerstag kräftig durchgerüttelt: Das Anleihenkaufprogramm zur Ankurbelung der Konjunktur soll zwar um sechs Monate bis mindestens März 2017 verlängert werden. Doch Investoren hatten mit umfassenderen Schritten - wie etwa einem höheren monatlichen Kaufvolumen - gerechnet. Der Dax rauschte daraufhin um 3,6 Prozent nach unten. "Der Markt hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass Zentralbanken nur noch Euphorie auslösen, wenn ihre Maßnahmen deutlich über den Erwartungen liegen. Fortgesetzte geldpolitische Expansion allein reicht nicht mehr aus", urteilten die Analysten der Metzler Bank.

DIE US-ZINSWENDE NAHT

Neben der EZB wird aber auch die amerikanische Notenbank Gesprächsthema Nummer eins unter den Anlegern bleiben. Unter Börsianern gilt als sicher, dass US-Notenbankchefin Janet Yellen Mitte Dezember erstmals seit fast zehn die Zinsen erhöht. Unklar ist allerdings wie schnell die Fed danach die geldpolitischen Zügel anzieht. Die Entscheidung hängt vor allem vom Wirtschaftswachstum und der Inflation ab. Aus diesem Grund warten Anleger gespannt auf den Freitag, wenn die US-Einzelhandelspreise und die Einzelhandelsumsätze veröffentlicht werden. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

Unterdessen verkürzt die Bank von England (BoE) Investoren die Wartezeit bis zur Fed-Sitzung. Am Donnerstag berät sie über die britische Geldpolitik. Eine Serie enttäuschender Konjunkturdaten dämpfte zuletzt die Spekulationen auf eine baldige Straffung der Geldpolitik.

FASST DIE CHINESISCHE KONJUNKTUR WIEDER TRITT?

Ihren Blick dürften die Investoren in der neuen Woche aber auch gen Osten richten. China veröffentlicht am Dienstag Zahlen zum Außenhandel und tags darauf Inflationsdaten. Börsianer erhoffen sich davon Hinweise, ob die Maßnahmen der Pekinger Regierung zur Unterstützung der heimischen Konjunktur greifen.

Spuren könnte das nicht nur am Aktienmarkt, sondern auch bei den Rohstoffen hinterlassen. Für Kupfer oder Rohöl ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der weltweit größte Abnehmer.

Feiertag in Österreich

In Österreich steht vor allem auf Grund des Feiertags am Dienstag eine eher ruhige Woche bevor. Am Fenstertag präsentierte das Wifo seinen Konjunkturbericht, am Mittwoch folgt die Wirtschaftsprognose der Nationalbank. Die Statistik Austria veröffentlicht die Arbeitsmarktstatistik für das 3. Quartal am Donnerstag.

Unternehmensseitig kommen am Mittwoch Jahreszahlen von Infineon, die EVN-Bilanz für 2014/2015 folgt am Donnerstag. In Kärnten entscheidet am Donnerstag der Landtag über seine Beteiligung an der Entschädigung von Heta-Gläubigern. Dafür stehen 1,2 Mrd. Euro im Raum.