Wall Street-Guru: Niemand ist schlauer als Andrew Feldstein

JPMorgan verlor durch die Fehlspekulation des "Londoner Wals", den Händler Bruno Iksil, 6,2 Mrd. Dollar. Feldstein hat mit seiner Gegenwette aber mehr als nur Geld gemacht. Er hat auch JPMorgan-Chef Jamie Dimon geholfen, die von Iksil eingegangenen Wetten aufzulösen und sich dadurch Pluspunkte bei Amerikas mächtigstem Banker verschafft.

Wall Street-Guru: Niemand ist schlauer als Andrew Feldstein

Feldstein hat die Wette gegen Iksil, der die Entwicklung von Kredit-Derivaten im Volumen von 100 Mrd. Dollar falsch eingeschätzt hatte, bekannt gemacht. Das Anlagekapital von BlueMountain ist mittlerweile auf 12,7 Mrd. Dollar geklettert. Seit ihrer Gründung im Jahr 2003 hat die Firma nur ein Verlustjahr verzeichnet.

Alter bekannter

Die guten Beziehungen zwischen JPMorgan und BlueMountain reichen weit zurück. Feldstein selbst arbeitete ein Jahrzehnt für die Großbank, bevor er es alleine versuchte. JPMorgan ist der größte Broker von BlueMountain. Und in dieser Woche kam James Staley bei dem Hedgefonds an Bord, der 34 Jahre lang bei JPMorgan gewesen war und als Nachfolger von Dimon gehandelt wurde. Staley wird den Rang eines Managing Partner bei BlueMountain haben und eine Beteiligung an der Firma erstehen.

Staley kommt zu einem lukrativen Unternehmen. Der 5,1 Mrd. Dollar schwere Flaggschiff-Fonds BlueMountain Credit Alternatives ist in den zehn Monaten bis Ende Oktober um 13,3 Prozent gestiegen. Im Ranking der Top 100 der größten Hedgefonds von Bloomberg Markets nimmt er Rang 51 ein. Gemessen an der Profitabilität kommt der Fonds sogar auf Platz 20, er generierte 134,7 Mio. Dollar an Einnahmen für BlueMountain. Seit seiner Gründung Ende 2003 kommt er auf eine mittlere Rendite von zehn Prozent.

Der 48-jährige Feldstein, der nicht für diesen Artikel interviewt werden wollte, rechnet damit, dass die guten Zeiten anhalten. Im Oktober startete die Firma die Suche nach neuen Investoren für den Credit-Alternatives-Fonds mit Hilfe der UBS AG, der größten Schweizer Bank. Dabei können wohlhabende UBS- Kunden ihr Geld zusammenwerfen und jeweils 250.000 Dollar anlegen - das ist deutlich weniger als die sonst bei Hedgefonds übliche Startsumme von 1 Mio. Dollar.

Auch für einen neuen Fonds hat BlueMountain Geld eingesammelt. Der BlueMountain Credit Opportunities Master Fund I startete im Oktober mit 1,5 Mrd. Dollar - doppelt so viel wie ursprünglich anvisiert, sagt BlueMountain-Co-Gründer Stephen Siderow im Interview mit Bloomberg Television. Feldstein setzt darauf, dass die Firma mit Vermögenswerten Geld machen kann, die die Banken nicht mehr wollen, sowie mit Krediten, die die Banken nicht mehr bereitstellen wollen, wie aus Werbeunterlagen für den neuen Fonds vom Oktober hervorgeht, die Bloomberg Markets vorliegen. Während sich Banken aus riskanteren Anlagen zurückziehen, will sich Feldstein wie auf einem Finanz-Flohmarkt die besten Schnäppchen aussuchen.

“Dieser Markt wird auch weiterhin wachsen”, erwartet Paul Rowady, leitender Analyst bei der Analysefirma Tabb Group in New York. “Ihre Intuition, dabei führend zu sein, ist goldrichtig.”

Feldstein hatte Gegengift

Im Fall vom Londoner Wal hatte BlueMountain auch den richtigen Riecher und besaß genau die Kontrakte, die JPMorgan benötigte, um die Verluste auszugleichen. Feldstein verkaufte der Großbank Kontrakte mit einem Wert von mehr als 20 Mrd. Dollar, wie Bloomberg aus informierten Kreisen erfuhr.

Beide Unternehmen betonen, dass der Hedgefonds dabei nicht im Auftrag von JPMorgan gehandelt hat. Vielmehr würden Hedgefonds und Banken häufig “strategische Partnerschaften” bilden, um eine “Win-Win“-Situation für beide Parteien zu erreichen, erklärte Bryce Markus, leitender Portfolio Manager und Managing Principal von BlueMountain im Bloomberg-Interview im Oktober. “Damit werden die Ziele der Banken erreicht und die Ziele von Leuten wie uns”, sagte er.

In den sechs Monaten, nachdem JPMorgan am 10. Mai erstmals Verluste durch die Wetten des Teams von Iksil bekannt gegeben hatte, konnte BlueMountain die Rendite des Flaggschiff-Fonds mehr als verdoppeln. Die Großbank fuhr zwar Verluste von insgesamt 6,2 Mrd. Dollar ein, sie kann sich jedoch bei Andrew Feldstein und seiner Rettungs-Crew bedanken, dass der Wal ihr Schiff nicht versenkt hat.