Zweitgrößte Google-Übernahme in der Geschichte

Zweitgrößte Google-Übernahme in der Geschichte

Der Internet-Gigant schluckt für 3,2 Milliarden Dollar den weitgehend unbekannten Thermostat- und Feuermelder-Hersteller Nest Labs und holt sich damit auch ein angesehenes Designer-Team ins Haus.

Etwa jeder dritte Mitarbeiter des Start-Ups kommt von Apple - unter anderem Firmenchef Tony Fadell, der Erfinder des iPods. Innerhalb kürzester Zeit ist es Nest Labs gelungen, in dem immer stärker umkämpften Markt für Haustechnik Fuß zu fassen.

Weltweit konzentrieren sich Technologiekonzerne wie Samsung, Bosch Siemens Hausgeräte und Sony darauf, ihre Apparate miteinander zu vernetzen und damit noch mehr Kunden dauerhaft an sich zu binden. Dabei geht es längst nicht mehr nur um internetfähige Fernseher, sondern darum, dass Kühlschränke, Waschmaschinen und Herde miteinander kommunizieren und sich von unterwegs bedienen lassen. "Die Automatisierung von Haushalten ist eine der größten Geschäftsmöglichkeiten, wenn man vom allgegenwärtigen Internet redet, das alles verbinden wird", sagte Analyst Shyam Patil vom Investmenthaus Wedbush.

Bislang buhlen vor allem Elektrotechnik-Anbieter wie die ABB -Tochter Busch-Jaeger oder der US-Hersteller Belkin darum, Spülmaschinen und andere Geräte besser steuerbar zu machen. Allerdings drängen auch Telekommunikationstechnikfirmen wie Gigaset und die Hausgeräte-Hersteller selbst auf den Markt für sogenannte Heimautomatisierung. Der Trend zum "Smart Home" wird seit Jahren beschworen, der Durchbruch steht allerdings nach wie vor aus. Analystin Elizabeth Mead vom Marktforscher IHS geht davon aus, dass Google künftig zusammen mit Nest Labs eine wichtige Position einnehmen könnte: "Es ist nun leicht sich vorzustellen, dass Android-Apps bei der Haustechnik eine große Rolle spielen. Diese könnten eine treibende Kraft für die 'Smart Home'-Technologie sein, da Smartphones bereits jetzt Schlüsselgeräte bei der Vernetzung sind."

Google und Nest Labs sind bereits verbunden. Die Wagniskapital-Sparte des Großkonzerns agiert als Investor des 2010 gegründeten Start-Ups mit nur knapp 300 Mitarbeitern. Nest Labs, dessen Produkte bereits in 90 Ländern vertreten sind, soll als Marke erhalten bleiben. Der Konzern aus Palo Alto in Kalifornien wurde mit einem lernfähigen Heizungsregler groß, der automatisch die Temperatur einstellt und damit den Energieverbrauch regelt. Das Ziel von Nest Laps sei, ungeliebte, aber wichtige Hausgeräte neu zu erfinden, erklärte Google. Der Feuermelder ist beispielsweise mit einer angenehmen Frauenstimme ausgestattet und lässt sich mit Hand-Gestiken im Falle eines Fehlalarms wieder ausschalten.

Google holt sich ein Stück Apple ins Haus

Google zögerte in der Vergangenheit nie, sich auf neue Geschäftsfelder zu wagen und sorgte bereits mit Robotern und selbstfahrenden Autos für Schlagzeilen. Doch während der von Larry Page geführte Konzern mit seiner Suchmaschine jeden Konkurrenten alt aussehen lässt und das Handy-Betriebssystem Android längst Marktführer ist, fehlt es an physischen Produkten, die das Zeug zum Kultstatus haben. Da ist Apple Google weiterhin voraus.

Daran änderte zuletzt auch die 12,5 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Handy-Herstellers Motorola nichts. Motorola schafft es nicht in die schwarzen Zahlen und die Smartphones warten immer noch auf ihren Durchbruch. Die Produkte von Nest Labs böten Kunden eine Erfahrung, wie sie sonst nur von Apple ausgehe, sagte Technologie-Analyst Pat Moorhead. Das könne nun Google für sich beanspruchen.

Der letzte Ausflug von Google in die Haustechnik war allerdings nicht von Erfolg gekrönt. Für zwei Jahre bot der Konzern eine Software zur Beobachtung des Energieverbrauchs an, stieg dann aber wieder aus dem Markt aus.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge