"Wir haben zum Beispiel Andritz im Portfolio"

"Wir haben zum Beispiel Andritz im Portfolio"

FORMAT: Zweifel an der Währungsunion und trübe Konjunkturaussichten: Warum sollen Anleger in europäische Aktien investieren?

Andrew King: Die Stärken europäischer Unternehmen werden gerne übersehen: International führend, beherrschen europäische Unternehmen die Kunst, außerhalb ihres Kontinents zu wachsen. Etwa 50 % der Umsätze europäischer Large Caps entstehen außerhalb Europas, vor allem in den Emerging Markets. Wer in Europa investiert, partizipiert also nicht nur am europäischen, sondern auch am weltweiten Wachstum. Wir haben zum Beispiel Andritz im Portfolio, das nur einen sehr geringen Anteil des Umsatzes in Österreich erzielt.

Wie finden Sie Ihre erfolgreichen Europäer?

King: Unser Ansatz untersucht genau die Branchen, in denen sich die Unternehmen bewegen. Interessant sind die Branchen, die stark fragmentiert sind. Dies ermöglicht den Unternehmen eine gute Position und die Macht, attraktive Preise durchzusetzen. Ein Beispiel ist Spanien: Amadeus, ein IT-Unternehmen, das Buchungssoftware für die Tourismusbranche anbietet. Wenn man etwa über Expedia eine Reise bucht, dann verwendet man das System von Amadeus. Es gibt weltweit nur drei Unternehmen, die das anbieten. Amadeus ist also ein globales Unternehmen, das nun einmal in Spanien den Sitz hat. Genau wie Grifols, ein spanisches multinationales Pharma- und Chemieunternehmen. Grifols ist einer der weltweit größten Hersteller von Blutplasma-Derivaten. Und dann wären da noch die beiden spanischen Banken BBVA (Banco Bilbao) und Santander. Lediglich ein Viertel ihrer Profitabilität kommt aus Spanien. Der Rest etwa aus Lateinamerika und Mexiko.

Welche Titel sind Ihre größten Engagements?

King: Experian, ein Anbieter von Infos zur Kreditwürdigkeit. Andritz - gut, die Österreicher sind nicht mehr so attraktiv gepreist, aber sie gehören einfach in ein diversifiziertes Portfolio. Und der Bankensektor - das ist der Ort, wo die Performance der Aktien in den nächsten drei Jahren herkommen wird. Alles in allem kann man sagen: Wir mögen Aktien, die die Masse nicht mag. Dazu gehören auch Bierbrauer, genau wie bei den spanischen Banken auch wegen der Konsolidierung.

Trotzdem überraschend, dass Sie Banken im Portfolio haben.

King: BBVA und Santander sind sehr günstig. Sie mögen als Ganzes vielleicht nicht so günstig wirken, aber sieht man sich ihre lateinamerikanischen Assets im Vergleich mit anderen lateinamerikanischen Banken-Assets an - dann sieht man, was die Bewertung impliziert. Nach meiner Einschätzung werden sich Aktien als gutes Investment erweisen, wenn die Stimmung schlecht ist, die Gewinne unter Druck sind und die Bewertung niedrig.

Welche Alternativen gibt es für Anleger, die Aktien meiden wollen.

King: Es gibt keine. Zumindest keine, die attraktiv wären. Deutsche Anleihen werfen keine Rendite ab, Cash sowieso nicht. Bei Aktien stehen die Chancen auf eine Dividendenrendite von vier Prozent und eine Gewinnrendite von zehn Prozent nicht schlecht. Die europäischen Unternehmen sind nach wie vor profitabel, und die deutschen sogar sehr. Wenn wir uns von politischen Ereignissen und Konjunktursorgen nicht den Blick versperren lassen, sind europäische Aktien eine überzeugende Assetklasse.

Zur Person
Andrew King ist Leiter der Abteilung für europäische Aktien bei BNP Paribas Investment Partners. Er verfügt über eine mehr als 25-jährige Erfahrung im Bereich Aktieninvestments. King managt das für europäische Aktien zuständige zwanzigköpfige Investment Center mit Sitz in London, Amsterdam und Paris, das zurzeit ein Vermögen von 14 Milliarden Euro verwaltet.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge