Was jetzt auf Facebook zukommt

Was jetzt auf Facebook zukommt

Nutzerzahlen steigen stärker als der Umsatz – Umsetzung auf Mobilgeräten muss rasant vorangetrieben werden.

Dem Image von Facebook konnte so rasch nichts anhaben: Weder Kritik an den Datenschutzbestimmungen der größten Social-Media-Plattform noch Zweifel am Geschäftsmodell und auch nicht das bisweilen kreativ-skurrile Verhalten von Mark Zuckerberg konnte am strahlenden Erscheinungsbild als wichtigstes Unternehmen des Web 2.0 etwas ändern. Und dann kam der Börsegang – und Facebook erhielt seine erste Schramme überhaupt. Der Kurs ist seit dem IPO Mitte Mai um knapp ein Viertel nach unten gerattert; prompt war eine ganze Armee an Experten zur Stelle, die Unternehmensidee, -strategie und –führung niedermachten.

Diese Woche wird Facebook zum ersten Mal in seiner noch jungen Börsegeschichte Quartalszahlen vorlegen; an dem Tag werden COO Sheryl Sandberg und CFO David Ebersman eine Telefonkonferenz zu den Zahlen abhalten. Der Tag ist nach Ansicht von Analysten kritisch für die weitere Entwicklung an der Börse, ja für die Zukunft von Facebook insgesamt. Das Management wird erklären müssen, ob und wie sich die Plattform für die kommenden Jahre gerüstet hat – vor allem die wachsende Konkurrenz durch den Kurznachrichtendienst Twitter und die Social-Media-Avancen von Google (etwa mit Google+ ) machen die Investoren nervös.

Hohe Erwartungen

Wie wichtig ein solcher Conference Call ist, beweist die hohe Erwartungshaltung bei Analysten und Aktionären: Es wird damit gerechnet, dass auch der öffentlichkeitsscheue Mark Zuckerberg einige Worte von sich geben wird. Zuckerberg kann den finanztechnischen Aspekten seines Unternehmens wenig abgewinnen und widmet sich lieber der Entwicklung neuer Produkte; im Moment ist er vor allem mit der Umsetzung auf Mobilgeräten beschäftigt. Nichtsdestotrotz würden es Aktionäre gerne sehen, wenn sich Mr. Facebook selbst in Optimismus übt.

Der Conference Call wird auch darüber Auskunft geben, wie sich Facebook in Zukunft den Aktionären präsentiert: Offen oder zurückhaltend? Werden Luftburgen errichtet oder werden auch schwache Zahlen offen angesprochen? Und wird es regelmäßig einen Ausblick auf die kommenden Monate und Jahre geben oder wird man wie Google gar nichts prophezeien?

Die Richtung stimmt – ungefähr

Im Prinzip scheint ja auch alles gut zu sein: Der Umsatz ist nach Analystenschätzungen alleine im Juni um 30 Prozent. Doch Facebook selbst hat zugegeben, dass der Umsatz nicht in jenem Ausmaß wächst, in dem die Nutzerzahlen steigen. Einer der Gründe ist eben die verhältnismäßig starke Nutzung auf Mobilgeräten – doch dort ist Facebook mit seinen Werbeangeboten unterrepräsentiert. Dabei sind gerade die User von Smartphones und Tablets besonders empfänglich für Werbebotschaften, das zeigen aktuelle Studien.
Facebook hat aber mit seinen jüngsten Akquisitionen gezeigt, dass es mobil in die Offensive gehen wird: Heute wurde bekannt, dass das kanadische Unternehmen Acrylic übernommen wurde – die kleine, aber feine App-Schmiede wird schon dieser Tage von Vancouver nach San Francisco übersiedeln. Acrylic hat Software für Apple-Geräte entwickelt, etwa eine Art digitaler Zeitung für das iPad. Vor kurzem hat Facebook auch das Unternehmen Spool übernommen, das Bookmarking-Dienste für Mobilgeräte entwickelt.

Panik gehört dazu

Dieser Donnerstag wird für Facebook ein wichtiger Tag, um die Aktionäre etwas ruhig zu stellen und deren Bedenken über die Tauglichkeit seines Geschäftsmodells zu zerstreuen. Auch wenn Warren Buffett vor kurzem erklärte , die Facebook-Investoren seien selbst schuld an der Panik. Die Panikmache ist ständiger Begleiter am Aktienmarkt – und für Werte wie Facebook, die wenig Handgreifliches bieten können, gilt das gleich doppelt.

Quellen: u.a. Bloomberg, APA

Robert Prazak

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