Wenn Milliardärsfamilien einkaufen gehen

Wenn Milliardärsfamilien einkaufen gehen

Milliardärsfamilien wie die Reimanns aus Ludwigshafen oder die Hamburger Tchibo-Eigner Herz machen traditionellen Private-Equity-Häusern zunehmend Konkurrenz und schnappen ihnen attraktive Unternehmen weg.

Sie können oft höhere Preise zahlen, weil sie längerfristiger denken und daher nicht so auf schnelle Renditen aus sind. Die Familien legen ihr Geld für die künftigen Generationen an mit einem Horizont von 15 bis 20 Jahren und investieren nicht nur für fünf bis sieben Jahre wie klassische Beteiligungsfirmen. Zudem setzen sie üblicherweise weniger Kredite ein, was in Zeiten knauseriger Banken ebenfalls ein Wettbewerbsvorteil ist.

Die Reimanns haben sich zuletzt über ihr Investment-Vehikel Joh A Benckiser (JAB) für mehr als sechs Milliarden Euro den vollen Zugriff auf den Kaffee- und Teehersteller Master Blenders gesichert, zu dem Marken wie Senseo-Kaffeepads und Pickwick Tee gehören.

Damit steigt Reimann in der Branche zur Nummer drei auf hinter Nestle aus der Schweiz und dem US-Konzern Mondelez, der zuletzt von Kraft Foods abgespalten worden war. "Die Bewertungen waren bei der Transaktion zu hoch - das hat sich für klassische Private-Equity-Firmen nicht gerechnet", sagt Magnus Scadden von der Investmentbank Houlihan Lokey mit Blick auf Häuser wie Blackstone, Carlyle oder KKR.

Ende des Trends noch nicht in Sicht

Neben Reimann und Herz gehört Bankern zufolge auch die belgische Verlinvest - eine Holding in Familienbesitz und unter anderem beteiligt am Likör- und Cognac-Hersteller Remy Cointreau - zu den Gesellschaften, die große Übernahmen stemmen können. Erfahrungen mit der Branche haben viele ausreichend gesammelt: In Europa haben neun der 51 neuen Milliardäre in der aktuellen Forbes-Liste ihr Vermögen in der Konsumgüterindustrie aufgebaut.

Experten halten den Trend noch längst nicht für beendet - zumal es in den ersten Monaten dieses Jahres so viele Übernahmen in der Konsumgüterindustrie gegeben hat wie noch nie seit 2007. "Nahrungsmittel und Getränke sind weiter eine äußerst attraktive Branche", sagt Jaime Arrastia, Investmentbanker bei Barclays. "Und für die Familien ist die Ausgangslage äußerst gut: Sie sind zwar nicht die besseren Spieler am Markt. Aber sie haben enorm viel Erfahrung in der Branche und sie haben einen anderen und längeren Horizont für ihre Investitionen." Haben Private-Equity-Häuser 2007 noch bei mehr als 40 Prozent der Deals mitgemischt, sank der Anteil im vergangenen Jahr auf nur noch 17 Prozent.

Keine Berührungsängste

Viele familiengeführte Gesellschaften haben auch keine Berührungsängste, mit klassischen Private-Equity-Firmen zusammen auf Einkaufstour zu gehen. So verbündete sich der US-Milliardär Warren Buffett mit dem Finanzinvestor 3G aus Brasilien beim geplanten Kauf des Ketchup-Herstellers Heinz für rund 23 Milliarden Dollar. Sie bewerten Heinz dabei mit dem 14,6-Fachen des für 2013 erwarteten Gewinns. Das ist deutlich mehr als Private-Equity-Firmen sonst bieten.

Die klassischen Beteiligungsfirmen versuchen stets, mit Hilfe von Bank-Krediten so günstig wie möglich einzukaufen, das Unternehmen mit Kostensenkungen oder operativen Verbesserungen nach vorne zu bringen und es dann gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Ihre Geldgeber wie Pensionsfonds oder Stiftungen fordern zweistellige Renditen, die die Beteiligungsfirmen auch üblicherweise erwirtschaften. Um künftig nicht häufiger bei Transaktionen den Kürzeren zu ziehen, müssen sie nach Ansicht von Bankern aber wohl öfters längere Investmentzeiten und geringere Renditen hinnehmen. "Das sind recht hässliche Zeiten für Private Equity."

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