Wahre Heuschrecken...

Top-Manager von Buyout-Firmen in den USA, darunter Blackstone Group, KKR & Co., Bain Capital und Carlyle Group, haben sich in Emails gegenseitig zugesichert, bei ihren Transaktionen nicht gegeneinander anzutreten, um Preise nicht hoch zu treiben und Wettbewerber nicht zu verärgern.

Wahre Heuschrecken...

Das geht aus einer Klageschrift hervor, die nun in die Öffentlichkeit kam. Kläger sind Privatpersonen und Pensionsfonds, die Aktien der in Buyouts übernommenen Unternehmen besaßen. Die Emails werden als Beweis dafür angeführt, dass die Firmen bei 19 Leveraged Buyouts (LBOs) und acht weiteren Transaktionen die Preisgebote manipuliert haben. Darunter sind die größten Transaktionen zu Zeiten des Buyout-Booms. Das geht aus einer erweiterten Klageschrift hervor, die am Mittwoch der Bundesrichter Edward Harrington in Boston auf Antrag der Zeitung New York Times öffentlich gemacht hat.

“Wir würden viel lieber mit euch arbeiten als gegen euch”, schrieb der Blackstone-Präsident Tony James in einer Email an den KKR-Mitgründer George Roberts mit Bezug auf den Buyout von Freescale Semiconductor, wie aus der Klageschrift hervorgeht. Die Antwort von Roberts lautete demnach “Einverstanden.”

Die Emails der Private-Equity-Manager kommen zu einer Zeit ans Licht, in der die Branche ohnehin schon mit Image-Problemen zu kämpfen hat. Mitt Romney, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, ist einer der Gründer von Bain, arbeitet jedoch nicht mehr für die Gesellschaft. Die Unterstützer von Präsident Barack Obama sagen, die Private-Equity-Gesellschaften bereicherten Manager auf Kosten von Arbeitsplätzen. Die Lobby-Gruppe der Branche in Washington, Private Equity Growth Capital Council, startete dieses Jahr eine Online-Kampagne, in der sich Leute positiv zur Private-Equity-Branche äußern.

"Bidding Clubs"

“Private-Equity musste eine Niederlage einstecken, in dem Sinn, dass das Image in diesem Wahlkampf nicht so toll war”, sagte David Rubenstein, Mitgründer von Carlyle Group, am 7. Oktober in einem Interview mit Bloomberg Radio. Im Land sei das Image hängen geblieben, dass Private-Equity Arbeitsplätze vernichte und nichts täte, was der Wirtschaft helfe, und “ich denke, das ist unglücklich”, sagte er.

Laut Klage haben die Private-Equity-Gesellschaften “Bidding Clubs” aus mehreren Firmen gebildet, die Gebote manipulierten, konkurrierende Gebote beschränkten und “künstlich die Preise drückten”. Buyout-Firmen, die nicht Mitglied des Bieter-Clubs waren, der zum Zuge kam, sollen Minderheitsanteile an den erworbenen Unternehmen oder Provisionen als Berater erhalten haben.

Die beschuldigten Finanzfirmen erklärten laut Gerichtsunterlagen, die Transaktionen stellten legitime Geschäftspraktiken dar. “Gemeinsames Bieten ist wesentlich für das richtige Funktionieren eines gut regulierten Kapitalmarktsystems”, legten die Beschuldigten dar.

Die Kläger “können weder einen direkten Beweis einer tatsächlichen Vereinbarung unter diesen 17 Beschuldigten zu Festlegungen im Markt für große LBOs erbringen noch vermeintliche Indizien, die die Plausibilität einer solchen Verschwörung stützen würden”, schrieben die Buyout-Firmen. “Diese Transaktionen stellen einfach die normale Arbeit im Geschäft mit Fusionen und Akquisitionen dar.”

Wir bieten, wo ihr nicht bietet – und umgekehrt

Laut Klageschrift haben in einem Beispiel Bain, KKR und die Investmentbank Merrill Lynch 32,2 Mrd. Dollar für den Krankenhausbetreiber HCA Holdings geboten, nachdem andere Firmen einverstanden waren, nicht zu bieten. KKR soll die Branche gebeten haben, bei HCA zurückzutreten. Dazu verweisen die Kläger auf eine Email des damaligen Co-Leiters der Buyout-Gruppe von Carlyle, Dan Akerson. Laut den Klägern konnten KKR und Bain HCA zu einem “unterdrückten Preis” erwerben.

In der ursprünglichen Klageschrift aus den Jahren 2007 und 2008 wurden sieben Buyouts aufgeführt, bei denen es angeblich zu geheimen Absprachen kam: Freescale, HCA, Aramark, Neiman Marcus, PanAmSat Corp., SunGard Data Systems Inc. und Kinder Morgan.

Im Jahr 2010 genehmigte ein Richter eine zweite Phase der Fakten-Ermittlung bei acht weiteren Transaktionen, darunter Loews Corp., NXP Semiconductor NV, Vivendi SA, Community Health Systems Inc., Nalco Holding Co., Cablecom, Susquehanna Media und Warner Music Group. Im weiteren Verlauf des Jahres genehmigte der Richter, dass die Kläger weitere Transaktionen hinzunahmen. Die erweiterte Klageschrift, die nun offen gelegt wurde, umfasst 19 LBOs und acht weitere Transaktionen.

Unter den beschuldigten Finanzinvestoren sind auch Apollo Global Management LLC, Providence Equity Partners Inc., Thomas H. Lee Partners, Silver Lake Technology Management und TPG, darüber hinaus die Investmentbanken Goldman Sachs Group Inc. und JP Morgan Chase & Co.
Zu den Klägern gehören der Pensionsfonds von Polizei und Feuerwehr der Stadt Detroit und der Investor Kirk Dahl aus dem Bundesstaat Minnesota, der Freescale-Aktien besaß.