Weshalb Fußball und Börse so selten ein Erfolgsteam sind

Weshalb Fußball und Börse so selten ein Erfolgsteam sind

IPO von Manchester United wärmt die Frage nach der Börsetauglichkeit des Fußballgeschäfts wieder auf – die Rapid-Aktie sollte da Abschreckungspotenzial haben.

Eine „absolute Sammler-Rarität“ und ein „Muss für jeden Rapid-Fan“ soll es angeblich sein, was ein Niederösterreicher im Moment auf willhaben.at anbietet: Es handelt sich um eine „original Rapid Wien-Aktie“ aus dem Jahr 1991. Der Kaufpreis kann mit den großen Worten nicht ganz mithalten: 50 Euro. Auf dem Papier selbst steht immerhin „Eintausend Schilling“, doch an der Börse ist Rapid natürlich längst kein Thema mehr – Sammler allerdings hätten eine „enorme Wertsteigerung“ zu erwarten.

Eine solche enorme Wertsteigerung wird auch von einer anderen Aktie erwartet, allerdings nicht nur bei Liebhabern: Manchester United geht im Herbst in New York an die Börse – format.at berichtete .100 Millionen Dollar will der englische Traditionsklub durch das IPO erlösen; ein genauer Zeitpunkt steht noch nicht fest. Eigentlich war ein Börsegang in Singapur oder Hongkong geplant gewesen, doch die Familie Glazer, Eigentümer des Klubs, hat sich nun doch für ihre Heimat entschieden.

Schlechtes Vorbild Rapid?

Droht der United-Aktie das Schicksal des Rapid-Papiers, das sich schon kurze Zeit nach der Ausgabe maximal als Wandschmuck eignete? Die Aktie, unter anderem eine Idee aus dem Dunstkreis des damals bei Rapid umtriebigen „Gurus“ Mike Lielacher, stürzte ab und wurde bald aus dem Verkehr gezogen. Das lag aber nicht nur an der sportlichen Volatilität der Grün-Weißen und auch nicht an der mangelnden Einstellung der Österreicher gegenüber Aktien, sondern an dem etwas undurchsichtigem Finanzgebaren der damaligen Vereinsführung.

Bei Manchester United braucht man davor keine Angst zu haben – oder doch? Die Strategien der Eigentümer sind zwar in Sachen Finanzen transparent und überhaupt brauchen sich Aktionäre nicht vor einem Mangel an Informationen zu fürchten. Kaum eine andere Branche steht so sehr im Rampenlicht wie das Fußballbusiness: Ankäufe von Spielermaterial, Verkäufe, Verhalten der Konkurrenz und ähnliche wichtige Werte sind täglich aus der Zeitung ersichtlich. Andererseits ist das Verhalten im Fußball eben nicht mit rationellen Argumenten erklärbar, nicht einmal die Strategie von Profis wie den Glazers, die auch einige Profiklubs in den USA ihr Eigen nennen. Noch immer kiefeln sie nämlich an der Übernahmen von United im Jahr 2005, die damals 790 Millionen Pfund gekostet hatte – größtenteils durch Darlehen finanziert. Das IPO soll helfen, einen Teil der gewaltigen Schulden abzubauen. Möglicherweise soll der Klub auch dermaßen hergerichtet werden, dass er dann einem Käufer angeboten werden kann – reiche Scheichs zum Beispiel gibt es genug, auch solche mit Sinn für Fußball, man denke nur an Mansour Bin Zayed Al Nahyan aus Abu-Dhabi, Mehrheitseigner von Manchester City und mit seinen Milliarden hauptverantwortlich für den Höhenflug des Erzrivalen von United.

Nur für Liebhaber?

Analysten sehen Papiere wie jene von United daher vor allem als eines: Liebhaberobjekte. Zwar sind die Perspektiven des Klubs langfristig hervorragend: Mit einem geschätzten Marktwert von 2,2 Milliarden Euro ist United der wertvollste Klub der Welt, noch vor Real Madrid und dem FC Barcelona. Neben den Erfolgen auf dem Rasen ist dafür die riesige Fangemeinde verantwortlich, die United in aller Welt hat, vor allem auch in Asien (daher der ursprüngliche Plan, in Fernost das IPO durchzuführen). Und sportlich wird United in den nächsten Jahren mit Sicherheit unter den Top-Playern in Europa bleiben, selbst wenn die „Reds“ heuer nur zweiter Sieger in der Premiere League waren und ausgerechnet dem Lokalrivalen City unterlegen waren.

Doch der wichtigste Grund, eher nicht auf eine United-Aktie zu vertrauen, sind die generellen Unwägbarkeiten im Fußball. Anleger, die sonst mit Rechenschieber und ausreichend Marktkenntnis halbwegs zuverlässige Prognosen erstellen können, werden im Fußball danebenschießen. Zu sehr hängt dieser Sport von Kleinigkeiten ab, die sich nicht steuern lassen. Wenn sich Wayne Rooney verletzt, wenn eine Schiedsrichter-Fehlentscheidung das Match dreht, wenn der nächste Einkauf sich nicht mit der herben Industriestadt Manchester als Wohnort abfinden kann – dann rutscht die Aktie ab, trotz bester Umsatz- und Gewinnaussichten. Und welcher Aktionär will schon von Kreuzbändern, Pfeifenmännern und verwöhnten Einzelgängern abhängig sein?

Wenige Börseklubs

Die wenigen börsenotierten Fußballklubs beweisen die Unmöglichkeit, Fußball und Börse gemeinsam aufzustellen: Borussia Dortmund ist das beste abschreckende Beispiel dafür. Trotz anhaltender sportlicher Erfolge dümpelt der Kurs derzeit zwischen zwei und drei Euro hin und her. Zweimal Meister zu werden ist an der Börse anscheinend kein Argument. Bis zum Ausgabepreis von elf Euro im Jahr 2000 ist jedenfalls noch jede Menge Platz. Obwohl sich der deutsche Traditionsklub auch wirtschaftlich erholt hat und dank enormer Popularität langfristig gute Perspektiven hat, gibt es wenig Hoffnung auf ein einen Platz unter den Börse-Tabellenführern.

Ähnlich trist die Entwicklung des Stoxx Europe Football, in dem alle 21 derzeit börsenotierten europäischen Klubs zusammengefasst sind – neben Borussia Dortmund unter anderem AS Roma , Celtic Glasgow und Fenerbahce .Die Eurokrise alleine kann nicht schuld haben an der Entwicklung, neben den oben erwähnten sportlichen Unsicherheiten sind es auch die Wettskandale in Italien, Zweifel an der finanziellen Leistungsfähigkeit der einzelnen Ligen (man denke nur an die enormen Schulden englischer Vereine) und die Abhängigkeit von Mäzenen, die Investoren zu Recht abschrecken.

Fußball und Börse sind also kein Erfolgsteam. Wer unbedingt in Fußball-Aktien investieren will, sollte das eher nur mit jenen des eigenen Klubs tun. Dann kann man später ja mal auf ebay oder willhaben damit angeben. Ein „Muss“ sind Fußballpapiere nur für Fans.

Info: Erster Börseprospekt von ManU

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