Will Facebook die Bank der Zukunft sein?

Will Facebook die Bank der Zukunft sein?

Die Amerikaner haben zuletzt den CEO von PayPal abgeworben, eine Banklizenz in Irland beantragt und Gespräche mit relevanten Start-ups geführt. Das nährt Gerüchte um eine neue strategische Ausrichtung.

Als weltweit größtes Online-Netzwerk hat Facebook bereits die Kommunikation von über eine Milliarde Menschen fest im Griff – inklusive geteilter Fotos und Daten zu Vorlieben bei Filmen, Musik und etlichen Hobbys. Das schuf in vielerlei Hinsicht einen gläsernen Menschen, zumindest aber Informationen zu den Finanzen blieben Sache der Banken und Kreditkartenanbieter – bis jetzt.

Denn es mehren sich die Anzeichen, dass Facebooks CEO Mark Zuckerberg ins Bankgeschäft drängen möchte. Gerüchte dazu wurden zuletzt dadurch genährt, dass Facebook den Chef des Online-Bezahldienstes PayPal, David Marcus, abwarb. Beim neuen Arbeitgeber soll er für Messenger-Dienste zuständig sein. Marcus könnte diese künftig so erweitern, dass Facebook-Nutzer darüber auch Konzertickets kaufen oder einen Tisch im Restaurant reservieren können, wie Analyst Brian Blau von der Beratungsfirma Gartner sagt: „Angesichts seiner Expertise in den Bereichen E-commerce und Zahlungsverkehr ist es naheliegend, dass er viele dieser Dinge bei Facebook einführen wird.“

Bisher macht Facebook den Löwenanteil seines Umsatzes mit Werbung. Einem Bericht der „Irish Times“ zufolge gingen im Jahr 2013 aber bereits 2,1 Milliarden Dollar an Finanztransaktionen über Facebook; der Großteil davon kam dadurch zustande, dass Nutzer in Spielen wie „Farmville“ für Zusatzinhalte bezahlen, Facebook behält sich ein Drittel des bezahlten Betrags als eine Art Vermittlungsgebühr. Doch damit soll nicht Schluss sein.

Die digitale Bank

Denn Ende Mai beantragte Facebook in Irland eine Lizenz für Finanzdienstleistungen mit digitalem Geld – das weckt vorerst Erinnerungen an die heiß diskutierte E-Währung namens „Bitcoin“, allerdings könnte Facebook damit auch einen Angriff auf Mitbewerber wie Google wagen. Denn auch der Internetreise mit den bunten Buchstaben im Logo hält eine Lizenz für elektronisches Geld in Europa, mit dem Produkt „Google Wallet“ sollen elektronische Überweisungen und Bezahlen mit dem Smartphone möglich sein.

Ferner hat Facebook der „Irish Times“ zufolge Kooperationsgespräche mit britischen Start-ups geführt, die sich auf internationale Überweisungen konzentrieren; selbige hören auf die Namen TransferWise, Moni Technologies und Azimo – bei letztgenanntem soll Facebook Insidern zufolge 10 Millionen Dollar für das Abwerben des Firmengründers angeboten haben.

So könnte es also sein, dass die beiden Internetriesen Facebook und Google künftig darum buhlen, die Finanzen der Europäer zu managen. Unwahrscheinlich ist dies allerdings allein deshalb, weil mobile und digitale Bezahldienste in Europa in den vergangenen Jahren nicht abheben konnten, ein Großteil der Kunden zahlt in Österreichs Supermärkten in bar. Mitteleuropa, das historisch gewachsen stets Datenschutzbedenken hegt, bietet hier wenig Wachstumspotenzial. Doch vielleicht blicken die Konzerne aus Silicon Valley auch in eine ganz andere Richtung.

Innovatives Kenia

Denn die meisten Nutzer hat Facebook nicht in den europäischen Staaten, sondern in den Schwellenländern: Mit 100 Millionen Nutzern ist Indien für das Social Network der zweitgrößte Markt nach den USA, gefolgt von Brasilien, Indonesien und Mexiko.

Wenn Facebook in diesen Ländern auch digitale Bankgeschäfte anbieten möchte, dann trifft das Unternehmen auf große Nachfrage – das zeigt das Konzept von „M-Pesa“: Die vom kenianischen Anbieter Safaricom in Kooperation mit Vodafone entwickelte digitale Währung ermöglicht Transaktionen über Mobiltelefone und ist ein echter Hit; im Jahr 2011 stieg die Zahl der Nutzer laut Wikipedia auf 1,6 Millionen Nutzer, das Konzept wird inzwischen auch in anderen Ländern umgesetzt. Die starke Akzeptanz, vor allem in afrikanischen Ländern, macht M-Pesa zum globalen Marktführer. Somit gibt ausnahmsweise hier nicht das erfolgsverwöhnte Silicon Valley den Ton an – sondern das afrikanische Nairobi.

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