"Wir sind jetzt in der Endspiel-Phase"

"Wir sind jetzt in der Endspiel-Phase"

"Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist ein sehr wahrscheinliches Szenario", sagte der Chef-Anlagestratege (CIO) der Vermögensverwaltungssparte DB Advisors, Georg Schuh, am Dienstag auf einer Konferenz in Frankfurt.

Seine Abteilung verwaltet für institutionelle Kunden weltweit rund 175 Milliarden Euro - und vermisst überzeugende Antworten der Politik in der Schuldenkrise. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe zwar "noch ein paar Schüsse" an Notmaßnahmen frei, betonte Schuh. Doch dieses Durchwursteln überzeuge die Investoren nicht mehr. "Der Kapitalmarkt hat ein Auseinanderbrechen bereits eingepreist. Die Investoren sind da viel weiter als die Politik", mahnte er. "Ich glaube, wir sind jetzt in der Endspiel-Phase."

Bei der mit Spannung erwarteten Parlamentswahl am Sonntag hatten die Griechen zwar die pro-europäische konservative Partei Neue Demokratie zur stärksten Kraft gewählt. Doch auch diese will die strengen Sparauflagen der internationalen Partner nachverhandeln. An den Finanzmärkten verpuffte die Erleichterung über das Wahlergebnis daher schnell.

Auch DB Advisors macht sich nach den Worten von Schuh keine Illusionen, dass Griechenland schnell wieder auf die Beine kommt. Es sei deshalb durchaus vorstellbar, dass das Land den Euro noch in diesem Jahr verlasse. "Je eher, desto besser", sagte Schuh, der schon vor einem Jahr vor einem Flächenbrand in Euro-Land gewarnt hatte. Für den Euro könne der "Grexit" auch eine Chance sein - nämlich dann, wenn er nicht als "starre Währung" verstanden werde, sondern als "organisches Konstrukt", das sich über die Jahre verändere. So könnten einzelne Länder wie Griechenland ausscheiden, andere wie Polen dafür hinzukommen. "Die Situation ist im Moment so dramatisch, man muss es auf einen Versuch ankommen lassen." Es sei wichtig, weitere Ansteckungseffekte zu verhindern, damit das Anlegervertrauen zumindest wieder in Spanien und Italien zurückkehre.

Kapitalflucht

Nicht nur Profi-Investoren aus den USA und Asien haben ihr Engagement in den Euro-Krisenstaaten in den vergangenen Monaten kontinuierlich reduziert. Auch große europäische Vermögensverwalter geben keinen Vertrauensvorschuss mehr. Das könnten sie schon deshalb nicht, weil bei vielen Kunden - gerade bei den Kleinanlegern - inzwischen Sicherheit vor Rendite gehe, erklärte Tobias Pross, Sprecher der Geschäftsführung von Allianz Global Investors. Staatsanleihen der südeuropäischen Krisenländer kämen da kaum mehr infrage. "Da ist noch lange keine Ruhe im System." Für die Asset Manager bedeute das aber auch: "Die Auswahl bei der Geldanlage wird von Jahr zu Jahr geringer."

Die Vermögensverwaltungstochter der Münchener Rück, die Meag, tüftelt schon länger an Strategien, um im Anleihebereich mit möglichst wenig Blessuren durch die Finanzmarktturbulenzen zu kommen, wie Experte Reiner Back berichtete. "Aber wenn es einen Bärenmarkt gibt, dann kann man ihm eigentlich nicht entkommen." Am Ende gelte oft die alte Weisheit: "Die beste Absicherung ist: Verkaufen." Back glaubt, dass der Euro erhalten bleibt. In vielen Gesprächen mit Kunden in den vergangenen Wochen habe er aber auch feststellen müssen: "Da bin ich in einer Außenseiterposition."

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