Zündet die Börse London den Olympia-Turbo?

Zündet die Börse London den Olympia-Turbo?

Die olympischen Spiele werden der lahmen britischen Wirtschaft wohl kaum auf die Sprünge helfen - der Londoner Börse könnte sie dennoch zu einem Satz verhelfen.

So lehrt es zumindest die Geschichte: Die Aktienmärkte vergangener Gastgeberländer haben nach dem weltgrößten Sportereignis stets einen Sprint hingelegt. Anleger haben auch bereits ein Auge auf die Aktien von Unternehmen geworfen, die direkt von dem Großereignis profitieren - von Hotels über Werbeagenturen bis hin zu Einzelhändlern.

Einer Studie der Saxo Bank zufolge entwickelte sich der wichtigste Aktienindex der vergangenen fünf Austragungsländer im Jahr nach den Spielen im Schnitt um 16,4 Prozent besser als der globale MSCI -Index. "Aus historischer Sicht stehen die Chancen für den britischen Aktienmarkt sehr gut", resümiert Saxo-Bank-Analyst Mathieu Bolduc. Dies hänge vor allem mit der weltweiten Aufmerksamkeit zusammen, die dem Ausrichter zuteil werde. Von diesem Rampenlicht dürfte auch der wichtigste britische Index FTSE 100 profitieren.

Vor allem wegen der Schuldenkrise gilt der FTSE unter Anlegern bereits jetzt als attraktiv. Mit Investitionen auf der Insel bleiben sie den Unsicherheiten auf dem europäischen Festland fern. Zuletzt bezeichnete Societe Generale die Olympischen Spiele als zusätzlichen Grund, den Anteil von britischen Aktienwerten in seinem Multi-Asset-Portfolio auf den möglichen Maximalwert von zehn Prozent zu erhöhen.

Olympia benötigt Strom, Betten und Werbung

Mehrere britische Unternehmen schlagen zudem direkten Nutzen aus den Olympischen Spielen - einige Aktien werden deshalb von Finanzexperten gesondert zum Kauf empfohlen. Dazu gehört etwa der weltweit größte Anbieter für temporäre Stromversorgungen, Aggreko. Dieser hat bereits einen Auftrag im Wert von rund 50 Millionen Pfund für die Spiele, die am 27. Juli beginnen.

Auch die Hotelkette Intercontinental profitiert von Tausenden Sportlern und Zuschauern, die für rund zwei Wochen im Sommer London zusätzlich bevölkern werden. Allein 15.000 Teilnehmer kommen im von Intercontinental betriebenen Athletendorf unter. Viele Zuschauer werden in den Hotels des Konzerns absteigen. Auch die weltgrößte Werbeagentur WPP steht im Mittelpunkt des sportlichen Jahreshöhepunkts. Viele Firmen - vor allem aus dem Einzelhandel - warten nur auf die Olympischen Spiele, um ihre Werbeausgaben richtig in die Höhe zu treiben und die Kunden zum Kauf neuer Fernseher, Getränke oder Bekleidung zu animieren. "Wir denken, dass insbesondere Marks & Spencer, Next und Sainsbury's profitieren", schreiben die Analysten von Espirito Santo.

Das Marktforschungsinstitut Kantar prognostiziert für die Zeit der Spiele einen deutlichen Anstieg der Lebensmittel-Verkäufe. Allein bei den Feiern zum Thronjubiläum der Queen gaben die Briten zusätzlich 213 Millionen Pfund aus. Andere Einzelhändler geben sich skeptischer - so ist sich die Kaufhauskette Debenhams immer noch "unsicher", wie sich die Spiele auswirken werden. Auch die RBS-Analysten machen einige Unwägbarkeiten aus: "Man kann nicht zur gleichen Zeit auf dem Sofa vor dem Fernseher sitzen und in der Einkaufsmeile sein."

Capital Economics rechnet durch die Olympischen Spiele mit einer Ankurbelung der britischen Wirtschaft um 0,1 Prozentpunkte - Dieser mikroskopische Boom wird dem Inselstaat noch lange nicht aus seiner Rezession helfen. Das Bruttoinlandsprodukt war in den beiden zurückliegenden Quartalen um jeweils 0,3 Prozent geschrumpft. Für das zu Ende gehende Frühjahrsquartal wird mit einem erneuten Rückgang gerechnet. Laut Ökonom Samuel Tombs von Capital Economics wird letztlich entscheidend sein, ob das Vertrauen der Verbraucher neuen Schwung bekommt - vielleicht können die Spiele ja zumindest hierzu beitragen, wenn viele Briten auf dem Siegertreppchen stehen.

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