"Wir haben es selbst in der Hand"

"Wir haben es selbst in der Hand"

"Die Zeiten sind nicht leicht, aber wir haben es selbst in der Hand, den eingeschlagenen guten Weg konsequent fortzusetzen", sagte Vorstandschef Martin Winterkorn am Mittwoch zur Präsentation der Zahlen.

Trotz wachsenden Gegenwinds erwartet das Zwölf-Marken-Imperium, in diesem Jahr mehr Fahrzeuge als im Vorjahr zu verkaufen und den Umsatz zu steigern. Beim Betriebsgewinn legt VW wegen hoher Investitionen und Zukäufe eine Verschnaufpause ein: Wie im Vorjahr soll das operative Ergebnis 11,3 Mrd. Euro erreichen.

Im Zeitraum Juli bis September sackte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wegen der Absatzkrise und hoher Investitionen in neue Technik und Modelle wie den Golf in siebter Generation um knapp ein Fünftel auf 2,3 Mrd. Euro ab. Dabei schlugen zudem Abschreibungen auf den Kaufpreis für MAN und das Porsche-Sportwagengeschäft zu Buche. Mit einem operativen Gewinn in etwa dieser Höhe hatten Analysten gerechnet.

An der Börse kam die Zwischenbilanz gut an: die VW-Aktie legte nach Bekanntgabe der Quartalszahlen mehr als drei Prozent zu und war zweitgrößter Gewinner im Leitindex Dax. In der Krise der Automobilindustrie halte VW sich noch gut, sagte ein Börsianer. Auch die Prognosebestätigung helfe den Aktien auf die Sprünge.

Dickes Polster

Die Barmittel sanken nach der vollständigen Übernahme von Porsche, dem Kauf des italienischen Motorradbauers Ducati und der Anteilsaufstockung bei MAN auf 9,2 Mrd. Euro, womit VW immer noch über vergleichsweise dickes Polster verfügt. Zu Jahresanfang hatte VW noch 17 Mrd. Euro in der Kasse. "Wir sind weltweit breit aufgestellt und finanziell solide wie kaum ein Zweiter", sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch.

Den Konzernumsatz steigerte Volkswagen im dritten Quartal um 27 Prozent auf rund 49 Mrd. Euro. Rund um den Globus lieferte die Gruppe 2,3 Millionen Fahrzeuge aus, 13 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Die Wolfsburger profitieren davon, dass ihre Fahrzeuge vor allem in Nordamerika, Osteuropa, Asien und Deutschland gefragt sind. In China, dem größten Markt des Konzerns, ebbte der Pkw-Boom zuletzt zwar ab, dennoch wuchs Volkswagen dort seit Jahresbeginn um 18,5 Prozent. Der auf VW entfallende Anteil am Betriebsgewinn der beiden Gemeinschaftsunternehmen in der Volksrepublik schwoll um mehr als die Hälfte auf 2,8 Mrd. Euro an. Dank seiner Stärke in Übersee kann der Konzern den Rückgang in Europa abfedern, wogegen seine direkten Konkurrenten von Fiat und Ford bis zu Opel und Peugeot von der Absatzkrise voll erfasst sind.

Marktmacht in Europa

Das nutzt Volkswagen, um seine Marktmacht auf dem Heimatkontinent auszuspielen: Der Absatz der VW-Gruppe verringerte sich der europäischen Zulassungsstatistik zufolge im September in der EU binnen Jahresfrist mit acht Prozent weniger stark als bei vielen direkten Konkurrenten. Günstige Finanzierungen, mit denen die Autobauer auf die Krise in Europa reagieren, kann sich VW dank seiner starken Finanzsparte leichter leisten als Verluste schreibende Rivalen wie Peugeot, dessen Finanzarm auf Staatshilfe angewiesen ist.

Ganz abkoppeln von den Auswirkungen der Schuldenkrise kann sich Europas Marktführer, der Toyota spätestens 2018 vom weltweiten Thron stoßen will, aber nicht: Der zu Volkswagen gehörende schwedische Last-Bauer Scania verbuchte in den ersten neun Monaten einen operativen Gewinnrückgang um mehr als ein Drittel. Auch bei MAN schmilzt der Gewinn. Dagegen berappelte sich die spanische Tochter Seat etwas. Deren Betriebsverlust verringerte sich leicht.

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