Was plant die neue GM-Spitze für Opel?

Was plant die neue GM-Spitze für Opel?

Sicher ist: Einen Fürsprecher verliert Opel im April, wenn Steve Girsky seinen Posten als Strategie- und Produktchef im GM-Vorstand aufgibt.

"Ein gewichtiger Vorkämpfer für Opel geht und niemand weiß, ob GM zu seinem starken Bekenntnis zu Europa steht", sorgt sich ein Opel-Mitarbeiter. GM beteuert dagegen, an der Haltung zu Opel habe sich nichts geändert.

Opel wähnte sich unter seinem neuen Chef Karl-Thomas Neumann gerade in ruhigerem Fahrwasser. Neumann hatte kurz nach seinem Amtsantritt im Frühjahr vier Milliarden Euro Investitionen in Detroit herausverhandelt. Mit dem Geld sollen 23 neue Modelle und 13 neue Motoren entwickelt werden, um die Produktpalette aufzufrischen. Der Opel-Chef holte die Produktion des kleinen Geländewagens Mokka aus Südkorea nach Europa. Ein Erfolg für die Rüsselsheimer war zudem das Aus für den konzerninternen Rivalen Chevrolet in Europa - die in Südkorea gebauten Autos hatten Opel Konkurrenz gemacht. Als Rückschlag dagegen gilt, dass die Allianz mit dem französischen Konkurrenten Peugeot gestutzt wird.

Was die Etappensiege des 52-jährigen Marathonläufers Neumann wert sind, wird sich erweisen, wenn klar ist, in welche Richtung die neue Konzernchefin Mary Barra strebt. Der scheidende GM-Chef Dan Akerson sagte, Barra habe "Ordnung in das Chaos" in der weltweiten Produktentwicklung gebracht. Wichtigste Aufgabe der künftigen Chefin, die schon im Opel-Aufsichtsrat sitzt, wird es sein, den riesigen Konzern noch effizienter zu machen.

Die Rüsselsheimer sind ohnehin schon unter Druck, die Kosten zu senken. Neumann soll Opel nach jahrelangen Verlusten bis 2016 in die schwarzen Zahlen führen. Dazu beitragen würde, die globalen Fahrzeug-Plattformen von GM stärker zu nutzen und weniger teure Extras für den europäischen Markt einzubauen. Dabei haben die Kunden in Europa, wo Opel den Löwenanteil seiner Autos verkauft, die höchsten Erwartungen an die Ausstattung ihres Fahrzeugs. Die mangelnden Investitionen für Europa hätten bisher schon die Wettbewerbsfähigkeit von Opel beeinträchtigt, sagte ein ehemaliger Opel-Manager zu Reuters.

Opel hatte Hoffnungen auf eine breit angelegte Partnerschaft mit Peugeot gesetzt. Eigentlich sollte eine gemeinsame Kleinwagen-Plattform entwickelt werden, um die Opel-Modellpalette aufzufrischen und den Marktanteil von derzeit sechs Prozent wieder Richtung zehn Prozent zu hieven. Doch die gewünschten Einsparungen blieben aus, das Projekt wurde begraben.

Nun muss Neumann ohne Peugeot den Spagat schaffen, die Entwicklungskosten zu senken und den Corsa gleichzeitig attraktiv für die verwöhnte europäische Kundschaft zu machen. Seine Beliebtheit in Detroit könnte auch davon abhängen, ob der neue Kleinstwagen Adam ein Erfolg wird. "Wenn die speziell für Europa gebauten Autos sich nicht verkaufen, dann verliert die ganze vergrößerte Bewegungsfreiheit von Opel ihren Sinn", sagte ein weiterer ehemaliger Opel-Manager. Um eine schwache Marke wieder stark zu machen, sei es nötig, über Jahre herausragende Produkte zu liefern, sagte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. "Gleich gut ist nicht gut genug. Das Produkt muss besser sein."

Ermutigende Anzeichen sind noch rar: Opel hat mit dem Verkauf des Adam im Jänner begonnen. In Eisenach, wo Adam und Corsa vom Band laufen, stand die Produktion aber im Oktober für fünf Tage und im November für sechs Tage still. Während die Autoverkäufe im November laut Branchenverband Acea in Europa etwas zulegten, verkaufte Opel drei Prozent weniger Autos. Opel zufolge liegt das an schwindenden Verkaufszahlen des Corsa - die Nachfrage nach dem Adam sei aber groß. Es gebe seit der Markteinführung mehr als 55.000 Bestellungen. In Deutschland würden mehr als 20.000 Adam bis zum Jahresende verkauft.

Am wichtigsten Modell Astra zeigt sich die Kehrseite der globalen Plattformen: Er basiert auf der gleichen Baugruppe wie der Chevrolet Cruze und ist daher breiter, schwerer und verbraucht mehr Sprit als mancher Konkurrent, wie einer der früheren Opel-Manager sagte. Platzhirsch bei den Kompaktwagen ist der VW Golf. Und während der aktuelle Astra seit 2009 praktisch unverändert auf dem Markt ist, hat der Wolfsburger Konzern seitdem schon zwei Generationen des Golfs in die Händlerräume gebracht.

Auch der Corsa hat es schwer im bedeutendsten Marktsegment - 24 Prozent aller bislang in diesem Jahr verkauften Autos in Europa waren laut Daten von Jato Dynamics Kleinwagen wie VW Polo, Ford Fiesta und Peugeot 208. Der kleine Opel ist in seiner aktuellen Version seit 2006 auf dem Markt - eine Ewigkeit in dem Geschäft. 2012 fielen die Corsa-Verkäufe um 14 Prozent. Demnächst soll ein neuer Corsa kommen, auf einer mit Fiat entwickelten Plattform. Dessen Nachfolger wiederum sollte gemeinsam mit Peugeot gebaut werden - doch der Plan ist vom Tisch. Das dürfte Opel zwingen, sich bei der Baugruppe im GM-Regal zu bedienen.

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