Welcher Banker hat schon eine weiße Weste ....

Welcher Banker hat schon eine weiße Weste ....

Etwas, was man laut bösen Zungen eher von Jain erwartet hätte, der jahrelang die Investmentbank-Sparte geleitet und dort eine Art "Kasino" aufgebaut hat, wie Kritiker meinen. Bis zur Großrazzia vergangene Woche wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung galt Fitschen als Saubermann. So schnell ist es weg, das Image.

Der besonnene Norddeutsche Fitschen sollte eigentlich als "Außenminister" der Bank die guten Drähte zur Politik pflegen und den versprochenen Kulturwandel des größten deutschen Geldhauses glaubwürdig vertreten. Der Fall zeigt Experten zufolge, wie schwierig es wird, das Image der "Skandalbank" abzulegen, wenn an der Spitze Banker der alten Garde stehen.

Dieses Dilemma dürfte zunehmend auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner beschäftigen - er ist der einzige Neue in der Führung der Bank in der Nach-Josef-Ackermann-Ära. Ex-Allianz-Vorstand Achleitner dreht derzeit in der Bank einen Stein nach dem anderen um. Der 56-jährige Österreicher will die Skandale der Vergangenheit restlos aufklären, damit das Geldhaus künftig glaubwürdig für eine neue Kultur stehen kann. Weg von Boni und Gier, hin zu Kundenorientierung und gesellschaftlicher Verantwortung. Er setzt dabei bewusst auf altbewährtes Personal und vor allem auch auf Jain. "Achleitner hofft, dass derjenige, der die Leichen vergraben hat, auch weiß, wo sie liegen", heißt es aus dem Umfeld des Instituts. Das sei riskant: "Ob Jain echt ein Interesse am Ausbuddeln hat, ist fraglich." Jain selbst beteuert immer wieder, dass er voll hinter dem Kulturwandel steht und dafür einsteht - wohlwissend, dass das eher ein Marathon als ein Sprint ist.

Keine weißen Westen

Und nun auch noch Fitschen - plötzlich fragen Beobachter, ob er noch der Richtige an der Spitze der Bank ist. "Zu 100 Prozent ja", heißt es unisono aus der Bank. Es gebe keine Diskussionen über einen Chefwechsel. Achleitner setze darauf, dass beide Manager alle Affären rückhaltlos aufklären und die Bank in ruhiges Fahrwasser führen. Das Ziel, in den nächsten Jahren in die Spitze der Banken-Champions-League aufzurücken, stehe unverändert. "Man wechselt nicht bei vollem Tempo die Piloten, das ist viel zu riskant", betont ein Insider. "Zumindest wenn nicht immer neue Skandale auftauchen." Es gebe in der gesamten Finanzbranche zudem kaum jemanden, der eine blütenweiße Weste habe. Auch Experten wie Hans-Peter Burghof, Bankenprofessor an der Universität Hohenheim, glauben aktuell auch nicht an einen Austausch der Chefs: "Ich sehe da derzeit wenig Alternativen."

Die nun von der Staatsanwaltschaft ins Visier genommenen Handelsgeschäfte mit CO2-Verschmutzungsrechten sind besonders prekär. Denn sie fallen in Jains ehemaligen Zuständigkeitsbereich - und Fitschen hat damals als Deutschland-Chef die fragliche Umsatzsteuererklärung unterschrieben. Daneben gibt es Vorwürfe, die Bank habe an der Manipulation des Referenzzinses Libor mitgewirkt - das spielte sich ebenfalls in der Investmentbank-Sparte ab. Hinzu kommen zahlreiche Rechtsstreitigkeiten in den USA wegen dubioser Hypothekengeschäfte. Alle Fälle sind seit Jahren bekannt, aber noch lange nicht abgearbeitet.

Banker mit schwerer Hypothek

Jain selbst hat die Rechtsstreitigkeiten einmal als heftigen Gegenwind für die Bank bezeichnet. "Da wird in den nächsten Jahren immer wieder was Neues hochkommen", ist sich Philipp Häßler sicher, Bankenexperte beim Analysehaus Equinet. "Einen Befreiungsschlag kann es da nicht geben." Für Burghof steht fest: "Beide tragen eine massive Hypothek aus der Vergangenheit mit sich herum."

Weil man sich Jains Altlasten bewusst war, entschied sich der Aufsichtsrat bewusst für eine Doppelspitze: Dem klassischen Investmentbanker wurde mit dem 64-jährigen Fitschen ein angesehener Bankier mit guten Drähten ins politische Berlin zur Seite gestellt. Im Frühjahr soll Fitschen zudem Präsident des Bankenverbands werden. Doch nun steht er im Feuer: Der Steuerhinterziehungsvorwurf wiegt bereits schwer, aber noch größer war die Empörung, als bekannt wurde, dass er sich bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier über die Razzia bei der Bank vergangene Woche beschwert hat. Ein gefundenes Fressen für viele Politiker, die Fitschen daraufhin vorwarfen, offenbar über dem Rechtsstaat stehen zu wollen. Bankenverbandspräsident Andreas Schmitz musste sich anschließend gar bewusst hinter seinen designierten Nachfolger stellen: "Herr Fitschen ist der Richtige an der Spitze des Verbands."

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge