"Wir sind weit, sehr weit von einer langfristigen Vision entfernt"

"Wir sind weit, sehr weit von einer langfristigen Vision entfernt"

Es wurde etwas Zeit gewonnen, ein Auseinanderfallen der Eurozone zu verhindern, auch wenn es noch ein weiter Weg zu stabilen Verhältnissen sei, sagte der Volkswirt und ehemalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kenneth Rogoff.

Auf dem Gipfel hatten die Mitgliedsländer neben direkten Bankenhilfen aus den Rettungstöpfen der EU auch den Aufkauf von Staatsanleihen Not leidender Mitgliedsstaaten beschlossen. Zugleich legten sie Grundzüge einer Bankenunion fest.

Der neue griechische Premierminister Antonis Samaras nutzte die Gelegenheit, um Lockerungen bei den Bedingungen für die gewährten 240 Mrd. Euro Finanzhilfe internationaler Gläubiger zu erbitten. Rogoff vermutet, dass das Land weiterhin Schwierigkeiten haben werde, die Sparziele zu erfüllen. Ein Zahlungsausfall sei nach wie vor wahrscheinlich, sagte Rogoff in einem "Interview mit Bloomberg Television"

Mit ihren Maßnahmen versuchen die Eurozonen-Länder, eine Ausweitung der Staatsschuldenkrise zu verhindern. Bislang schlüpften die hoch verschuldeten Länder Griechenland, Irland, Portugal und zuletzt Zypern unter den Rettungsschirm der EU. Spanien hat für seine Banken Hilfen von bis zu 100 Mrd. Euro beantragt. Zugleich sollen Maßnahmen wie ein 120 Mrd. Euro umfassendes Konjunkturprogramm die Folgen der abkühlenden Weltwirtschaft mildern. Trotz “immer radikalerer” Maßnahmen vermisst Rogoff jedoch die längerfristige Perspektive. “Wir sind weit, sehr weit von einer langfristigen Vision entfernt”, sagte er. Bis zu einer Stabilisierung der Verhältnisse sei es noch ein weiter Weg.

Verlangsamung in USA und China

Bessere Noten bekommt die US-Konjunktur von dem Lehrstuhlinhaber an der Harvard Universität in Cambridge im Bundesstaat Massachusetts. Während sich das US- Wirtschaftswachstum “etwas verlangsame”, wäre es verfrüht von einer Rückkehr in die Rezession zu reden. “Natürlich ist das keine Wirtschaft mit galoppierendem Wachstum, die jeden Monat die benötigten 300.000 oder 400.000 neue Jobs schafft, mit denen wir uns freischaufeln könnten”, sagte er.

Probleme mit dem verlangsamten Wirtschaftswachstum attestiert Rogoff auch der Volksrepublik China. Das Land mache einen “schwierigen politischen Wechsel” durch, der den Umgang mit seinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten erschwere, sagte er: “Ich rechne irgendwann in den nächsten paar Jahren mit einer deutlichen Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums. Der Umgang damit könnte sich als schwierig erweisen, besonders für eine Welt, die damit nicht rechnet.”

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