Wall Stret Journal: Sprint peilt Übernahme von T-Mobile US an

Wall Stret Journal: Sprint peilt Übernahme von T-Mobile US an

Sprint könnte die Offerte für T-Mobile US in der ersten Hälfte des kommenden Jahres vorlegen, berichtete das "Wall Street Journal" am Freitag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das Transaktionsvolumen würde sich voraussichtlich auf mehr als 20 Milliarden Dollar belaufen, je nach Höhe des Anteils, den Sprint übernehmen würde.

Ein Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass Sprint zwar schon länger an T-Mobile interessiert sei. Allerdings gebe es derzeit keine Gespräche zwischen den beiden Seiten. Zudem wäre eine Genehmigung der Übernahme durch die US-Wettbewerbsbehörde Experten zufolge alles andere als sicher. Der Aktienkurs von T-Mobile US schoss an der New Yorker Börse nach Bekanntwerden der Nachricht gleichwohl um fast neun Prozent in die Höhe.

Für die Deutsche Telekom würde sich mit dem Deal eine Möglichkeit eröffnen, aus dem US-Mobilfunkmarkt auszusteigen. Sprint prüfe derzeit, wie ein fusioniertes Unternehmen aussehen könnte und welche regulatorischen Fragen auf den Konzern zukommen könnten, berichtete auch die deutsche Online-Ausgabe des "Wall Street Journal". Die Rheinländer und Sprint wollten sich nicht zu dem Bericht äußern. Bei T-Mobile US war niemand zu erreichen. Im September hatte der Finanzchef des Unternehmens, Braxton Carter, allerdings zu Reuters gesagt, dass ein Zusammenschluss mit Sprint die "logische und ultimative Kombination" wäre.

Sprint und T-Mobile US laufen hinterher

Die beiden Unternehmen sind auf dem US-Mobilfunkmarkt weit abgeschlagen. Während Marktführer AT&T 109 Millionen und Verizon Wireless 101 Millionen Handynutzer zählen, kommt Sprint lediglich auf 55 Millionen und der Telekom-Anleger auf 45 Millionen Kunden. Sprint steckt zudem in einem mühsamen Netzumbau, der Kunden verprellt. Das Unternehmen saß nach einer Einkaufstour auf Netzen mit unterschiedlichen Mobilfunkstandards, die eine Zeit lang parallel weiter betrieben worden sind - beim Aufbau des schnellen LTE-Datennetzes ging Sprint deshalb zu spät an den Start.

Für die Bonner wäre das Zusammengehen der US-Tochter mit Sprint nur die zweitbeste Lösung. Eigentlich wollte der Dax-Konzern T-Mobile US vor rund zwei Jahren für 39 Milliarden Dollar an AT&T verkaufen. Die US-Wettbewerbsbehörden stoppten die Transaktion mit der Begründung, dass damit einer der vier landesweiten Mobilfunknetzbetreiber verschwunden wäre. An der Einschätzung hat sich bis heute - zumindest offiziell - nichts geändert. Das Risiko eines Neins aus Washington wäre bei einem abermaligen Konsolidierungsversuch unter den vier großen Mobilfunkern in den USA hoch, sagten Telekom-Führungskräfte vor wenigen Wochen. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass Sprint die mögliche Kombination mit T-Mobile US an die Öffentlichkeit gebracht hat, um erste Reaktionen von den US-Kartellbehörden einzuholen.

Zweifel an Genehmigung

Allerdings hätten die Wettbewerbsbehörden noch ein gewichtiges Wort mitzureden. Erst 2011 hatten sie Pläne für einen Verkauf der Telekom-Tochter an AT&T untersagt. Ein Experte für Kartellfragen auf dem US-Telekommunikationsmarkt, der namentlich nicht genannt werden wollte, äußerte denn auch Zweifel, ob eine Übernahme durch Sprint ohne Abstriche durchgehen könnte. Angesichts der jüngsten Äußerungen von Regierungs- und Behördenvertretern dürfte es für Sprint eine "extrem schwierige" Aufgabe werden, grünes Licht für ein solches Unterfangen zu bekommen.

Die Deutsche Telekom ist mit 67 Prozent an T-Mobile US beteiligt. Der Konzern hatte im Mai seinen amerikanischen Ableger mit dem Regionalanbieter MetroPCS verschmolzen, um auf dem Markt endlich eine kritische Größe zu gewinnen. Sprint gehört wiederum zu 80 Prozent dem japanischen Telekom-Konzern Softbank. Als weiterer Interessent an T-Mobile US gilt auch der US-Satelliten-Fernsehanbieter Dish, der schon seit längerem mit einem Einstieg in den heimischen Mobilfunkmarkt liebäugelt.

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