Warum Apple 3,2 Milliarden für den Beats-Deal zahlt

Warum Apple 3,2 Milliarden für den Beats-Deal zahlt

Noch bevor die Übernahme des Kopfhörerherstellers und Musikstreaminganbieters Beats Electronic in trockenen Tüchern war, feierte sich Beats-Mitgründer Dr. Dre (Bild) schon als erster Hip-Hop-Milliardär. Gleichzeitig fragten sich viele Analysten, warum kauft Apple ein Unternehmen, das überteuerte Kopfhörer herstellt?

Die Antwort lieferten sie gleich selbst: Es gehe um den Streamingdienst, der immerhin schon 111.000 zahlende Kunden für sich gewinnen konnte. Apple wolle sich ein Stück vom Kuchen für kostenpflichtige Musikabos sichern.

Aber selbst dann: Zahlt Apple 3,2 Milliarden Dollar für den etwas zwielichtigen Headphones-Produzenten mitsamt seiner Abokunden? Umgerechnet fast 30.000 Dollar pro Streaming-Kunde.

Nein. Apple hat es bei der Übernahme weder auf Kopfhörer abgesehen noch auf den im Vergleich zu den 25 Millionen Spotify-Usern geradezu lächerlich kleinen Kundenkreis des Musikstreamingangebots. Apple ging es nur um zwei Personen: Dr. Dre und seinen Geschäftspartner Jimmy Iovine.

Tod eines Rockstars

Mit dem Tod von Steve Jobs verlor Apple nicht nur einen genialen Visionär und eine Kultfigur im IT-Business, sondern auch seinen wichtigsten Verhandler. Wenn Steve Jobs den Telefonhörer in die Hand nahm, konnte er sicher sein, dass sein Gegenüber abheben würde. Sein harter Verhandlungsstil zwang die Ego-getriebenen Bosse der Musik- und Filmindustrie in die Knie und erlaubte es Apple, zum führenden Anbieter digitaler Inhalte zu werden.

Allein hätte Steve Jobs dieses Kunststück nicht geschafft. Es war vor allem der Musikproduzent Jimmy Iovine, der im Jahr 2002 die Musikbranche schlussendlich davon überzeugte, sich mit Apple in ein Boot zu setzen. Genau ihn holt sich Apple mit der Übernahme von Beats jetzt wieder ins Team. Zwölf Jahre, nachdem er mit Jobs iTunes auf den Weg gebracht hatte, soll er jetzt frischen Wind in Apples Medienstrategie bringen. Den hat Apple auch dringend nötig: Das 2013 unter viel Tamtam gestartete Streamingangebot iRadio verpuffte in einer Wolke aus PR-Nebel. Der Musikverkauf ist rückläufig, und die Filmbranche schaut heute zu Videostreamingdiensten wie Netflix für Exklusivdeals.

Iovine ist schon jetzt ein Superstar im Musikgeschäft, kennt jeden Produzenten, ist brillant vernetzt und hat die Entscheidungsträger auf den Kurzwahltasten gespeichert. Aus der Sicht der Musikindustrie ist er "einer von uns“ - ein Vorteil, den Jobs’ Nachfolger Tim Cook selbst mit noch so viel Verhandlungsgeschick nicht wettmachen kann.

Dre und Iovine könnten sich als echte Zugpferde für Apples Musiksparte entpuppen: Dr. Dre auf der einen Seite, der Mode und Lifestyle weit über die Hip-Hop-Grenzen hinweg im Griff zu haben scheint. Jimmy Iovine mit seinen visionären Ideen und Kontakten in die Chefetagen der Unterhaltungsbranche auf der anderen Seite.

Iovine ist außerdem das ideale Gegenstück zu Tim Cook. Der Apple-CEO gilt als berechnend, risikoscheu, unauffällig und leise. Iovine wird als lauter, charismatischer und kreativer "Risk Taker“ beschrieben. Er ist in vielerlei Hinsicht Steve Jobs ähnlich - und damit genau das, was Apple seit dem Tod seines Rockstar-CEOs fehlt.

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