Warren Buffett will die Zeitungsbranche retten

Warren Buffett will die Zeitungsbranche retten

Die Investmentholding Berkshire Hathaway von Warren Buffett hat mehr als 342 Mio. Dollar in 80 Zeitungen investiert - darunter auch die Tageszeitung Omaha World-Herald aus seiner Heimatstadt - und daraus einen neue Geschäftsbereich gegründet.

Damit ist das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht: Obwohl die Sparte im November angekündigt hatte, eine schlecht laufende Zeitung in Virginia zu schließen, hat Buffet weitere Zukäufe angedeutet.

Der neu berufene Chef von Buffetts Zeitungsimperium, Terry Kroeger, leitet das Geschäft aus dem 15. Stock eines Bürogebäudes in Omaha - mit weiträumigen Blick über die Straßen der Stadt im Bundesstaat Nebraska. Sein Ziel ist, bei den Zeitungen wieder das einzuführen, was sie am besten können: wichtige und lokale Nachrichten liefern, die die Leser woanders nicht bekommen können. Und natürlich müssen die Menschen auch dazu gebracht werden, dafür zu bezahlen.

Außerdem will Kroeger Ableger-Webseiten mit Unternehmenssponsoren einrichten und Internet-Videos anbieten. Das Modell einer Paywall - ein Abo-Modell für das Online-Angebot - hat der World-Herald bereits im vergangenen Jahr eingeführt; es soll auch auf die anderen Zeitungen übertragen werden. Letzteres verschaffe Linderung, sei aber kein Allheilmittel, so der 50-Jährige. Es müssten neue Geschäftsfelder erschlossen werden.

“Wir müssen uns weiterentwickeln und bieten, was die Menschen wollen”, sagt Kroeger. “Meiner Meinung nach hat unsere Branche dahingehend schlechte Arbeit geleistet.”

Die Frage ist jedoch, ob die Zeitungen sich schnell genug entwickeln können, um den Verfall aufzuhalten und das Geschäft wieder zu beleben. Die Branche leidet unter einer schwindenden Nachfrage, und unter Übergriffen durch Internetkonzerne wie Google und Facebook. Die Werbeeinnahmen haben im ersten Halbjahr 2012 um 6,6 Prozent niedriger gelegen als im Vorjahr, wie die Newspaper Association of America mitteilte.

Andere Milliardäre haben sich im Zeitungsgeschäft versucht und sind gescheitert. Tribune, Besitzer der Los Angeles Times und Chicago Tribune, hat im Jahr 2008 Bankrott angemeldet; das war ein Jahr nach dem vom Immobilienmagnaten Sam Zell angeführten Buy-Out.

Buffetts Wette ist weniger ambitioniert. Sein jüngster Kaufrausch im Zeitungssektor macht weniger als zwei Zehntel Prozent des Marktwerts von Berkshire aus.

Strategie der Kleinen

Buffett könne mehr Erfolg haben als andere, meint Don Graham, Vorstandsvorsitzender der Washington Post. Ein Teil der Strategie von Berkshire ist Graham zufolge, sich auf Zeitungen in kleineren Märkten zu konzentrieren, die nicht mit anderen Medien im Wettbewerb stehen.

“Wenn man wächst, wettstreitet man mit anderen Medienformen um die Werbelieferung”, sagte er in der vergangenen Woche bei einer Investorenkonferenz. “Jeder, der sich auf das Zeitungsgeschäft konzentriert, sollte in diesem Jahr ein Unternehmen verfolgen: Berkshire Hathaway.”

Die Devise von Buffets Zeitungsimperium lautet: Alle Nachrichten haben einen lokalen Bezug. “Der Gemeinschaftsaspekt ist bei dem, was wir tun, von Bedeutung”, erklärt Kroeger. “Todesanzeigen sind zum Beispiel enorm wichtig. Diese Dinge liegen den Menschen am Herzen.” Aber auch auf Sport wird gesetzt, so ist eine Online-Sportschau mit Reportern geplant.

Lokalzeitungen bieten Vorteile gegenüber anderen Veröffentlichungen am überfüllten Medienmarkt, sagt Ken Doctor, Medienanalyst von Outsell Inc. im kalifornischen Burlingame. Bislang habe aber noch niemand einen Ausweg aus der Krise gefunden. “Es gibt kein Patentrezept”, sagt Doctor.

Buffett, der zweitreichste Amerikaners nach Microsoft-Chef Bill Gates, investiert schon seit Langem in Zeitungen, wenn auch nicht in dem aktuellen Ausmaß. Zuvor belief sich sein Engagement auf einen Anteil an der Washington Post und den Kauf der Buffalo News im Jahr 1977, die gesondert geführt wird.

In einem Brief an die Beschäftigten seines neuen Zeitungsimperiums, in dem er auch weitere Zukäufe in den kommenden Jahren ankündigte, schrieb Buffett: “Ich habe Zeitungen schon immer geliebt - und werde wie immer lieben”.

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