Wissenschaftsverlag Springer Science will an die Börse

Wissenschaftsverlag Springer Science will an die Börse

Der deutsche Wissenschaftsverlag Springer Science+Business Media will als nächster milliardenschwerer Konzern den Sprung an die Börse wagen.

"In wenigen Monaten könnte es so weit sein", sagte Firmenchef Derk Haank der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" laut einer Vorabmeldung vom Samstag. "Wir sind bereit. Wir könnten sofort loslegen." Die Investmentbanken für den Börsengang seien bereits ausgewählt: die US-Institute Goldman Sachs und JP Morgan. Haank verspricht Investoren eine Wachstumsstory: "Die Aussichten sind so gut wie nie. Umsatz wie Gewinn steigen um fünf bis sieben Prozent pro Jahr."

Der Zeitung zufolge wird Springer Science am Markt auf drei bis vier Milliarden Euro taxiert. Die Finanzinvestoren EQT und GIC hatten das aus Berlin operierende und in Luxemburg ansässige Unternehmen 2009 für 2,3 Milliarden Euro gekauft. Reuters hatte bereits Anfang Oktober aus Bankenkreisen erfahren, dass die Eigner das Investment nun wieder zu Geld machen wollen. Interesse an einem Einstieg hatte im April der Medienkonzern Bertelsmann bekundet, der sich erst 2003 von dem Vorgängerunternehmen BertelsmannSpringer getrennt hatte. "Mit mir hat niemand gesprochen", sagte Haank dazu der Zeitung nur. Bertelsmann-Chef Thomas Raabe sitzt im Springer-Aufsichtsgremium. Der Wissenschaftsverlag mit weltweit rund 6000 Mitarbeitern ist trotz der Namensgleichheit nicht mit dem bekannteren Medienkonzern Axel Springer verbunden.

Zum angestrebten Börsenplatz äußerte sich der Springer-Chef in dem Zeitungsbericht nicht explizit. In Deutschland ist das auf bis zu 7,3 Milliarden Euro taxierte Mobilfunkunternehmen O2 im Begriff, den ersten milliardenschweren Börsengang seit fünf Jahren abzuschließen. Mit der Platzierung von 23 Prozent der O2-Anteile könnte der spanische Mutterkonzern Telefonica bis zu 1,68 Milliarden Euro erlösen. Zuletzt hatte der mit 4,6 Milliarden Euro bewertete Versicherer Talanx erstmals Aktien an die Börse gebracht und 517 Millionen Euro eingenommen.

Wachsendes Geschäft

Seit der Übernahme durch EQT und GIC hat Springer Science seinen Umsatz kontinuierlich gesteigert. Im vergangenen Jahr legten die Erlöse nach Firmenangaben um 2,4 Prozent auf 875 Millionen Euro zu. Das Betriebsergebnis (Ebitda) stieg - bereinigt um Verkäufe und Währungseffekte - um sieben Prozent auf 313 Millionen Euro. Im laufenden Jahr soll der Umsatz der Zeitung zufolge bei einer Milliarde Euro liegen, das Ebitda um die 350 Millionen Euro.

Für Springer Science spielen elektronische Medien bereits eine weitaus größere Rolle als gedruckte Produkte, wie Haank der Zeitung sagte. "Wir gehen komplett auf 'e', der Großteil unserer Kunden verzichtet heute vollständig auf Papier." 2000 Zeitschriften hat Springer Science im Angebot, 7000 neue Buchtitel kommen jedes Jahr dazu. "70 Prozent davon haben keine erste Auflage mehr, sie werden nur nach Bedarf gedruckt." Ein Lager habe der Konzern nicht mehr. Papier bekomme der Kunde nur, wenn er das ausdrücklich wolle, "und dann zahlt er dafür extra". Schwerpunkte des Verlags sind Publikationen für Ärzte und andere Fachleute aus dem Gesundheitswesen sowie für Experten der Automobil- und Transportbranche. Zum Konzern gehört auch der Wirtschaftsinformationsdienst Platow.

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