"Zins-Manipulation ist als würde man Falschgeld drucken, Herr Fitschen"

"Zins-Manipulation ist als würde man Falschgeld drucken, Herr Fitschen"

Die Bilanz von Anshu Jain und Jürgen Fitschen falle "leider noch durchwachsen aus", sagte der Vizechef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding, am Donnerstag in Frankfurt am Main auf der Aktionärshauptversammlung. Besonders die Verwicklung von Deutsche Bank-Beschäftigten in die Manipulation internationaler Zinssätze sei "geradezu unsäglich" gewesen.

Die Manipulation von Zinssätzen sei "genauso, als wenn man Falschgeld drucken und unter die Leute bringen würde, Herr Fitschen", sagte Nieding. Mit der Beteiligung an Zinsmanipulationen begehe eine Bank den "größten Vertrauensbruch", der für ein Finanzinstitut vorstellbar sei.

Derzeit laufen Untersuchungen von Finanzaufsichtsbehörden wegen der Beteiligung der Deutschen Bank an der Manipulation am sogenannten Libor-Satz, einem Zinssatz, zu dem sich Banken am Finanzstandort London Geld untereinander leihen. Der Libor dient auch als Referenzsatz für die Verzinsung von Anlageprodukten.

Auch an Co-Konzernchef Jain, den früheren Leiter des Investmentbankings der Deutschen Bank, richtete der Anlegerschützer massive Kritik. Die schlechten Schlagzeilen über den Konzern in den vergangenen Monaten seien "natürlich auch Geschäften zu verdanken, die auch unter Ihrer Leitung im Geschäftsbereich Investmentbanking getätigt wurden", sagte Nieding an Jain gerichtet. Um den angekündigten ethischen Kulturwandel in der Bank umzusetzen sei "deutlich mehr" nötig "als entsprechende Ankündigungen Ihrerseits oder der gelegentliche Besuch einer Postbank-Filiale", sagte Nieding.

Die Deutsche Bank hatte die Postbank vor einigen Jahren übernommen. Durch ihre Stärke im Geschäft mit Privatkunden gilt die Postbank als Inbegriff von Solidität im Bankwesen.

Auch Investorenberater Hans-Christoph Hirt von der britischen Fondsmanagement-Gesellschaft Hermes kritisierte die neue Konzernführung für die seiner Ansicht nach schleppende Umsetzung des Kulturwandels im Konzern. Seit Verkündung des Kulturwandels im Sommer vergangenen Jahres durch Fitschen und Jain wären "noch mehr Fortschritte möglich gewesen", kritisierte Hirt. Die Deutsche Bank müsse sich künftig "noch stärker" um dieses Thema kümmern.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge